Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.12.2017


Volvo

Volvos Köcher steckt voller Pfeile

Die Schweden verstehen es seit drei Jahren gekonnt, Asse im Ärmel zu haben und Trümpfe auszuspielen – der nächste Joker ist das Kompakt-SUV XC40 mit hochwertigem Interieur und komfortabler Abstimmung.

© WerkAb 31.600 Euro bieten Volvo-Händler den XC40 an, auf den Markt kommen die ersten Fahrzeuge im März.



Von Markus Höscheler

Barcelona – Håkan Samuelsson wirkt immerzu friedlich – aber wenn er schießt, verbal natürlich, dann trifft er. Der Chief Executive Officer hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Volvo unter der Herrschaft des chinesischen Eigentümers Geely einen eigenständigen Weg gehen konnte und kann. Unter Samuelsson gab es einen radikalen Design-Wechsel, eine Abkehr von großvolumigen Motoren, eine Forcierung neuer Plattformen und die Etablierung alternativer Antriebe. Die jüngste marktfähige Kreation kommt in wenigen Wochen auf den österreichischen Markt, sie hat noch keinen direkten Vorgänger im Portfolio der Skandinavier: der XC40. Das Modell ist 4,43 Meter lang und rundet das SUV-Angebot von Volvo nach unten ab. Wer nun glaubt, Volvo hat einfach den XC90 oder den XC60 mehr oder weniger „zu heiß“ gewaschen, um ein kleineres SUV zu erhalten, irrt in optischer und technischer Hinsicht. Unterscheiden sich schon die beiden größeren SUV voneinander (siehe zum Beispiel Heck), gilt dies erst recht für den XC40, der auf einer völlig neuen technischen Basis steht. Für diese hat Volvo das Kürzel CMA (Compact Modular Architecture) kreiert, der XC40 ist das erste Serienmodell, das diese Plattform nutzt (der 01 von Lynk & Co folgt), während die 60er- und 90er-Serien auf der SPA (skalierbare Produktarchitektur) entstehen.

Nicht nur CMA steht für Neuerungen, auch beim Design gibt es Eigenständiges. Die Front erinnert zwar stark an die Volvo-typische Formensprache, das schräg stehende Heckfenster, die mögliche Zweifarbenlackierung, die seitlichen Karosserieeinschnitte und der Verlauf der unteren Fensterlinie zeigen aber mehr Verspieltheit, als es sich die größeren Geschwister erlauben.

Innen sind die Raummaße natürlich komprimierter und dennoch erfreulich großzügig. Vorne wie hinten sitzen normalgroße Erwachsene erstaunlich gut, außerdem dürfen sie sich sofort anfreunden mit den serienmäßig eingebauten digitalen Instrumentarien und mittig arrangierten Touchscreens. Von Knöpfen und Tasten hält Volvo schon seit geraumer Zeit nicht mehr viel, die meisten Funktionen lassen sich über den berührungsempfindlichen Bildschirm bedienen – dieses Gefüge ist bereits bestens bekannt aus den größeren Volvo-Modellen.

Ähnliches gilt für das Motorenprogramm, zumindest für das anfänglich erhältliche. Denn zunächst müssen sich Kunden entweder mit dem 247 PS starken Zweiliter-Vierzylinder-Turbobenziner im T5 oder mit dem 190 PS starken Zweiliter-Vierzylinder-Turbodiesel im D4 anfreunden. In beiden Fällen kooperieren die Triebwerke mit einer Achtgangautomatik und einem Allradsystem.

Dabei spricht die Beschleunigung für den Ottomotor, denn er benötigt nur 6,5 Sekunden, um den XC40 von null auf 100 km/h zu bewegen. Der Selbstzünder hat hier mit 7,9 Sekunden das Nachsehen, dafür kann er beim Durchschnittsverbrauch auf dem Prüfstand punkten: 5,1 Liter je 100 Kilometer (CO2-Ausstoß: 133 g/km). Beim Benziner weist das Datenblatt 7,3 l/100 km und 166 g CO2/km aus. Ein paar Monate nach dem Marktstart reicht Volvo weitere Aggregate nach, darunter den neu konstruierten 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 156 PS, der auch mit Frontantrieb, Sechsgang-Handschalter und einer Basisausstattung verfügbar sein wird – damit lässt sich dann der Einstiegspreis von 31.600 Euro rechtfertigen.

Um einiges höher liegt der Tarif für die beiden zuvor genannten Aggregate, zumal sie für die höheren Ausstattungsniveaus Momentum und R-Design in Frage kommen. Der D4 kostet ab 44.587 Euro, der T5 ab 46.535 Euro. Dafür gibt es abseits des digitalen Instrumentariums und des Touchscreens eine Klimaautomatik, eine Einparkhilfe hinten und Ledersitze mit Sitzheizung vorne.

Auch bei der Ausrüstung mit Sicherheitssystemen lässt sich Volvo nicht lange bitten, ein großer Teil ist bereits serienmäßig verbaut: darunter City Safety und der Querverkehrswarner (samt Notbremsfunktion). Gegen Aufpreis fährt der XC40 mit dem teilautonomen Pilot Assist, der bis zu einem Tempo von 130 km/h funktioniert.

Die ersten Fahreindrücke? Sowohl Diesel als auch Benziner schieben den XC40 flott und im höheren Drehzahlbereich geräuschvoll voran, im Kurvengeläuf zeigt sich das Kompakt-SUV überaus gutmütig und lässt sich kaum aus der Ruhe bringen. Die Lenkung könnte direkter sein, immerhin reagiert sie auf veränderte Einstellungen beim Fahrwerksprogramm, das nicht nur Comfort, sondern unter anderem auch Dynamic spielen kann. Das Ladeabteil ist mit einem Volumen von 460 Litern netto recht nützlich, der Bruttowert liegt bei 1336 Litern. Praktisch ist der Platz unterhalb der Kofferraumabdeckung, der die Hutablage aufnehmen kann, sollte diese bei der Verwendung des Kofferraums stören. Ein kleine Idee, die sich auch als Joker bezeichnen lässt.




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