Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.11.2017


Test

Samba und Karneval auf koreanisch

Mit dem neuen Rio will sich Kia auch in der Kleinwagenklasse endgültig vom Billigimage verabschieden. Eine deutlich frischere Optik und umfangreiche Ausstattung sollen den entscheidenden Vorteil bringen.

© Letzner



Von Lukas Letzner

Inzing – Der sieht jetzt aber richtig gut aus! Das ist ein Satz, den wir während unseres Tests des Kia Rio oft hörten. Dem konnten wir immer nur beipflichten denn die vierte Generation des koreanischen Kleinwagens tritt deutlich erwachsender zu unserem Test an.

Vorn geht es los mit einer neuen, flacheren Version der Kia-typischen Tiger-Nase, die bei höheren Ausstattungsvarianten auf Hochglanz poliert wurde. Dann folgen eine längere Motorhaube, eine Flanke mit klaren, geraden Linien, hinten eine steiler stehende C-Säule und ein kräftiges Heck. Das Ganze wirkt solide, vertrauenerweckend und mehrheitsfähig. Nicht ganz unwichtig in dieser Klasse. Dass es sich beim Testwagen um die Top-Ausstattung „Gold“ handelte, erkennt man an den Chromakzenten der Fensterlinie oder den LED-Rückleuchten.

Gepflegtes Design findet man auch im Inneren des Rio. Das Cockpit hat merklich an Qualität gewonnen, und da man auf den einen oder anderen Schalter verzichtet hat, wirkt es aufgeräumter. Die Sitzposition stimmt und die großen, klaren Instrumente lassen sich gut ablesen. Das neue 7-Zoll-Touchscreen-Navi dominiert die Mittelkonsole und verfügt über Schnittstellen für Android Auto und Apple CarPlay (es gehört ab der Ausstattungslinie „Titan“ zur Serie). Die Maße des neuen Rio haben sich kaum verändert, der größte Unterschied sind die 1,5 Zentimeter mehr Außenlänge. Vorn gibt es viel Platz und erstaunlich große, bequeme Sitze, im Fond wird es klassenüblich enger. Aber auch hier sind Erwachsene durchaus anständig untergebracht. Der Kofferraum wächst von 288 auf 325 Liter und bietet genug Platz für ausgedehnte Wochenendtrips. Dass Kleinwagen auch über einen ordentlichen Antritt verfügen können, beweist unser Testwagen ganz klar. Zwar sitzt hinter der schicken Front unseres Testwagens ein Benziner mit nur drei Brennkammern, aus seinen 998 Kubikzentimetern presst der Motor aber ordentliche 100 PS. So sprintet der Rio in nur 10,7 Sekunden auf IGL-Tempo. Dank des ordentlichen Drehmoments von 172 Nm, welches übrigens schon knapp über der Leerlaufdrehzahl anliegt, ist der Antritt dementsprechend. Dazu passt das sehr gut auf den Motor abgestimmte 5-Gang-Getriebe. Wir fanden, dass es im Alltag genau richtig übersetzt. Optimiert wurde auch das Fahrwerk. Es reagiert gutmütig auf Lastwechsel, und schluckt selbst grobe Schläge. Die akkurate Lenkung macht den Cityflitzer außerdem zum Universalgenie. In Anbetracht der Ausstattung finden wir auch den Preis beachtlich: Ab 17.690 Euro darf man sich über die Ausstattungsvariante „Gold“ freuen. Die Basis fährt ab 12.690 Euro in die heimische Garage.

Die Technik

Motor: Dreizylinder-Benziner

Hubraum: 998 ccm

Drehmoment: 172 Nm bei 1500 U/min

Leistung: 74 kW/100 PS

L/B/H: 4065/1725/1450 mm

Gewicht: 1116/1600 kg

Kofferraumvolumen: 325 – 980 l

Tankinhalt: 45 l

Höchstgeschwindigkeit: 186 km/h

0 – 100 km/h: 10,7 Sekunden

Verbrauch: 5,2 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Vorderradantrieb

Preis: ab 17.690 Euro

CO2-Emission: 102 g/km




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