Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.06.2015


Ratgeber

Supernova unter Mercedes-Sternen

Die ab Werk bereits exklusiv begüterte S-Klasse klopft mit der nochmals verlängerten und aufgewerteten Maybach-Variante bestimmt an die Pforten einer verwöhnten Bentley- und Rolls-Royce-Klientel.

© HöschelerAb 163.630 Euro bietet Mercedes den S 500 Maybach an, außerdem gibt es ihn mit einem 6,0-Liter-V12-Benzinmotor zu kaufen (als S 600 Maybach).



Von Markus Höscheler

Amlach – Das Plus an Radstand wirkt sich beim 5,45 Meter langen S 500 Maybach von Mercedes in vielerlei Hinsicht aus – der Eigentümer wird sich wohl am meisten über die beiden hinteren Sitzplätze freuen, die zweite Reihe ist eher als Loge zu werten. So imposant stellen sich Beinfreiheit, das Angebot an Massageprogrammen und die Entertainmentmöglichkeiten dar. Zwei auf der Rückseite der Vordersitze angebrachte Bildschirme lassen viele Darstellungsmöglichkeiten zu, darunter auch den Empfang von TV-Sendern. Mit Kopfhörern können sich die beiden Fahrgäste im Fond überhaupt von störendem Umgebungslärm abschotten.

Wobei die Notwendigkeit dazu überhaupt nicht besteht, denn der Raumklang innen ist wegen der eingebauten Burmester-Soundanlage bereits ein Konzertversprechen, dazu ist das Fahrzeug gegen Außenbeschallung hervorragend gedämmt. Rein akustisch nehmen die Insassen des Maybach wenig vom 4,7-Liter-Achtzylinder-Turbobenzinmotor wahr, der mit 455 Pferdestärken die überlange S-Klasse in gut 5,0 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt. Immerhin: Wenigstens diesen rasanten Standortwechsel können die Insassen konzentriert mitverfolgen, souverän lassen sich Überholmanöver absolvieren. Verblüffend ist einerseits die Leichtigkeit des dynamischen Antritts, andererseits der harmonische Stufenwechsel der immer noch sehr frischen Neunstufen­automatik. Die beherrscht die passende Gangwahl nahezu perfekt.

Noch erstaunlicher mutet das an, was der S 500 Maybach aus dem Untergrund-Angebot macht: Irgendwelche Unebenheiten bügelt die Nobellimousine glatt weg, sogar größere Erhebungen, gedacht als Tempobegrenzer, sind kaum spürbar. Die Lenkung des relativ traktionssicheren Hecktrieblers ist Daimler-typisch ausgerichtet: präzise, doch recht indirekt.

Lob verdienen sich einige prachtvolle Details, Bedenkenträger kommen im Hinterteil des S 500 Maybach auf ihre Kosten. Zunächst aber zu den Elementen, die den Innenraum erstrahlen lassen: Erstklassig mutet das verwendete Leder an, dessen Verarbeitung ohnedies. Die beiden breiten, hochauflösenden TFT-Bildschirme bieten umfassende Informationen über das Fahrzeug und die Umgebung an, die Bedienung über den Command-Drehdrück­steller, über die Spracheingabe oder über Lenkradtasten ist über weite Strecken sehr gelungen.

Mokieren kann sich der Maybach-Interessent allerhöchstens über den 500 Liter fassenden Kofferraum, dem es etwas an Großzügigkeit fehlt – dafür gibt es eine Reihe von Fahrerassistenzsystemen, die das Fahren mit dem Luxusgleiter zu einem Erlebnis der sehr bequemen, fast schon sorgenfreien Art machen.

Das Testwagen-Eintrittsbillett in diese Welt macht allerdings etwas mehr als 230.000 Euro aus. Und keine Bange: Im nächsten Jahr kommt die fünfte S-Klasse-Spielart auf den Markt, nochmals um einen Meter verlängert in Form eines Pullman. Hier sind wir auf die Kofferraum-Dimensionen ebenso gespannt wie beim angedachten S-Klasse Cabriolet, einem weiteren Plattform-Abkömmling.

Die Technik

Motor: Achtzylinder-Turbobenziner

Hubraum: 4663 ccm

Drehmoment: 700 Nm bei 1800 U/min

Leistung: 335 kW/455 PS

L/B/H: 5453/1899/1498 mm

Gewicht: 2220/2795 kg

Kofferraumvolumen: 500 l

Tankinhalt: 80 l

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

0–100 km/h: 5,0 Sekunden

Verbrauch: 10,8 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Hinterradantrieb

Preis: 230.676 Euro

CO2-Emission: 207 g/km