Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.02.2018


BMW

Reifeprüfung schon längst bestanden

Die erste X3-Generation musste neue Kunden begeistern, die zweite fuhr reichlich Ernte ein – und die dritte ist schon so professionell ausgeführt, dass sie es gleichzeitig mit mehreren internen Gegnern aufnehmen kann.

© HöschelerGegenüber dem direkten Vorgänger entwickelte sich der neue X3 evolutionär. Zwischen Kühlergrill und Frontscheinwerfern ist keine direkte Verbindung mehr, sondern ein Steg.



Von Markus Höscheler

Feldkirch – Als der erste X3 von BMW im Jahr 2003 auf den Markt kam, war der SUV-Bereich noch recht übersichtlich – zumal der Münchner Autobauer im eigenen Segment lediglich den X5 zusätzlich anbot, wenngleich eine Klasse darüber. Die zweite Generation des X3 profitierte erstens vom Erfolg des Erstlings, zweitens von der stetig gestiegenen Nachfrage nach Sport Utility Vehicles, drittens vom auffälligen Designwechsel – und viertens vom unternehmensinternen Wettbewerb.

Denn BMW kreierte noch mehr Hochbauvarianten, etwa den X1 und den X4 – beide durchaus frecher gezeichnet als der X3. Bei der dritten Generation wird die Diskrepanz noch deutlicher: Gegenüber dem direkten Vorgänger gibt es außen nicht allzu große Änderungen, rundherum muss sich das auf über 4,7 Meter Länge gewachsene Fahrzeug aber mit noch mehr vorlauten Geschwistern abgeben. Für heuer schon angekündigt ist im Frühjahr der X2; der X1 fährt schon in zweiter Generation auf unseren Straßen – und der coupéförmige X4 dürfte ebenfalls mit einem Nachfolger bedacht werden.

Betont zurückhaltend tritt vergleichsweise der X3 auf – gegenüber dem direkten Vorgänger sind die äußeren Änderungen moderat, dafür hat sich technisch noch einmal eine Menge getan. Trotz des Längenzuwachses ist es den Entwicklern gelungen, das Fahrzeuggewicht um einen halben Zentner (durchschnittlich) zu verringern. Dabei hat der neue X3 eher mehr an technischen Systemen zu tragen als der alte – was sich am Eigengewicht von knapp 1,9 Tonnen niederschlägt.

Die Technik

Motor: Sechszylinder-Turbodiesel

Hubraum: 2993 ccm

Drehmoment: 620 Nm bei 2000 U/min

Leistung: 195 kW/265 PS

L/B/H: 4708/1891/1676 mm

Gewicht: 1895/2500 kg

Kofferraumvolumen: 550 – 1600 l

Tankinhalt: 68 l

Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h

0 – 100 km/h: 5,8 Sekunden

Verbrauch: 7,9 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 91.644 Euro

CO2-Emission: 158 g/km

Die Masse, die es hier zu bewegen gilt, ist also doch beträchtlich – gleichwohl gelingt es dem X3, sich recht leicht­füßig zu bewegen. Das ist aufs bewährte Fahrwerk zurückzuführen, vor allem aber auf den im Testwagen eingebauten Sechszylinder-Turbodiesel. Der kann mit 265 PS und satten 620 Newtonmetern Drehmoment prahlen – was er mit hoher Laufkultur und akzeptablem Durchschnittsverbrauch (7,9 l/100 km) tatsächlich macht, da er nur 5,8 Sekunden benötigt, um souverän von null auf 100 km/h zu beschleunigen.

Der permanente xDrive-Allradantrieb und die direkt-präzise Lenkung (hier die variable Sportlenkung, Teil der M-Sport-Ausstattung) sowie die zielsicher schaltende Achstufenautomatik ermöglichen dabei viel Handlungsspielraum, der allenfalls durch die Straßenverkehrsordnung mitsamt Tempolimits und Fahrverboten begrenzt wird. Beachtenswert finden wir den Mix aus Komfort und sportlicher Abstimmung, was sich zusätzlich über den Fahrerlebnisschalter beeinflussen lässt.

Einmal mehr dürfen wir an dieser Stelle das Hohelied auf das Head-up-Display anstimmen, das mit prächtiger Auflösung und hoher Lichtintensität eine Vielzahl von Informationen auf die Windschutzscheibe wirft. Das Ablesen der Daten lenkt weniger ab als der Blick aufs konventionelle Instrumentarium oder gar auf das gestochen scharfe Display des Navigationssystems.

Noch mehr Ablenkungspotenzial hat das Ausstattungsangebot: Im Testwagen sind derart viele Extras verbaut, dass sie dazu beitragen, den X3 in Richtung 100.000-Euro-­Marke zu schieben – für ein Midsize-SUV ein ambitionierter Bereich. Selbstredend sind dem monetären Wert Komfort- und Sicherheitseinrichtungen, auch Design-Details, entgegenzustellen, die den X3 in der Tat aufwerten. Hier sind es unter anderem 19-Zöller, M-Lederlenkrad, Sportsitze, Gestiksteuerung, WLAN-Hotspot, teilautonom­e Fahrsysteme, adaptive LED-Scheinwerfer, Panoramaglasdach, Standheizung und das Harman-Kardon-Surround-Sound-System, die sich im Tarif von 91.644 Euro festsetzen.




Kommentieren


Schlagworte