Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.06.2015


Ratgeber

Überlasst den Lorbeer den Linsen

Honda legt mit dem neuen Straßensportler Civic Type R die Performance-Latte in der kompakten Leistungsklasse noch ein gutes Stück höher – auf Basis von 310 PS.

© HerstellerKompakt-Sportler mit Drehorgel unter der Haube: 310 PS leistet der Zweiliter-Vierzylinder-Turbobenziner im neuen Honda Civic Type R.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Bratislava – Ein Match ist in der Kompaktklasse im Gange. Europäische und asiatische Marken rittern darum, den Schärfsten, Stärksten und Schnellsten im Segment auf die Räder zu stellen. Und auf den Rennstrecke(n) Siegeslorbeer einzuheimsen.

Der neueste und jüngste Beitrag dazu kommt aus Japan. Honda hat auf Basis des aktuellen Civic – der in einer der früheren seiner bisher neun Generationen ein höchst beliebtes Tuning-Objekt war – wieder quasi einen werksgetunten Top-Typen, einen Type R kreiert.

Der versteckt seine Absicht nicht. Die Optik samt LED-Lichtsignatur vorne, prominentem Heckspoiler hinten und rundum zusätzlichen Lufteinlässen sowie die Aerodynamik fördernden Details orientiert sich am WTCC-Civic. Das kann man in plakativem Rot oder in gar nicht unschuldigem Weiß, garniert mit schwarzen Details, ordern.

Im Interieur herrscht Honda-typische Ergonomie, angereichert durch knapp sitzende Alcantara-Sportsessel, deren Hüftpunkt gegenüber dem Vorgänger um drei Zentimeter abgesenkt wurde. Sind Sitz und Lenkrad einmal justiert, sitzt man perfekt integriert, der Schaltknüppel wächst gewissermaßen von selbst in die rechte Hand.

Herzstück des Type R ist ein Zweiliter-Vierzylinder-Benziner. Honda kombiniert hier erstmals das variable Ventilsteuerungssystem mit Aufladung durch einen (kleinen) Turbo. Die Ernte sind 310 PS Leistung plus 400 Nm Maximal-Drehmoment. Die Fahrleistungs-Eckdaten: 0 auf 100 gehen ab 1.380 Kilo Gewicht (vollgetankt) in 5,7 Sekunden, bei 270 km/h ist Schluss mit dem Vortrieb. Das Aggregat dreht blitzartig hoch, bis 7.000 Touren – ab dann fordern der Begrenzer und ein LED-Lichtspiel im Pilotenblickfeld dazu auf, den nächsten Gang einzulegen. Das ist, siehe Griffgünstigkeit, ein besonderes Gustostück: Die Schaltwege sind gerade einmal vier Zentimeter kurz. Das Getriebe „schluckt“ die Gangstufen wie von selbst.

Ebenso wie auf eine Automatik verzichtet Honda beim aktuellen R-Typen auf Allradantrieb, er ist genauso ein Fronttriebler wie seine zivilen Brüder. Seine Vorderachse wird durch ein mechanisches Sperrdifferenzial und ein ausgeklügelt abgestimmtes elektronisches Regelwerk – Stabilisierungsprogramm (abschaltbar), Traktionskontrolle & Co. – höchst zurückhaltend und dezent im Zaum gehalten.

Wie sich das anfühlt, das ließ Honda auf dem Slowakia-Ring unweit von Bratislava ausprobieren. Fürs Erste wurde die knapp sechs Kilometer lange und technisch fordernde Rennstrecke im Standard­modus absolviert. Das lässt schon eine mehr als leise Ahnung aufkommen, dass man für den Type R auf öffentlichen Straßen ein großes Quantum Charakterfestigkeit brauchen wird, um nicht allzu initiativ – und Kontostand gefährdend – mit seiner Leistungsbereitschaft umzugehen. Das ist aber erst der Anfang, denn die richtige (Rennstrecken-)Musik spielt im R-Modus. Auf Knopfdruck dämmert rotes Licht im Cockpit, es straffen sich Motor-Mapping, Fahrwerk und Lenkung, spannen die Muskeln an und der Zweiliter bellt nochmals intensiver. Dabei werden modische Soundspielereien nicht ins Spiel gebracht.

Ist schon die Schaltung ein Gedicht, müssen auch die Bremsen extra hervorgehoben werden: An den vorderen 350-Millimeter-Scheiben beißen rot lackierte Zangen mehr als herzhaft und unerschütterlich, mit progressiver, superb dosierbarer Wirkung zu.

Fazit, frei nach H. C. Artmann: Besser ist es, den Type R nicht mit Lorbeer zu bekränzen, den überlasse man den Linsen, sondern ihn mit Benzin zu füttern. Dass er damit nicht allzu verschwenderisch umgeht – abseits der Rennstrecke! – versteht sich bei Honda von selbst. Normmixverbrauch pro 100 km: 7,3 Liter. CO2: 170 g/km.

Das Basismodell kostet ab 37.190 Euro. Darin enthalten sind serienmäßig unter anderem schlüsselloser Zugang, LED-Scheinwerfer (fürs Abblendlicht) und Rückfahrkamera. Der GT kommt auf ab 40.390 Euro. Da bekommt man Navigation, und 320 Watt-HiFi-System dazu, nebst etlichen elektronischen Helfern, von Einparksensoren vorne wie hinten über Fernlicht­automatik bis zu Spurhalteassistent und Verkehrszeichenerkennung. Verkaufsstart ist im kommenden September.




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