Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.12.2017


Test

Aus Leidenschaft cool

Der Fokus der zweiten XC60-Generation liegt auf einem kantig-distanzierten Auftritt und auf technischem Feinschliff – die Herzen der Fahrer erreicht er damit erst recht.

© HöschelerMit 235 PS starkem D5-Vierzylinder-Turbodiesel ist der XC60 inklusive Allrad ab 57.500 Euro erhältlich.



Von Markus Höscheler

Hart i. Z. – Lieb dreinschauen ist seine Sache nicht: Der Kühlergrill ist markentypisch wuchtig ausgefallen, die Scheinwerfer glänzen mit strenger Zeichnung, der von der Firma gewählte Fachbegriff Thors Hammer für die Lichtsignatur hat, was das Vorstellungsvermögen betrifft, entsprechende Schlagkraft. Auch der Schwung der Heckleuchten fällt eckig aus, die sich senkende Dachlinie und das schräg stehende Heckfenster verleihen dem neuen XC60 immerhin einen Hauch von Coupé-Ansicht. Volvo, das wird auch bei diesem Modell klar, verzichtet im großen Stil auf branchenübliches Weichzeichnen, setzt im Außenauftritt lieber auf Tradition und vor allem auf Eigenständigkeit. Das hat schon beim Vorgänger nicht geschadet, den die Skandinavier vor allem deswegen fast ein Jahrzehnt im Programm hielten (und weltweit eine Million Mal verkauften).

Der Nachfolger ist länger, auch etwas kostspieliger, technisch natürlich innovativer und mutiger, außerdem der neuen Modellpalette optisch ähnlicher. Die erste Generation leistete sich zeitweise sogar noch den Sündenfall, mit einem recht durstigen Sechszylinder-Benziner erhältlich gewesen zu sein – immerhin: Dem Fahrspaß war dieses Aggregat besonders zugeneigt.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 1969 ccm

Drehmoment: 480 Nm bei 1750 U/min

Leistung: 173 kW/235 PS

L/B/H: 4688/1902/1658 mm

Gewicht: 2038/2470 kg

Kofferraumvolumen: 505 – 1432 l

Tankinhalt: 71 l

Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h

0 – 100 km/h: 7,2 Sekunden

Verbrauch: 8,0 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 57.500 Euro

CO2-Emission: 147 g/km

Davon ist glücklicherweise auch in der Nachfolge viel übrig geblieben, trotz Volvos publizitätsträchtiger Abkehr von großvolumigen Motoren. Der im D5 eingepflanzte Vierzylinder-Turbodiesel zaubert aus zwei Litern Hubraum 235 PS und stemmt ab 1750 Umdrehungen/Minute ein maximales Drehmoment von 480 Newtonmetern. Hier kann die sanft schaltende Achtgangautomatik eigentlich gar nichts mehr falsch machen, schon gar nicht Kraft verschlucken. Dank Allradantrieb verteilt sich das Drehmoment traktionsförderlich in alle Flanken, der Sprint von null auf 100 km/h erfolgt in rasanten 7,2 Sekunden. Dabei hat es der Ölbrenner mit einem Zweitonner zu tun, gleichwohl bleibt es trotz starker Inanspruchnahme bei einem realistischen Durchschnittsverbrauch von ca. acht Litern je 100 Kilometer.

Warum der 4,69 Meter lange Wagen so dick aufträgt, betreffend die zuvor erwähnten zwei Tonnen? Das liegt zum Teil an den hochwertigen Materialien mit erstklassiger Verarbeitung, zum anderen am technischen Equipment: Sowohl Infotainmentsystem und die Armada an Fahrerassistenzsystemen ragen heraus, wenngleich der hochkant stehende Touchscreen für Nicht-Volvo-Kenner anfangs eine Herausforderung darstellt, was die Menüführung betrifft. Aber hier gilt, wie in vielen anderen Belangen des Lebens: Es ist die stete Übung, die schließlich zur Meisterschaft führt. So wie Volvo in Jahrzehnten es vortrefflich gelernt hat, immer bessere Autos zu bauen. Lieb dreinschauen müssen sie ja nicht.




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