Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.10.2019


Rückblick

Der steinige Weg einer Nobelmarke nach oben

Zumindest im Premium-Segment wähnten sich die Europäer und Amerikaner in den 1980er Jahren noch unangreifbar.

Der erste seiner Art: 1989 beginnt die Lexus-Geschichte mit dem Verkaufsstart des LS400 in den USA.

© Der erste seiner Art: 1989 beginnt die Lexus-Geschichte mit dem Verkaufsstart des LS400 in den USA.



Ibiza – Die 80er waren eine tolle Zeit. Vielleicht nicht, was Frisuren und Mode angeht (siehe Limahl und Cyndi Lauper), aber die Automobilbranche brummte damals wie selten zuvor. Die Japaner erfanden die Effizienz neu und bauten besser ausgestattete, günstigere Autos als die Europäer und Amerikaner zu dieser Zeit. Zumindest im Premium-Segment wähnten sich jene noch unangreifbar. Toyotas Erfahrung mit dieser Klasse beschränkt sich auf den Century, dessen Name praktisch Programm ist: Die mit hauseigenen V8- und V12-Aggregaten befeuerte Staats- und Bonzen-Limousine schafft ab 1967 beachtliche 50 Baujahre. Konzernchef Eiji Toyoda schwebt aber etwas anderes vor: Japanischer Perfektionswille muss das schlichtweg beste Auto der Welt zustande bringen! Das Projekt F1, für Flaggschiff Eins stehend, startet 1983. Keinen Tag zu früh, denn die Konkurrenten von Honda, Nissan und Mazda schmieden gleichwertige Pläne. Nichts wird dem Zufall überlassen, selbst die Namensfindung gerät zum Maximalprojekt. Chaparal und Verone sind es zum Glück nicht geworden, das Rennen macht am Ende Lexus. Das wortwörtliche Anlehnen an Luxus (im Lateinischen Überfluss bedeutend), ist gewollt – und berechtigt: Nicht die kleinste Kleinigkeit wird dem Zufall überlassen, Komfort, Leistung und Verarbeitungsqualität kompromisslos vorangetrieben.

1989 steht das Ergebnis auf der NAIAS in Detroit: der LS400. Dass 60 Designer daran gearbeitet haben, sieht man ihm nicht an – er schaut aus wie eine rundumerneuerte S-Klasse. Aber das ist Kalkül: den Kunden mit vertrauten Stilmitteln, aber besserer Qualität überzeugen. Die Europäer nehmen den „Versuch“ nicht ernst, Mercedes ist er nicht einmal eine Klage wegen Design-Plagiats wert. Lexus dagegen feiert Erfolge, zunächst in Nordamerika, später auch anderswo – und hält sich seit 30 Jahren. (pabs)