Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.10.2017


BMW F 800 R

Bayerns starke Zweirad-Mitte

BMW hat die F 800 R fit für Euro4 gemacht und ihr eine dezente Modellpflege spendiert.

© LetznerEgal, ob man entspannt durch die Stadt rollt oder auf Tour gehen will: Mit der F 800 R hat man einen Begleiter, der einen nie überfordert. Foto: Letzner



Leutasch – Wenn man im Allgemeinen über die Mittelklasse redet, dann hat das oft den faden Beigeschmack von Mittelmäßigkeit. Da sich die Motorrad-Elite aber mittlerweile rund um die 200-PS-Marke eingefunden hat, kann man sich vorstellen, dass man auch im Mittelfeld vor gut gefüllten Töpfen steht.

Im Falle der BMW F 800 R sind es deren zwei und die Bayerin presst aus ihren insgesamt 800 ccm gar nicht mittelmäßige 90 PS. Für das heurige Modelljahr wurde der Reihen-Zweizylinder außerdem Euro4-optimiert. Als wir unser Testbike das erste Mal satteln, fällt die angenehme Sitzposition auf. Lediglich der etwas spitze Kniewinkel könnte auf längeren Touren zum Problem werden. Abhilfe schafft hier die variable Sitzbank (Standardhöhe liegt bei 790 mm), die bei Bedarf auf 820 mm aufgestockt, oder auf 770 mm abgesenkt werden kann. Die Sitzposition ist recht aufrecht und der breit gebaute Lenker vermittelt ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit. Insgesamt wirkt die F 800 R recht kompakt, was man im Gewusel der Stadt sofort merkt.

Mühelos lässt sich die 800er ums Eck zirkeln und jede Kolonne abkürzen. Der elektronische Gasgriff erlaubt das feinfühlige Dosieren der Drosselklappen, die maximal 86 Nm an den Hinterreifen schicken und die F 800 R recht manierlich davonsprinten lassen. Auf der Landstraße gefällt die Bayerin mit ihrer gleichmäßigen Kraftentfaltung. Der Fahrer hat immer das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben und wird nie überfordert. Wer es gerne sportlicher angeht, der muss den Twin allerdings bei Laune halten, denn er legt sich erst jenseits der 5000 U/min so richtig ins Zeug. Beim Fahrwerk setzen die Bayern nach wie vor auf einen Leichtmetall-Brückenrahmen mit Zweiarm-Hinterradschwinge und zentralem Federbein. Vorne kommt eine Upsidedown-Gabel zum Einsatz die das Vorderrad äußerst zielgenau durch die Kurven zirkeln lässt. Apropos Kurven: Mit spielerischer Leichtigkeit lässt sich die F 800 R in ebensolche werfen – egal wie eng sie sind. Wer dann einmal härter verzögern muss, der kann sich auf die Doppelscheibenbremsen (320 mm Durchmesser) und das serienmäßige ABS verlassen.

Die optionale elektronsiche Fahrwerkseinstellung ESA erhöht den Komfort zusätzlich und erlaubt es dem Fahrer, die Zugstufe des hinteren Federbeins per Knopfdruck zu verstellen. Egal ob man es komfortabel oder sportlich mag, die drei Modi lassen keine Wünsche offen. Mittels unterschiedlicher Fahrmodi („Road“ und „Rain“) lässt sich die Gasannahme verstellen, was die Sicherheit – vor allem auf nasser Fahrbahn – zusätzlich erhöht. Zu haben ist die F 800 R ab 9900 Euro. (luc)




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