Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.11.2017


Test

Der will einen Platz an der Sonne

Mitsubishi spendiert seinem neuesten Modell einen altbekannten Namen: Der Eclipse Cross ist aber kein Nachfolger des rassigen Sportwagens, sondern ein dynamisches SUV-Coupé.

© WerkNach dem Jahreswechsel kommt der Eclipse Cross in den Handel.



Von Walter Schrott

Barcelona – Eingefleischte Benzinbrüder werden sich wundern, verbinden sie doch mit dem Namen „Eclipse“ ein rassiges Sportcoupé von Mitsubishi, das von 1990 bis 2012 in vier Modellgenerationen gebaut wurde. Jetzt hat ein Crossover den klingenden Namen geerbt. Mit dem Eclipse Cross positioniert die Marke mit den drei Diamanten ein brandneues Modell zwischen ASX und Outlander. Eigentlich hätten wir den Neuzugang bereits auf den Straßen rund um Barcelona testen sollen, doch Straßenblockaden der katalanischen Separatisten haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Immerhin, auf der Tokio-Motorshow konnte die TT den feschen Japaner schon ausgiebig unter die Lup­e nehmen.

Während die beiden SUV-Brüder in Sachen Design vergleichsweise noble Zurückhaltung an den Tag legen, tritt der Newcomer ausgesprochen expressiv auf. Mit coupéhafter Dachlinie, bissiger Front, knackigem Heck, kurzen Überhängen und markanten Kanten zeigt er im Heer der aktuellen Hochsitz-Modelle einen eigenständigen Charakter und sprüht nur so von Dynamik. Besonders auffällig das Heck, wo ein Leuchtenband-Spoiler die Heckscheibe teilt. Wobei der optische Auftritt den Namen (übersetzt bedeutet Eclips­e Sonnenfinsternis) Lügen straft. Von Finsternis keine Spur, der Eclipse Cross strahlt hell und weckt spontan Begehrlichkeiten.

Das SUV-Coupé steht aber auch für die Neuausrichtung der Marke. Wie es aussieht, lässt Mitsubishi das PKW-Segment links liegen und surft verstärkt auf der SUV-Welle. Wie in dieser Klasse üblich, sind in Sachen Antrieb Alternativen geboten. Großstadtindianer und Flach­länder sind mit dem Fronttriebler ausreichend bedient, Ötzis Nachfahren in den Bergen werden sich wohl eher die Allradversion zulegen. Das elektronisch gesteuerte 4WD-System verteilt die Antriebskraft je nach Bedarf vollautomatisch zwischen Vorder- und Hinterachse. Dazu gibt es die Modi „Schnee“ und „Schotter“, die auf spezifische Bedingungen mit maximaler Traktion reagieren. Mit 4,40 Metern Länge, 1,80 Metern Breite und knapp 1,68 Metern Höhe matcht sich der Eclipse Cross fast zentimetergenau mit der europäischen und fernöstlichen Konkurrenz im Midsize-Format. Im Lade­abteil lassen sich zwischen 341 und – bei umgelegten Rücksitzlehnen – 448 Liter unterbringen.

Wie ernst es den Japanern ist, zeigt sich auch im Innenraum, wo Funktionalität und Ergonomie auf wertige Materialien und gediegene Verarbeitungsqualität treffen. Ein echtes Sahnehäubchen dieses Cockpit, mit hohem Wohlfühlfaktor. Und das Platzangebot ist für diese Fahrzeugklasse mehr als üppig. Ein breites Spektrum bei der Konnektivität deckt Mitsubishi mit einem neu entwickelten Infotainmentsystem ab, das sich auf Apple Car Play und Android Auto versteht.

Unter der Haube schnurrt ein vollkommen neuer 1,5 Turbo-Benziner mit 163 PS, der sportliche Fahrleistungen verspricht. Wer sich für den Fronttriebler entscheidet, muss die sechs Gänge manuell sortieren, beim Allradler besorgt dies eine 8-Gang-CVT-Automatik samt manuellem Sport-Modus. Einen 2.2 Turbodiesel mit 150 PS reicht Mitsubishi später nach. Zur Security-Truppe gehören: Frontkollisionswarner samt Fußgängererkennung, Spurhalte-Assistent, Totwinkel-Assistent, Distanzregelung, Fernlicht-Assistent, Berganfahrhilfe und 360-Grad-Rundumsicht mit Querverkehrswarner. Ganz neu: Ein Fehlbeschleunigungs-Schutz soll Schlimmes verhindern, wenn einmal das Bremspedal mit dem Gaspedal verwechselt wird. Den NCAP-Crashtest hat der Eclipse Cross übrigens mit Bravour und fünf Sternen bestanden.

Österreich-Premiere ist im Jänner. Preislich geht es bei 25.900 Euro los, das Topmodell liegt bei 38.900 Euro. Wobei Mitsubishi den Gabentisch mit umfangreicher Serienausstattung schon bei den Einstiegsmodellen reich gedeckt hat. Kaum noch Wünsche offen lassen die First-Edition-Modelle, ultimativer Ausstattungskaiser ist die Version Diamond, die es ausschließlich als 4WD gibt.