Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.01.2015


Nutzfahrzeuge

Den Boxer macht Nehmen seliger als Geben

Peugeots Fünf-Meter-Bus kann einstecken und einsammeln, er beherrscht das Einlagern und Einsparen.

© HöschelerPraktisch beim Boxer ist die seitliche, das Einsteigen erleichternde Schiebetür auf der Beifahrerseite.



Von Markus Höscheler

Rum – Einiges geriet in den zurückliegenden zwölf Monaten im Nutzfahrzeugsektor in Bewegung: Der erneuerte Sprinter von Mercedes startete neu durch, Fiat legte den Ducato neu auf, Renault und Opel kümmerten sich um die Modernisierung des Trafic und Vivaro, um nur ein paar gewichtige Beispiele zu nennen. Von ähnlicher Bedeutung ist das Zwillingspaar Peugeot Boxer/Citroën Jumper, das im vorangegangenen Frühjahr in neuer Generation vorfuhr. Wie der Mitbewerb stellt sich der Boxer als extrem vielseitig heraus, lässt sich in vier Längen und drei Höhen sowie mit unterschiedlichen Aufbauten ordern.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 2198 ccm

Drehmoment: 320 Nm bei 2000 U/min

Leistung: 96 kW/130 PS

L/B/H: 4963/2050/2254 mm

Gewicht: 2103/3000 kg

Kofferraumvolumen: 1200 – 4840 l

Tankinhalt: 90 l

Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h

0 – 100 km/h: k. A.

Verbrauch: 7,5 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Vorderradantrieb

Preis: ab 37.795 Euro

CO2-Emission: 184 g/km

Sehr Pkw-nah fiel jener Boxer aus, der jüngst den TT-Fuhrpark auffettete: Die 4,96 Meter lange Bus-Variante L1H1 dient dazu, möglichst viel Personal zu befördern, wobei die ziemlich viel Sack und Pack mit sich führen dürfen: Selbst in der um eine dritte Sitzreihe (und damit insgesamt neun Sitzplätze anbietende) angereicherten Ausführung bietet der Kofferraum wenigstens 1200 Liter Stauvolumen. Sperrige Wintersportgeräte finden hier ebenso ihren Platz wie Kleinmöbel. Noch mehr geht diesbezüglich in den Boxer, wenn die Sitze der zweiten und dritten Reihe nicht benötigt werden, da brutto 4840 Liter Laderaum die Einsteck- und Einlager-Talente des französischen Nutzfahrzeugs betonen.

Transportdienlich sind im Weiteren die überdurchschnittliche Fahrzeugbreite mit 2,05 Metern, die Fahrzeughöhe mit 2,25 Metern und das großzügig öffnende Doppelportal im Heck. Die Abmessungen und die Technik mahnen aber zur Vorsicht beim Einparken und Rangieren sowie zum erhöhten Kraftaufwand beim Öffnen und Schließen der Türen. Als nützlich erweist sich allerdings die von uns benützte Option der hinteren Parksensoren und der kleinen Rückfahrkamera, die Stellplatzrempler und Holzzaun-Berührungen unwahrscheinlicher machen.

Wenn der Boxer sich eher auf den Personentransfer besinnen soll, dann kann die seitliche Schiebetür, angebracht auf der Beifahrerseite, ihre Vorteile ausspielen. Sie ist ausladend dimensioniert, um das „Einsammeln“ der Fahrgäste zu erleichtern. Die hohe Einstiegshürde mag ganz jungen und nicht mehr so jungen Passagieren nicht ganz behagen, dafür entschädigen übermäßige Kopf- und Beinfreiheit im Interieur für die Mühsal. Die meisten Sitze lassen sich individuell passabel einstellen, lediglich die vordere Sitzbank, recht steil gestellt, neben dem Fahrer macht nicht jedem Rücken Freude.

Positiv bilanzieren dagegen die hohe Sitzposition und der erhabene Rundumblick – sowie die Möglichkeit, dem Fahrer bei seinem Tun auf die Finger zu schauen. Dem gefällt in erster Linie der 2,2-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, der 130 PS leistet und sich frühzeitig mit einem satten Drehmoment von 320 Newtonmetern Respekt verschafft. Diesem zuträglich ist der erzielte Durchschnittsverbrauch von 7,5 Litern je 100 Kilometer, auch ein Resultat des ausgiebig benützten, hoch thronenden Sechsgang-Handschalters.

Die Fahrwerksausrichtung des Busses zitiert gelegentlich die Nutzfahrzeug-Herkunft, die Bremsen bewähren sich mit ihrer Standfestigkeit. Eine Bewährungsprobe benötigt – trotz der fairen Boxer-Einpreisung – das Bankkonto, denn für die 130-PS-Variation gilt es, mindestens 37.795 Euro (brutto) aufzubringen. Die dritte Sitzreihe ist dabei noch nicht erfasst. Selig, wer sie um 550 Euro netto zusätzlich bestellt.




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