Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.10.2019


Motor News

Der T-Roc von VW: Sport nach Wolfsburger Art

Der T-Roc, der rockt: Die SUV-Sportvariante des Volkswagen-Publikumslieblings punktet sowohl fahrdynamisch als auch mit praktischen Talenten.

In Mango Yellow mit raffinierter „Cosmic“-Beklebung ist der Twingo überall ein Eyecatcher.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Angela Fuchs</span>

© In Mango Yellow mit raffinierter „Cosmic“-Beklebung ist der Twingo überall ein Eyecatcher.Foto: Angela Fuchs



Von Stefan Pabeschitz

Nizza – Vor dem Kürzel GTI hat Volkswagen zumindest so viel Respekt, dass es für das kompakte Pkw-Segment reserviert bleibt. Darüber thront schon seit 2002 das weniger ikonische, aber mit noch mehr Leistung untermauerte R-Modell, das nun auf weitere Baureihen ausgerollt wird – den Anfang macht der T-Roc R mit 300 PS und 400 Newtonmetern Drehmoment, die sich in 4,8 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 niederschlagen, ein Zehntel mehr, als der aktuelle Golf R sich dafür genehmigt. Bei 250 km/h endet der Spurt – auch ohne elektronisches Abriegeln, mehr ist einfach nicht drin.

Der erste SUV-R wurde mit großzügiger Mitgift R bedacht: Allrad, 7-Gang-Automatik, Progressivlenkung und die im Golf R aufpreispflichtige Performance-Bremse sind serienmäßig an Bord. Zum Standard-Sportfahrwerk steht eine selbstregelnde Adaptiv-Version zur Wahl, als beliebtestes Extra dürfte sich aber die Titan-Auspuffanlage von Akrapovic in die Herzen der Fans röhren: Vier echte End­rohre plus eine kernige, aber nie lästige Resonanzübertragung in den Innenraum – mehr braucht es gar nicht und irgendwie fährt man ja doch auch mit dem Ohr.

Das dickwulstige Multifunktionslenkrad aus dem Golf R, Metall-Pedalerie und ein schwarzer Dachhimmel sorgen für dazupassendes Sportambiente im Cockpit. Kleiner Wermutstropfen: Die nicht allzu hochwertig wirkende Hartplastik-Ausstattung hat auch in der R-Version kein Material-Update erhalten. An die siebentausend T-Roc-Käufer pro Jahr hat das aber schon bisher nicht gestört, die künftig angepeilten 150-R-Kunden per anno werden damit, zumindest nach VW-Kalkulation, wohl auch zurechtkommen.

Um das bei einem SUV durch den höheren Schwerpunkt konstruktionsbedingte Untersteuern zu entschärfen, wurde die Software der Allrad-Haldexkupplung adaptiert: Es bleibt zwar bei maximal 50 Prozent Kraftverteilung an die Hinterachse, aber sie beginnt früher und wird schneller geregelt – tatsächlich lässt sich der T-Roc R höchstens mit grob fahrlässigen Manövern zum Schieben über die Vorderachse provozieren – und das nur für Sekundenbruchteile, bevor die Allradregelung souverän eingreift. Gut gelungen ist auch die Spreizung der Fahrmodi, die deutlich merkbare Unterschiede in Ansprechverhalten, Schaltfrequenz, Federungskomfort und Direktheit der Lenkung kreieren. Dass der Sportmodus hier Race heißt, spricht für sich. Was diese Einstellung adelt, ist, dass man sie auch getrost im Dauerbetrieb fahren kann und dabei keinerlei Komfort vermisst. In der Leistungsentfaltung ist das Aggregat bei allem Power-Überschuss durchaus kultiviert und macht trotzdem unglaublich viel Spaß auf hohem Fahrniveau. Dazu kommt das Gefühl ständiger Sicherheitsreserven bei Bremsen und Handling. Bemerkenswert ist die gelungene Gesamtabstimmung des R-Pakets: Wird ein herkömmlicher T-Roc schon mit optionaler 18-Zoll-Bereifung ungehörig rumpelig, kommt das Adaptivfahrwerk in der Sportvariante auch mit 19-Zoll-Schuhwerk ausgezeichnet zurecht.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Auch auf der praktischen Seite verlang der T-Roc R kaum Kompromisse: Er verträgt ebenso 75 Kilo Dachlast wie seine zivilen Varianten, kann mit einer Anhängekupplung ausgestattet werden und zieht damit bis zu 1,9 Tonnen. Die rechnerischen 7,5 Liter Durchschnittsverbrauch lassen sich bei beherzter Gangart auch verdoppeln, was dann aber unter Vergnügungsabgabe fällt. Der rasante Spaß beginnt ab 49.490 Euro und ist bereits bestellbar – wer meint, dass in diesem recht ansehnlichen Betrag womöglich auch ein Navigationssystem enthalten ist, der irrt allerdings. Nach Art des Hauses VW bleibt das selbst im Topmodell ein aufpreispflichtiges Extra und schlägt sich mit stolzen 1.226 Euro Mehrkosten nieder.