Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Test

Der Compass zeigt, wo es langgeht

Jeep will mit dem brandneuen Compass in der Liga der kompakten SUV die Richtung vorgeben. Mit gelungenem Design, hohem Nutzwert und technischen Raffinessen.

Das schrullige Design des Vorgängers hat der neue Compass abgelegt. <span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Hersteller</span>

© Das schrullige Design des Vorgängers hat der neue Compass abgelegt. Foto: Hersteller



Von Walter Schrott

Lissabon – So vielversprechend der Name war, so glücklos war das Modell: Der erste Jeep Compass, damals noch aus der Allianz Daimler/Chrysler, hat die Erwartungen nicht erfüllt. Schuld daran war nicht zuletzt das schrullige Design, das außer dem typischen Kühlergrill mit der legendären Jeep-DNA nicht viel gemeinsam hatte. Doch das alles wird sich rasant ändern. Der neue Compass kommt unter der Regie von Fiat/Chrysler ganz anders daher als der Vorgänger. Und er will – nomen est omen – in seiner Liga auch die Richtung vorgeben. Mit tollem Design und technischen Raffinessen, die in dieser Liga einmalig sind.

Der Italo-Ami ist technisch ein Zwilling des erfolgreichen kleineren Renegade, orientiert sich optisch aber ganz selbstbewusst am Spitzenmodell Grand Cherokee. Mit 4,40 Metern Länge schiebt sich der Compass auch größenmäßig zwischen die beiden Brüder und duelliert sich mit europäischen und asiatischen Gegnern. Wobei Jeep den Kunden ganz klar ausrichten lässt: „Sie wünschen, wir spielen!“ Gemeint sind damit die verschiedenen technischen Varianten.

Großstadtcowboys dürfen sich über die erhöhte Sitzposition freuen, sind aber mit Frontantrieb bestens bedient. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann eines der Modelle mit dem Allradsystem Jeep Active Drive ordern, das die Antriebskraft vollautomatisch je nach Bedarf auf alle vier Räder verteilt. Das Selec-Terrain-System passt zudem per Drehregler mit den Modi Schnee, Sand, Schlamm das Antriebs-Drehmoment den Fahrbedingungen an. Und wer sich für das Modell Trailhawk entscheidet, ist gerüstet für das große Abenteuer. Das Rauhbein der Familie lässt mit Geländeuntersetzung, 22,9 Zentimetern Bodenfreiheit, dem zusätzlichen Fahrprogramm Fels, Unterfahrschutz, Front- und Heckschürzen und Ganzjahresreifen keine Zweifel über seine Fähigkeiten aufkommen. Der Trailhawk schafft Böschungswinkel von 29,1 (vorn) bzw. 33,1 Grad (hinten) und Rampenwinkel von 23,7 Grad und klettert im schweren Gelände mühelos über Stock und Stein. Ein echter Jeep eben. Ein Technik-Highlight bei den Allradlern: Wenn zwei angetriebene Räder ausreichen, können Kardanwelle und Hinterachse entkoppelt werden. Das spart Sprit.

Der Innenraum präsentiert sich robust, solide, funktionell und ergonomisch ohne Tadel. Dazu passen die klassischen Rundinstrumente. Dank des üppigen Radstandes von 2,64 Metern herrscht auch keine Enge. Selbst im Hinterstübchen gibt es reichlich Platz. Alle Erwartungen in Sachen Infotainment erfüllt der Compass mit dem Uconnect-Multimediasystem via Smartphone-Anbindung durch Android Auto und Apple CarPlay. Die Securitytruppe ist teils serienmäßig, teils optional u. a. mit Kollisionswarner, Notbrems-Assistent, Spurhalte-Assistent, Querverkehrswarner, Totwinkel-Assistent, Park-Assistent, adaptivem Tempomat und Rückfahrkamera an Bord.

Der Newcomer startet ab Juli in den Modell-Versionen Longitude und Limited. Der Fronttriebler ist mit einem 120 PS starken 1.6 Multijet-Diesel und 6-Gang-Schaltgetriebe bestückt. Die beiden 2.0 Multijet-Diesel mit 140 und 170 PS und der 170 PS starke 1.4 Multiair-Benziner sind den 4WD-Modellen vorbehalten. Je nach Version mit 6-Gang-Schalter oder 9-Stufen-Automatik kombiniert. Der Trailhawk mit dem 170-PS-Diesel folgt demnächst, im Herbst gesellt sich mit dem Compass Sport ein weiterer Fronttriebler mit einem 140-PS-Benziner zur Modellfamilie. Fazit nach ersten Testkilometern: Spät, aber eindrucksvoll ist Jeep ins kompakte SUV-Segment zurückgekehrt. Der Compass ist ein Alleskönner, der souverän den Spagat zwischen Komfort und Fahrdynamik schafft. Bei kritischen Bedingungen und abseits fester Wege spielt er als Allradler seine Qualitäten voll aus. Und optisch ist er ein echter Hingucker geworden. Preislich geht es bei 26.890 Euro los (Compass Sport 2WD), das obere Ende markiert vorerst der Limited 4WD 2.0 Multijet-Diesel samt 9-Gang-Automatik mit 42.890 Euro. Der Preis für den Trailhawk ist noch offen.




Kommentieren


Schlagworte