Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.11.2017


Renault

Die Anspannung wird weniger

Der stärkere Akku verschafft dem Elektroauto Renault Zoe deutlich mehr Bewegungsfreiheit.

© HöschelerLaut Testzyklus offeriert die stärkere Batterie bis zu 400 Kilometer Reichweite, im Realbetrieb ist mit zwei Dritteln davon zu rechnen.



Innsbruck – Beim Thema Hybrid ist Renault immer noch Nachzügler, beim Thema Elektroauto zählen die Franzosen aber weiterhin zu den Wegbereitern in puncto Serientauglichkeit und Verbreitung. Von der anfänglichen Welle mit Twizy, Zoe, Kangoo Z.E. und Fluence Z.E., einem Quartett, ist zwar nur noch ein Trio übrig geblieben – aber hier legt Renault viel Wert auf Pflege. Dem Fluence Z.E, einem Stufenheckmodell, gab das Unternehmen hierzulande den Laufpass, beim Transporter Kangoo Z.E und beim Kleinwagen Zoe hat es aber erheblich nachgebessert. Die Veränderungen betreffen vor allem den Lithium-Ionen-Speicher, der nun moderner und minimal schwerer geworden ist, vor allem nahezu eine Reichweitenverdoppelung mit sich bringt. Dank einer Kapazität von 41 Kilowattstunden traut sich Renault von einer Bruttoreichweite von 400 Kilometern mit einer Ladung zu werben. Am Prüfstand ist dieser Wert erreichbar, im Realbetrieb eher nicht. Während unserer Testphase kamen wir über eine angezeigte Maximalreichweite von 250 Kilometern nicht hinaus. Aber selbst das ist schon eine respektable Entwicklung, denn damit lassen sich signifikant längere Strecken als früher ohne zwingenden Zwischenstopp bewältigen.

Um den Akku nicht über Gebühr zu belasten, hat Re­nault einige Hürden eingebaut: Zwar beschleunigt der Zoe von der Kreuzung weg recht flott, von null auf 50 km/h braucht er nur etwas mehr als vier Sekunden. In der Folge geht es der 92 PS starke Stromer gemächlicher an, auch wenn immerhin 250 Newtonmeter maximales Drehmoment anliegen: Für Tempo 100 km/h benötigt der 4,09 Meter lange Wagen mehr als 13 Sekunden. Ein weiterer Drosseleffekt stellt sich auf der Autobahn ein – mehr als 135 km/h Spitze sind nicht möglich. Das stört in Österreich natürlich nicht, in Bayern vielleicht schon, wenn der Zoe-Fahrer es wagt, beispielsweise von Innsbruck nach Salzburg zu fahren.

Der Zoe verzichtet auf viele Spielereien, nicht aber auf ein angenehmes Platzangebot: Vorne wie hinten haben die Insassen ausreichend Kopf- und Beinfreiheit, für Gepäck gibt es wenigstens 328 Liter Raum, bei umgeklappten Rücksitzlehnen sind es sogar 1225 Liter. Für Berufspendler und Großstadtfahrer könnt­e die Anschaffung eines Zoe reizvoll sein – sie sollten sich aber Zeit nehmen, die Angebote genau zu studieren, denn es gibt nach wie vor den Basisakku mit geringerer Reichweite, außerdem auch die Möglichkeit, den Akku nur zu mieten. (hösch)




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