Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.06.2015


Ratgeber

Qashqais Cousin kratzt Konkurrenz

Mit dem Kadjar will Renault endlich im SUV-Segment einen Erfolg verbuchen. Die Chancen auf einen Publikumserfolg stehen gut – dank Van-den-Acker-Design, Nissan-Allradtechnik und vernünftigen Motoren.

© Ab nächster Woche verkaufen Renault-Händler das Kompakt-SUV Kadjar, zumeist als Fronttriebler, auf Wunsch gibt es den 130-PS-Diesel mit Allradsystem.Fotos: Höscheler, Hersteller, AMP



Von Markus Höscheler

Saragossa – Bewundernswert ist sie auf alle Fälle, die Experimentierfreudigkeit der Franzosen: Renault verwirklichte in den vergangenen Jahren einige Ideen, allerdings fielen nicht alle auf fruchtbaren Boden beziehungsweise stießen nicht alle auf die gewünschte Kundenakzeptanz. Dem größeren Koleos blieb beispielsweise der Zuspruch weitgehend verwehrt. Worauf Interessenten aber Tag für Tag stoßen, ist die unverkennbare Formensprache, die der Designer Laurens van den Acker seit einigen Jahren der Marke und den Fabrikaten auf und unters Blech drückt. Davon profitiert der Kadjar, der in ein Marktsegment einfährt, das weiterhin an Attraktivität gewinnt: das der kompakten Sport Utility Vehicles und Crossovers.

Hier war Renault bis dato nicht vertreten, der eingestellte Koleos war eine Nummer größer, der auf dem Clio basierende Captur ist eine Nummer kleiner. Der 4,45 m lange Kadjar stellt sich dazwischen und hält die Balance zwischen einem gerade noch parkplatztauglichen Gefährt und einem vielseitig nutzbaren Alltags­auto, das auch dem prüfenden Blick der streng urteilenden Nachbarschaft standhalten kann.

Markant und selbstbewusst fallen der breite Kühlergrill mit dem mittig platzierten Marken-Rhombus, die seitlich flankierenden Frontscheinwerfer, die ausgestellten Radhäuser, die sickenreiche Motorhaube, der Knick in der Schulterlinie und die herausragenden LED-Heckleuchten ins Auge des Betrachters. Der Dachschwung ist zeitgeistbestimmend coupéförmig gehalten, was etwas Laderaum kostet, aber wohl nicht so viel, um eine längere Reise oder gar einen großen Einkauf zu verhindern: Wenigstens 472 Liter fasst der Kofferraum des Neulings, bei umgelegten Rücksitzlehnen erhöht sich das Volumen auf 1478 Liter. Bei höheren Ausstattungsniveaus lässt sich der Beifahrersitz umlegen, um eine Ladeflächenlänge von 2563 Millimetern freizugeben.

Mit seinem Erscheinungsbild fügt sich der Kadjar in die Reihen aktueller Modelle ein, etwa dem eben erst lancierten Espace. Bei genauerer Betrachtung profitiert das neue Modell vom Allianz-Cousin Nissan Qashqai. Von dem borgt sich der Kadjar etwa die Allrad­technik All Mode 4x4i aus. Diese hält drei Fahrmodi parat – bei Automatik fährt das SUV mit Frontantrieb und schaltet bei drohendem Traktionsverlust die Hinterachse hinzu; im Lock-Modus ist der Kadjar bei niedrigen Geschwindigkeiten mit starrem Durchtrieb auf beide Achsen unterwegs; und die aktivierte 2WD-Einstellung belastet nur die Vorderachse.

All Mode 4x4i gibt es beim Kadjar nur mit dem 130 PS starken 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel und einem manuellen Sechsgang-Handschalter. Derart bestückt benötigt das Modell wenigstens 4,8 Liter Treibstoff je 100 Kilometer (CO2-Ausstoß: 126 g/km). Einen halben Liter weniger nimmt der Selbstzünder in Anspruch, wenn sich der Käufer auf einen Fronttriebler beschränkt. Und nur 3,8 Liter konsumiert der 20 PS schwächere 1,5-Liter-Ölbrenner, einerlei, ob er mit manuellem Schalter oder mit Sechsgang-Doppelkupplung (EDC) unterwegs ist. Eine dritte Motorvariante zeigt sich in Form des 130 PS starken 1,2-Liter-Vierzylinder-Turbobenziners. Der verfügt über hohe Laufkultur, akzeptablen Verbrauch (5,6 l/100 km; CO2: 126 g/km) und markiert die Basis. Bei Fahrproben in Nordspanien zeigt er aber, dass er – im Gegensatz zum Diesel – ab dem vierten Gang ein wenig Mühe hat mit den 1,4 Tonnen Eigengewicht.

Mit vier Ausstattungsebenen werden Renault-Händler ab Mitte Juni den Kadjar anpreisen: Mit Life beginnt das Angebot, es enthält bereits eine Klimaanlage, 16-Zoll-Stahlfelgen, ein CD-Radio mit Blue­tooth-Schnittstelle und einen Tempomaten. Zen überbietet Life mit Zweizonen-Klima­automatik, 17-Zoll-Alufelgen, Lederelementen und Regen- sowie Lichtsensoren. Mit einer Dachreling, einem Fernlicht­assistenten, einem Spurhaltewarner und einer Verkehrszeichenerkennung kann sich Xmod auszeichnen – während sich die Bose-Edition mit Vollausstattung brüstet: 19-Zöller, Surround-System, Navigationssystem R-Link 2, Voll-LED-Scheinwerfer, Unterfahrschutz und Einparkhilfe vorne wie hinten. Für den Basisbenziner muss der gewogene Kunde wenigstens 21.490 Euro aufbringen, der Diesel-Aufpreis beträgt 1500 Euro. Allrad gibt es ab 28.890 Euro.




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