Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.11.2017


Audi

Mehr Digitales im 2. Anlauf

Beim Motor setzt der Audi R8 auf Traditionsbesetztes, im Cockpit verdrängen hochauflösende Displays analoge Instrumente.

© HöschelerKein Zentimeter zu viel: Das R8 Coupé ist nur 4,43 Meter lang und bietet Platz für zwei Insassen.



Von Markus Höscheler

Wald im Pinzgau – Elektrisches und Elektronisches gibt es in Hülle und Fülle im Audi R8 der zweiten Generation. Das Highlight steckt aber woanders. Dazu aber später mehr. Denn das volldigitale Instrumentarium, erstmals zu sehen im kleineren TT Coupé, hat auch im 4,43 Meter langen Supersportwagen R8 Verwendung gefunden. Wir werden hier nicht müde, die hohe Auflösung, die Leuchtkraft und die verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten zu loben, auch nicht in Verbindung mit dem Infotainmentsystem samt Sprachbedienung.

Unseren Navigationswünschen kam die Technik erfreulicherweise eifrig nach – einmal wollten wir den Gerlospass bewältigen und den R8 am Ufer des Durlaßboden-Speichers im Grenzgebiet von Tirol und Salzburg auf seine Wendigkeit hin prüfen. Ein anderes Mal kam das Kühtai an die Reihe, das in der Nebensaison nicht so häufig aufgesucht wird wie mitten im Sommer und mitten im Winter.

Um es vorwegzunehmen: Am Zusammenspiel von 5,2-Liter-Zehnzylinder-Saugbenziner, Siebengang-Doppelkupplung, Fahrwerk und Lenkung lässt sich kein Tadel finden: Das Aggregat beschleunigt auf Wunsch heftig, vor allem in den oberen Drehzahlregionen. Die Klänge, die der Zehnzylinder dabei von sich gibt, sind laut, aber doch recht harmonisch. Das automatisierte Getriebe kann mit Schaltwippen dirigiert werden – was dem R8 im Gefälle bestimmt nicht zum Nachteil gereicht. Ansonsten wechselt die Doppelkupplung die Stufen in Eigenregie recht knackig, was durchaus segmenttauglich ist. Keine Überraschung stellt die eher straffe Ausrichtung des Modells dar, jederzeit übermittelt das Coupé den Qualitätszustand des Bodenbelags – der im Kühtai weitgehend saniert, seitlich des Durlaßboden-Speichers hingegen recht rissig ist. Dank ausgewogener Gewichtsverteilung (Mittelmotor hinter den Sitzen) und permanentem, wachsamem Allradantrieb (Quattro) fühlen wir uns sicher. Hier kann sich auch das Volant einbringen, das eine Direktheit vermittelt, die wir sonst nur wenigen Fahrzeugen, allen voran von technisch verwandten Lamborghini-Modellen, gewohnt sind.

An diesen italienischen Vorbildern orientiert sich das Coupé jedenfalls, was die Sprintwerte betrifft: In 3,5 Sekunden spurtet der R8 von null auf 100 km/h, erst bei 320 km/h ist Schluss mit der Geschwindigkeitszunahme. Zugegeben, im österreichischen Straßennetz können wir mit dem Maximaltempo legalerweise nichts anfangen, dafür gäbe es die Möglichkeit, ins nördliche Nachbarland auszuweichen. Gingen wir diesem Vorschlag nach, könnten wir aber kaum unseren Testverbrauch wiederholen, der sich nach ein paar Tagen bei rund 13,0 Litern Benzin einpendelte.

Damit dürfte der Supersportwagen von Audi wohl die Wenigsten erschrecken, mehr hingegen mit seinem Tarif, aufgefettet mit Normverbrauchsabgabe und Umsatzsteuer: Mindestens 224.970 Euro sind zu entrichten, mit ein paar Extras lassen sich aber noch ein paar Tausender oder gar Zehntausender draufschlagen. Hier sticht insbesondere der Leistungsaufschlag ins Auge, den Audi für die 610 PS starke „Plus“-Variante einfordert. Dafür sind dann laut Preis- liste 248.160 Euro zu entrichten.




Kommentieren


Schlagworte