Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.11.2017


Test

Opel will weiter hoch hinaus

Der Meriva-Nachfolger Crossland X surft auf der boomenden SUV-Welle. So vereint der Kompakte eine hohe Sitzposition und Platzangebot mit trendigem Design. Modernstes Multimedia sorgt für Unterhaltung.

© Reinhard FellnerVan-Konzept ade: Den Crossland X positioniert Opel als adrettes CUV (Crossover Utility Vehicle). Das beschert dem 4,2-Meter-Neuling gutes Aussehen und bequemen Einstieg.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck — Glaubt man Herstellern und aktuellen Absatzzahlen, so scheint Autokäufer außer hohen SUV derzeit fast gar nichts mehr zu interessieren. So soll das ohnehin boomende Segment bis 2014 nochmals um 14 Prozent zulegen. Doch sogar das wäre zu kurz gegriffen. So wie früher vom Geländewagen zum SUV, geht der Trend heute in volkstümlichen Segmenten vom SUV (oft mit Allrad) zum Crossover (praktisch immer Frontantrieb). Der Name des Meriva-Nachfolgers Crossland X weist darauf hin. Konsequenterweise gibt es den ersten zusammen mit Neo-Eigentümer PSA entwickelten Opel nicht mit Allradantrieb — dafür bieten die Rüsselsheimer weiter den Mokka X.

So steht mit einer Höhe von 1,6 Metern bei 4,2 Metern Länge ein schön gezeichnetes Trend-Fahrzeug vor einem. Der TT-Testwagen in Innovation-Ausstattung wirkte regelrecht wertvoll. Insgesamt bietet der kompakte Opel eine erfreuliche Gesamtqualität.

Noch mehr dürften die stolzen Eigentümer jedoch die praktischen Talente dieses CUV (Crossover Utility Vehicle) erfreuen. Mehr Raum dürfte man auf dieser Länge kaum irgendwo finden. Die Platzverhältnisse vorne sind exzellent. Dazu verwöhnten die aufpreispflichtigen AGR-Ergonomiesitze (655 Euro) mit traumhaftem Sitzkomfort. Eine Sitzhöhe von 64,5 Zentimetern — Bestwert unter den kompakten Crossovern — sorgt natürlich für bestmögliche Rundumsicht und einen äußerst bequemen und verrenkungsfreien Einstieg. Hinten geht es in ähnlicher Tonart weiter. Einfach nicht zu glauben, dass der — Parklückenkaiser — Crossland nur etwas mehr als 4,2 Meter lang ist.

Die im Testwagen verschiebbare Rückbank (150 Millimeter) lässt in der Praxis dann noch einmal die Wahl, ob man in der zweiten Reihe eine feine Fußfreiheit genießen oder den Kofferraum schon in Normalstellung auf 520 Liter erweitern will.

Trotz Ladeboden muss man aber mit einer kleinen Kante auf der Ladefläche leben. Zudem muss immer wieder gesagt werden, dass dieses Crossover-Fahrzeugkonzept beim Transport jüngeren Nachwuchses samt Kinderwägen schon wegen der mangelnden Innenbreite ausgewachsene Kombis nicht ersetzen kann.

Bei einer weiteren neuzeitlichen Erscheinung — Multimedia — gehört der Crossland zu den Allermodernsten seines Segments. Die Systeme beherrschen die Anbindung von Smartphones über Apple Car Play oder Android Audio. Dazu lassen sich geeignete Handys auch ohne Kabel induktiv laden, optional bietet Opel ONStar Mitfahrern einen WLAN-Hotspot. Assistenzsysteme wie Spurhaltehilfe oder Verkehrszeichenerkennung erhöhen die Sicherheit. Reserven bietet da auch das leichtfüßige Fahrwerk, das eine feine Alltagsabstimmung darstellt zwischen Komfort und germanischer Straffheit. Der Fokus liegt, wie beim ganzen Auto, trotz direkt abgestimmter Lenkung auf der Gemütlichkeit — gut so bei einem erklärten Alltagsauto, das auch in Richtung Kleinfamilien schielt. Erstaunlich gut schlug sich übrigens der durch adBlue-Harnstoffeinspritzung saubere Diesel. Gerade 99 PS reichten zur vergnüglichen und sparsamen (5,4 Liter) Fortbewegung. Beim Preis gibt es unter dem Strich viel Auto fürs Geld: Auf 22.030 Euro bilanziert unser top ausgestatteter Diesel (Aktionspreis). Los startet man ab 16.930 Euro.




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