Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.12.2017


Test

Die Hybrid-Magie des Dr. Prius

Der Toyota Prius läuft in vierter Generation im TT-Dauertest. Der Entwicklungssprung zum Vorgänger ist überraschend, das ausgereifte Hybridkonzept erzieht zu neuem Fahren.

© Reinhard FellnerEin Auto wie Urlaub: Reisen im Prius heißt, mit Hybridtechnik fast lautlos durch schönste Landschaften zu gleiten. Innen und außen präsentiert er sich betont futuristisch.



Von Reinhard Fellner

Kaltern – 1997 schickte Toyota seine ersten Hybridmodelle auf den Markt. 20 Jahre später wurden neun Millionen Hybride produziert, allein vom Prius rollen knapp vier Millionen über die Straßen. Das neue Modell summte nun im Frühjahr in vierter Generation zum TT-Dauertest. Das Gefühl war gut. Hatte doch schon ein auf dem Prius basierender Lexus CT 200h den TT-Dauertest mängel- und ausfallsfrei bestanden.

Zuverlässigkeit, die sich herumgesprochen hat. So gilt das Toyota-System als äußerst langlebig – sogar Taxibetriebe schwören auf das Modell und prahlen mit Kilometerleistungen im hohen sechsstelligen Bereich.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Benziner + E-Motor

Hubraum: 1798 ccm

Drehmoment: 142 Nm + 163 Nm

Leistung: 90 kW/122 PS

L/B/H: 4540/1760/1470 mm

Gewicht: 1400/1790 kg

Kofferraumvolumen: 501–1633 l

Tankinhalt: 43 l

Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

0–100 km/h: 10,6 Sekunden

Verbrauch: 5,1 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Vorderradantrieb

Preis (Lounge): 31.290 Euro

CO2-Emission: 76 g/km

Spannender als die Pannenstatistik war da schon die Frage, welchen technischen Fortschritt man sich von der vierten Generation erwarten kann. Kurzum: Der Unterschied zum Vorgänger ist überraschend groß. So gelang Toyota beim neuen ­Prius ein Ausnahmefahrwerk. Der Wagen gibt sich bei Straßenunebenheiten aller Art komfortabel und kaschiert sogar kurze Stöße souverän. Gleichzeitig fährt und lenkt sich der Prius jedoch derartig feinfühlig und zielgenau, wie man es bei asiatischen Fahrzeugen gar nicht so oft erlebt! Bravo! Das hat auf Straßen in ganz Europa über Tausende Kilometer so richtig Spaß gemacht. Zumal Toyota dem Prius noch weitere Reisetalente mit auf den Weg gegeben hat. So präsentiert sich der Innenraum schön geräumig und offeriert Vordersitze in langstreckentauglichem Format. Hinten wiederum ermöglicht die keilförmige Fließheckform einen bestens nutzbaren Kofferraum mit 501 Litern Volumen.

Noch mehr begeistert jedoch, welche Harmonie mittlerweile im Antriebsstrang herrscht. So arbeiten Benzinmotor, Elektromotor und das stufenlose Planetengetriebe nahezu perfekt, meist unmerkbar zusammen. Wer das Gaspedal streichelt, rollt anfangs eine kurze Strecke im Elektrobetrieb dahin. Wer etwas fester drückt, surft auf einer Welle, die von insgesamt 305 Newtonmetern Systemkraft erzeugt wird. Dies erzieht so manchen Lenker zu neuem Fahren.

Über Tausende Kilometer fällt nämlich schon auf, dass man mit „Dr. Prius“ einfach ruhiger fährt, mehr gleitet und mehr auf Spritsparen, als auf Zeitrekorde, aus ist. Ein nervenschonendes, entspannendes Fahren ergibt sich aus dem komplexen System. Da wundert es nicht, dass wir bislang einen Dauertestverbrauch von 5,1 Litern erzielten. Wer es beispielsweise im Urlaub gemütlich angehen lässt, darf sich aber auch über 3,5 Liter Verbrauch freuen. Ein ökonomisches System, das seine Grenzen nur am Berg und auf deutscher Autobahn findet. Allzu starkes Beschleunigen und ewige Steigungen mag das stufenlose Getriebe nämlich nicht und neigt zum – ungewohnten – Aufheulen.

Ansonsten gab es im Dauertestwagen absolut nichts zum Heulen. Defekte oder Pannen sucht man bei einem Toyota meist ja sowieso vergebens. So summen wir weiteren Kilometern freudvoll entgegen.

Mit 29.990 Euro steigt man in die Prius-Welt ein.




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