Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.12.2017


Volvo

Wanderer und Sprinter zwischen zwei Welten

Der XC90 T8 Twin Engine kann beschleunigen wie ein Sportwagen oder gemütlich mit reinem Strom gleiten – der Plug-in-Hybridantrieb macht es möglich.

Mit 407 Pferdestärken und Allradantrieb sind alpine Ausflüge sorgenfrei möglich.

© Mit 407 Pferdestärken und Allradantrieb sind alpine Ausflüge sorgenfrei möglich.



Fließ – Seit über drei Jahren beschäftigen wir uns mit Volvos neuer Formensprache, moderner Antriebsphilosophie und zeitgemäßem Infotainmentsystem. Und noch immer drängt es sich auf, sich dem Design mit besonderer Aufmerksamkeit anzunähern, das Motorenangebot detailliert zu erklären und Verständnis zu generieren für alle Funktionen, die der hochkant stehende Touchscreen auf der Mittelkonsole bereithält.

Der XC90 hat seit seiner Vorstellung im Sommer 2014 nichts von seiner frischen Außendarstellung verloren. Der wuchtige Kühlergrill, die schlanken Scheinwerfer (Thors Hammer), die schnörkelfreie Seitenansicht strahlen Coolness, Finesse und Individualität aus. Bezüglich der Triebwerke hat sich der Erklärungsbedarf von Volvo weitgehend verflüchtigt – anfangs gab es noch Bedenken, was die Entscheidung betraf, sich höchstens noch auf aufgeladene Vierzylinder-Aggregate zu konzentrieren, Fünf-, Sechs- oder Achtzylinder wurden mit einem Bannstrahl belegt. Die anhaltenden Umsatz- und Absatzsteigerungen geben dieser heiklen Management-Entscheidung Recht. Auch lassen sich die Kunden von der Vielschichtigkeit der Menü­struktur nicht abschrecken, die dem Infotainmentsystem innewohnt. Das Bedienen lässt sich unseres Erachtens recht gut erlernen, anfangs braucht es allerdings Geduld.

Anfreunden können wir uns mit der Topvariante des XC90: Ein doppelt (mit Turbo und Kompressor) aufgeladener Benziner und ein Elektromotor geben dem SUV derart die Sporen, dass er sportwagengerecht in 5,6 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Ausgesprochen eindrucksvoll ist dieses Kraftspektakel auf Bergstrecken, da geht es der XC90 T8 Twin Engine stürmisch nach vorne an. Für ausreichend Traktion sorgt dabei das Allradsystem. Bei derartigen Fahrmanövern, vor allem wenn sie gehäuft stattfinden, wächst die Distanz zum Normverbrauchswert, den Volvo mit 2,1 Litern Benzin je 100 Kilometer beziffert. Der wäre wohl nur zu realisieren, wenn der schwedische Plug-in-Hybrid tägliche Kurzpendelstrecken absolvierte. Mehr als 20 Kilometer rein elektrisches Fahren (Herstellerangabe: bis zu 40 Kilometer) war bei uns aber nicht drin. Unterm Strich zeigte der Bordcomputer den vierfachen Normwert je 100 Kilometer an – trotz allem nicht übel für ein 2,4-Tonnen-Schwergewicht, das mit gehobener Innenausstattung für eine Luxus­atmosphäre sorgt, reichlich Raumangebot für sieben Personen und viel Platz fürs Gepäck (640 bis 1816 Liter) offeriert sowie nebenbei 407 Pferde im Zaum hält. Für den Wanderer-Sprinter-Verwandler verlangen Volvo-Händler mindestens 79.300 Euro. (hösch)