Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.08.2016


Test

Porsche wagt wieder die Kreuzung

Mit einer coupéförmigen Sportlimousine befuhr Porsche vor sieben Jahren unbekanntes Terrain: Der Fünftürer entwickelte sich zum durchschlagenden Erfolg, der Nachfolger rüstet nun technisch enorm auf.

Ab 133.584 Euro bietet Porsche die zweite Generation des Panamera an, in diesem Fall in Verbindung mit einem neuen 2,9-Liter-Sechszylinder-Turbobenziner. Auf den Markt kommt das Modell Anfang November.

© HerstellerAb 133.584 Euro bietet Porsche die zweite Generation des Panamera an, in diesem Fall in Verbindung mit einem neuen 2,9-Liter-Sechszylinder-Turbobenziner. Auf den Markt kommt das Modell Anfang November.



Von Markus Höscheler

Tegernsee – Limousinen mit Sporttalenten zu versehen – darauf verstehen sich schon einige Autobauer seit geraumer Zeit. Die Verknüpfung widersprüchlicher Anforderungen gelingt aber keinem so konsequent wie Porsche: Die Schwaben haben sich vorgenommen, einen vier- (oder, je nach Lesart, fünftürigen) Wagen zu bauen, dessen Optik sich klar an der hauseigenen Ikone 911 Carrera orientiert. Entsprechend schwungvoll ist die Dachlinie des Panamera ausgefallen. Eine tiefe Sitzposition ermöglicht immer noch eine akzeptable Kopffreiheit im Fond, das sollte sich auch in der nun auf den Markt kommenden zweiten Generation nicht ändern. Wurde der Vorläufer noch skeptisch begrüßt – nach dem Motto: Wer braucht denn so etwas? –, findet der Nachfolger ein bereits bestelltes Feld vor. Von der Außendarstellung ändert sich der Neuling gegenüber dem Alten nur moderat, in technischer Hinsicht verfügt er aber über Finessen, die auch Eigentümer bisher gebauter Panameramodelle hellhörig machen dürften.

So haben sich die Techniker des Sportwagenherstellers einmal mehr als besonders emsig erwiesen, wenn es um den Bau neuer Motoren geht: Im Panamera kommen neue Aggregate zum Einsatz, die ganz selbstverständlich hohe Leistung, satten Durchzug und dennoch eine verhältnismäßig zurückhaltende Konsumkultur versprechen. Die Basis, zumindest die vorläufige, stellt ein 2,9-Liter-Sechszylinder-Benziner dar, der dank doppelter Aufladung 440 PS generiert und ein maximales Drehmoment von 550 Newtonmetern im Drehzahlbereich von 1750 bis 5500 Touren stemmt. In Verbindung mit einer neu konstruierten Achtgang-Doppelkupplung (PDK) und einem serienmäßig installierten vollvariablen Allradantrieb glückt der Sprint von null auf 100 km/h in 4,2 bis 4,4 Sekunden, das Höchsttempo erreicht der 1,87 Tonnen schwere Panamera 4S mit 289 km/h.

Den auf 5,05 Meter Länge leicht gewachsenen Sportwagen kann der Käufer auf Wunsch auch mit einem neuen V8-Biturbo-Diesel aufwerten: Dann winken 422 PS und ab 1000 Umdrehungen/Minute ein maximales Drehmoment von 850 Newtonmetern. Der Panamera 4S Diesel benötigt dann zwischen 4,3 und 4,5 Sekunden für das Erreichen des Landstraßen-Tempolimits, außerdem sind als Spitze 285 km/h möglich.

Getoppt werden diese beiden Panameramodelle von der Turboausführung. Auch hier wollen acht Zylinder mit einem Kraftstoff-Luft-Gemisch effizient befüllt werden, um Höchstleistungen auf der Straße zu erzielen. 3,6 bis 3,8 Sekunden sind nötig für den Standardsprint, die Beschleunigung ist erst bei 306 km/h zu Ende.

Beim Verbrauch belegt der 4S-Diesel die Spitze mit einem Normwert von 6,7 Litern (CO2-Ausstoß: 176 g/km), gefolgt vom Basisbenziner 4S mit 8,1 Litern je 100 km (CO2: 184 g/km) und vom Turbo mit 9,3 Litern (CO2: 212 g/km). Das hier vorgelegte Motorenprogramm legt nahe: Es gibt noch Spielraum, vor allem nach unten, vielleicht auch etwas nach oben: Ein Plug-in-Hybrid ist nur eine Frage der Zeit, reine Hecktriebler dürften mehr sein als bloßes Hirngespinst – zumal in Zuffenhausen nicht nur begabte Ingenieure sitzen, sondern auch weitsichtige Rechner: Den Panamera 4S bieten Porschehändler ab 133.584 Euro an, den Diesel ab 136.200 Euro, den Turbo ab 186.731 Euro.