Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.09.2019


Motor News

Plug-in-Hyprid-Offensive: Starke Strom-Armada von Mercedes

Die Sternmarke meint es allmählich ernst und startet eine bisher nicht gekannte Plug-in-Hybrid-Offensive, die das Kompaktwagensegment ebenso erfasst wie die Luxusklasse.

Am Papier hat der GLE 350 de 4Matic über 100 Kilometer rein elektrische Reichweite.

© WerkAm Papier hat der GLE 350 de 4Matic über 100 Kilometer rein elektrische Reichweite.



Von Markus Höscheler

Frankfurt/Main, Dreieich – Ganz schön vorwitzig ist das, was Mercedes-Benz in Frankfurt/Main sich leistet. Während ein großer Teil bekannter Automarken die diesjährige Internationale Automobil-Ausstellung schwänzt, tritt Daimler gleich mehrfach in der Bankenmetropole in Erscheinung. Zum einen präsentiert Mercedes ein paar Weltneuheiten auf dem IAA-Stand selbst, zum anderen durften Medienvertreter bereits mit ganz neuen Modellen herumfahren, die in ein paar Monaten auf den Markt kommen werden. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn im kommenden Jahr wird es auf EU-Ebene ernst, dann müssen sich die Autohersteller bewegen, was den Flottenverbrauch anbelangt. Die Zielgröße – 95 Gramm CO2 je Kilometer pro verkauftem Neufahrzeug – variiert zwar bei den Anbietern leicht, doch alle müssen sie darauf achten, dass sie Volumen erzielen mit Modellen, die geringe oder gar keine Verbräuche (mit fossilen Brennstoffen) erzielen.

Der B 250 e fährt bis zu 77 km rein elektrisch ...
Der B 250 e fährt bis zu 77 km rein elektrisch ...
- Werk

Diese Herausforderung hat Mercedes nun ganz offensichtlich ernst genommen, denn mit Jahreswechsel 2019/20 will der Anbieter in der Lage sein, mehr als zehn verschiedene Plug-in-Hybrid-Modelle anzubieten.

... die A-Klasse ebenso.
... die A-Klasse ebenso.
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Da kommt eine große Auswahl auf die Endkunden zu, beginnend etwa mit dem A 250 e. Der Kompaktwagen wird von einem Vierzylinder-Benziner und einem Elektroaggregat angetrieben – das Maschinen-Duo erzielt eine Gesamtleistung von 218 PS und ein Systemdrehmoment von 450 Newtonmetern. Den Sprint von null auf 100 km/h bewältigt der A 250 e in 6,6 Sekunden als Schräghecklimousine, als Stufenheckvariante benötigt diese Antriebskonfiguration eine Zehntelsekunde mehr. Rein elektrisch kann das Modell dank eines 15,6-kWh-Lithium-Ionen-Speichers zwischen 74 und 77 Kilometer weit fahren, außerdem eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erzielen (sonst 235 km/h). Der Normverbrauch mit 1,4 bis 1,5 Litern je 100 Kilometer ist vorbildlich, sofern die Nutzerin oder der Nutzer täglich den Akku für überschaubare Pendlerfahrten auflädt (CO2-Ausstoß: 32 bis 34 Gramm je Kilometer).

Dieselbe Technik finden wir auch im B 250 e wieder, nur dass hier die Beschleunigung von null auf 100 km/h in 6,8 Sekunden vonstattengeht. Die Tiroler Tageszeitung fuhr mit diesem Plug-in-Hybrid ein paar Dutzend Kilometer südlich von Frankfurt – und ließ sich überzeugen vom Technik-Niveau des Modells.

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Die Systemleistung beim A 250 e beträgt sportliche 218 PS, das Systemdrehmoment beträgt 450 Newtonmeter.
Die Systemleistung beim A 250 e beträgt sportliche 218 PS, das Systemdrehmoment beträgt 450 Newtonmeter.
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Eine Fahrprobe gab es auch mit dem GLE 350 de 4Matic, bei dem ein Vierzylinder-Dieselaggregat und ein Elektromotor zusammengespannt sind. Mit 320 PS Systemleistung, 700 Newtonmetern Systemdrehmoment und einem 31,2-kWh-Akku lässt sich schwer etwas falsch machen. Die Abstimmung ist jedenfalls harmonisch, der E-Motor ist für den normalen Fahrbetrieb dank 100 kW (136 PS) stark genug, um das Oberklasse-SUV in Bewegung zu halten. Im besten Fall lässt sich eine rein elektrische Reichweite von knapp hundert Kilometern erzielen.

Auch die luxuriöse S-Klasse ist mit einer Plug-in-Hybrid-Variante (S 560 e) versehen.
Auch die luxuriöse S-Klasse ist mit einer Plug-in-Hybrid-Variante (S 560 e) versehen.
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Die bisher vier genannten Fahrzeuge sind Mitglieder der so genannten EQ-Power-Familie, womit Mercedes ihre Plug-in-Hybrid-Modelle bezeichnet. Zum Unterschied dazu gibt es die EQ-Boost-Modelle (im Prinzip sind das Mildhybride mit 48-Volt-Bordnetz) und die EQ-Baureihen (das sind reine Elektriker).

Zum EQ-Power-Ensemble zählen außerdem im Mittelklassesegment der C 300 de (T-Modell), der E 300 de als Vertreter der Oberklasse, der S 560 e als Abkömmling der Luxusklasse, der GLC 300 e 4Matic (Midsize-SUV) und der GLC F-Cell (Hybrid mit Brennstoffzelle). Weitere Versionen werden in verschiedenen Segmenten folgen, denn Mercedes hat schon angekündigt, im Laufe des Jahres 2020 mehr als 20 Modellvarianten anbieten zu wollen. Vielleicht ist die Marke wieder vorwitzig genug, parallel zum im März stattfindenden Genfer Autosalon wieder eine Fahrpräsentation für innovative Fahrzeuge abzuhalten. Mehr über die Neuheiten der diesjährigen Internationalen Automobil-Ausstellung erfahren Sie auf den Seiten 2 bis 7.