Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.11.2019


Motor News

Japans Automobilindustrie: Innovativ angetrieben in die Zukunft

Japans Automobilindustrie setzt verstärkt auf die Elektromobilität und autonomes Fahren. Schon im kommenden Jahr werden einige neue Stromer nach Europa kommen.

Showcars und Serientaugliches: Nissan überrascht mit dem Ariya Concept.

© HerstellerShowcars und Serientaugliches: Nissan überrascht mit dem Ariya Concept.



Von Walter Schrott

Tokio – Die großen Themen auf der Tokyo Motor Show sind die alternativen Antriebe und neue Ansätze bei der Vernetzung und der autonomen Fortbewegung. Toyota, mit mehr als acht Millionen verkauften Autos weltweit einer der größten Hersteller, gibt mit der seriennahen Studie Mirai Concept einen ersten Ausblick auf die zweite Generation des Brennstoffzellen-Modells. Die sportlich-elegante Limousine mit künftig fünf – bisher vier – Sitzplätzen kommt dank des optimierten Brennstoffzellen-Antriebes jetzt auf eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern. Mit Hinterradantrieb und erhöhter Karosseriesteifigkeit verspricht der knapp fünf Meter lange Viertürer agiles Handling und schadstofffreien Fahrspaß. Der neue Mirai startet 2020, nach Österreich wird er 2021 kommen. Mit dem LQ lässt Toyota tief in die Zukunft blicken. Das Konzeptfahrzeug erfasst mittels künstlicher Intelligenz den Gemütszustand des Lenkers. Passende Klimatisierung, Sitzbelüftung und frische Düfte sollen die Ermüdung verhindern. Zudem ermöglicht der LQ bereits automatisiertes Fahren der Stufe 4.

Honda, der größte Motorenhersteller der Welt, lässt flotte Musik erklingen. Der neue Jazz (in Japan heißt er „Fit“) steht bereits in den Startlöchern. Der Kleinwagen – seit jeher ein Raumwunder mit hoher Variabilität – präsentiert sich in seiner vierten Generation in komplett neuem Design und wurde konsequent auf die Bedürfnisse der Passagiere entwickelt. Der Jazz wird ausschließlich mit der innovativen i-MMD-Hybrid-Technologie in Kombination mit einem Benzin-Verbrenner angeboten und verspricht geschmeidige Kraftentfaltung bei geringem Verbrauch.

Mazda, Österreichs Nummer eins bei den Japanmarken und bislang bei alternativen Antrieben zurückhaltend, springt auf den Öko-Zug auf. Der MX-30 markiert den Einstieg der Marke in das batterieelektrische Zeitalter. Das fesche Midsize-SUV mit 4,40 Metern Länge und 140 PS Leistung bietet Platz für fünf Insassen. Es ist kein Derivat von aktuellen Modellen, sondern wurde komplett neu entwickelt. Natürlich setzt der MX-30 auf das vielfach preisgekrönte Kodo-Design, das bei der aktuellen Modellfamilie die Klientel begeistert. Die Besonderheit: Den Zugang zum Fond ermöglichen zwei kleine, gegenläufig öffnende Türen. Der MX-30 soll bereits im Herbst 2020 die Alpenrepublik beehren.

Mazda MX-30.
Mazda MX-30.
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Mitsubishi untermauert seine Allrad-Kompetenz mit der Studie MI-Tech Concept und interpretiert damit die Werte der Markenbotschaft „Drive your Ambition“. Das vollelektrische SUV-Cabrio soll unter allen Bedingungen und auf jedem Terrain Fahrspaß mit hoher Sicherheit verbinden. Dafür haben die Tüftler der Drei-Diamanten-Marke einen neuen, verkleinerten Plug-in-Hybrid Antriebsstrang entwickelt und mit einem elektrischen Allradsystem kombiniert. Anstelle des konventionellen Benzinmotor-Generators übernimmt ein Gasturbinen-Generator den Part des Verbrenners. Je zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse stellen eine optimale Kraftverteilung sicher. In Serie wird das witzige Playmobil nicht gehen. Dafür könnte die seriennahe Studie Engelberg Tourer ein Ausblick auf einen möglichen Outlander-Nachfolger sein.

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Suzuki backt traditionell kleine Brötchen. Aber nur, was die Größe der Autos anlangt. Ansonsten ist der Kleinwagen- und Allradspezialist groß im Geschäft. Der Tokio-Auftritt wirft erste Schlaglichter auf das 100-Jahr-Jubiläum der Marke im kommenden Jahr. Die Studie Wakku Spo überrascht mit Wandlungsfähigkeit. Aus dem Stufenheck-Flitzer im sympathischen Retro-Design kann per Knopfdruck flugs ein Kombi werden, der auch die Frontpartie verändert. Unter der klassisch gestylten Hülle werkt ein Plug-in-Hybrid. Autonomes Fahren beherrscht der Hanare, ein Kleinbus, dessen komfortabler Innenraum im Stil eines freistehenden Häuschens („Hanare“ auf Japanisch) für Spaß und Begeisterung abseits des eigentlichen Fahrens sorgt. Bunt treibt es der Hustler Concept, ein ultrakompaktes, kantiges SUV, das in verschiedenen Modell-Variationen Spaß mit hoher Funktionalität vereint. Leider sind die Suzuki-Studien (vorerst?) ausschließlich für den japanischen Heimmarkt von Relevanz.

Toyota zeigt den LQ. Bereits fix geplant ist der Marktstart des elektrisch fahrenden Mazda MX-30.
Toyota zeigt den LQ. Bereits fix geplant ist der Marktstart des elektrisch fahrenden Mazda MX-30.
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Nissan serviert mit dem Ariya Concept einen optischen Leckerbissen. Wobei man die Bezeichnung „Studie“ gleich vergessen kann. Dass der rund 4,60 Meter lange Crossover seriennah ist, ist nicht zu übersehen. Den rundum gelungenen Fünftürer mit seiner dynamischen Linienführung könnte man genau so auf die Straßen schicken. Nissan wird das in Europa 2021 mit ziemlicher Sicherheit auch tun. Der batterieelektrische Allradler, der von zwei E-Motoren (einer vorne, einer hinten) angetrieben wird, verfügt zudem über eine ganze Armada an Assistenzsystemen und modernste Vernetzung sowie automatisierte freihändige Fahrfunktionen. Den Sprint auf 100 km/h soll der Ariya unter fünf Sekunden erledigen, um die Reichweite rankt sich noch ein Fragezeichen. Der Ariya ist außerdem Wegbereiter für die neue Designsprache der Marke. Die verkörpert auch bereits die Studie IMk Concept. Ebenfalls ein rein elektrisch angetriebenes und umfassend vernetztes Modell, das Nissan als „ultimatives Pendlerfahrzeug“ bezeichnet. Ob der 3,40 Meter kurze Cityflitzer irgendwann auch auf Europas Straßen unterwegs sein wird, ist noch unklar.