Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 26.01.2019


Kia

Kia Ceed: Schöngeist mit Sportler-Genen

Mit dem ProCeed bringt Kia den ersten Shooting Brake der Marke auf die Straßen. Der Euro-Koreaner beeindruckt mit Design, Technik und Vielseitigkeit.

Alles richtig gemacht bei einem mutigen Design: Der ProCeed von Kia ist eine gelungene Kombination aus Fließheck, Coupé und Kombi.

© WerkAlles richtig gemacht bei einem mutigen Design: Der ProCeed von Kia ist eine gelungene Kombination aus Fließheck, Coupé und Kombi.



Von Walter Schrott

Barcelona – Kia segelt permanent im Aufwind. Die einstige Korea-Marke ist mit Design- und Entwicklungszentren in Deutschland und dem Werk in der Slowakei längst ein waschechter Europäer geworden und vermeldet Jahr für Jahr Zuwächse. Mit dieser Europäisierung einher geht auch stetige Evolution. In Sachen Design trifft man mittlerweile zielsicher abendländischen Geschmack, Technik und Qualität bewegen sich auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.

Was für VW der Golf ist, ist für Kia der Ceed; der absolute Topseller der Marke. Nachdem im Vorjahr Hatchback und Kombi neu aufgelegt wurden, folgt jetzt als drittes und brandneues Modell der Familie der ProCeed. Und der ist der erste Shooting Brake der Marke. Eine Herausforderung für die Designer, denn bei dieser Mixtur aus Fließheck, Coupé und Kombi kann man – wie das eine oder andere Beispiel zeigt – auch rasch danebengreifen. Die Kia-Designer haben alles richtig gemacht. Der ProCeed steht wie aus einem Guss auf den Rädern und macht mit seinem skulpturalen Auftritt und stimmigen Proportionen rundum eine blendende Figur.

Vorne hebt sich der Fünftürer von den beiden Brüdern mit einem eigenständigen Stoßfänger ab, die LED-Leuchten übernimmt er eins zu eins. Mit 4,61 Metern vom Bug bis zum Heck ist er bei gleichem Radstand (2,65 Meter) der Längste in der Ceed-Familie. Die Dachlinie verläuft um 43 Millimeter niedriger, was den sportlichen Charakter unterstreicht. Zudem kauert der ProCeed um zehn Millimeter näher am Asphalt. Die ultimative Butterseite ist aber das Heck, das harmonisch der abfallenden Dachlinie folgt und Sportlichkeit mit Eleganz vereint. Ein LED-Leuchtband verbindet die beiden Heckleuchten, der breite Stoßfänger samt Diffusor beherbergt zwei markante Abgas-Endrohre.

Das Interieur übernimmt der ProCeed nahezu unverändert von den Brüdern. Was nicht verkehrt ist, denn das klar gegliederte Cockpit samt bekannten Bedienelementen, frei stehendem Touchscreen und dem unten abgeflachten Lenkrad erfüllt alle ergonomischen Kriterien souverän. Das Platzangebot ist vorne wie hinten üppig, die Sitze sind großzügig geschnitten. Einzige Einschränkung: Die niedrige Dachlinie geht auf Kosten der Kopffreiheit hinten. Wer größer als 180 ist, wird zumindest frisurmäßig mit dem Dachhimmel Bekanntschaft machen. Reichlich Platz auch im Rucksack: Mit 594 Litern Kofferraumvolumen stellt der ProCeed sogar einige klassische Kombis seiner Liga in den Schatten.

Der Newcomer wird ausschließlich in den Versionen GT-Line und GT angeboten. In Sachen Ausstattung ist Kia in die Spendierhosen geschlüpft. Schon beim GT-Line ist nahezu alles vorhanden, was das Autofahrerherz begehrt, einschließlich Navi, Sitz- und Lenkradheizung und JBL-Soundsystem. Noch eins drauf setzt der GT, der mit Sportsitzen in Leder-Veloursleder-Mischung und einem Glasschiebe-Hubdach aufwartet. Die Sicherheit ist mit einschlägig bekannten Assistenzsystemen in Kompaniestärke vertreten.

Im Herzen ist der Euro-Koreaner ein Sportler. Aber einer mit Familiensinn und voller Alltagstauglichkeit. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt und liefert in Kooperation mit der präzisen Lenkung beeindruckende Fahrdynamik. Fein aber, dass Kia dabei den Fahrkomfort nicht vernachlässigt. Noch intensiver wird der Fahrspaß beim GT, wenn der Sportmodus aktiviert ist. Der schärft die Gasannahme, macht die Dämpfer härter und begleitet die tolle Performance mit künstlich erzeugtem Grummeln aus den Endrohren.

Der GT-Line kommt mit zwei Triebwerken. Ganz neu ist der 1.4-Turbobenziner mit 140 PS, bestens bekannt der 1.6-Turbodiesel mit 136 PS. Der rassige GT wird ausschließlich von einem 1.4-Turbobenziner mit 204 PS befeuert. Serienmäßig müssen die sechs Gänge manuell sortiert werden, wer 2200 Euro zusätzlich investiert, darf von einer 7-Gang-Doppelkupplungsautomatik schalten lassen. Der ProCeed steht bereits bei den Händlern. 33.090 Euro kostet der 140-PS-Benziner, 35.190 Euro der Diesel und für die Topversion GT sind 39.990 Euro fällig. Das Ceed-Trio wird im nächsten Jahr übrigens zum Quartett. Dann folgt eine vierte Karosserievariante, über die Kia aber noch den Mantel des Schweigens breitet.