Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.01.2018


Renault

Ein Renner ohne Reue

Im Segment der kompakten Hochleistungssportler ist Renault eine Macht. Der neue Mégane RS wird dafür sorgen, dass es so bleibt – auch dank eines 280 PS starken 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbobenziners.

© WerkUnbedingte Sportlichkeit ohne Komfort-Reue: Der Renault Mégane RS setzt sich erneut ins Spitzenfeld der Kompaktsportler.



Von Stefan Pabeschitz

Jerez de la Frontera – Wer bei frontgetriebenen Kompaktsportlern zuerst an den Golf GTI denkt, ist schon lange nicht mehr auf dem letzten Stand. Das Spitzenfeld dieser gar nicht so kleinen Nische bedienen längst Re­nault, Peugeot oder Honda, ja selbst Hyundai – und auch Seat hat sich inzwischen über der Wolfsburger Konzernschwester eingereiht.

In der Disziplin, Rennstrecken- und Alltagstauglichkeit zu verbinden, waren schon die ersten beiden Mégane RS vorbildlich. Herz der jetzt präsentierten Neuauflage ist das vollständig neu entwickelte 1,8 Liter Turbo-Triebwerk, das mit technischen Raffinessen wie einer Zwei-Weg-Luftansaugung, beschichteten Aluminium-Laufbuchsen oder Twin-­Scroll-Turbo aufwartet. Bei 200 Kubikzentimetern weniger Hubraum als das Vorgängeraggregat liegen 20 PS mehr Spitzenleistung und ein Plus von 50 Newtonmetern beim Drehmoment an – wahlweise mit Handschaltung oder Doppelkupplungs-Automatik zu jeweils sechs Gängen und serienmäßig mit Allradlenkung auf die Straße gebracht. Äußerlich präsentiert sich der RS mit weit ausgestellten Kotflügeln, die sich über der deutlich breiteren Spur wölben. Dazu ein­e entsprechend mächtigere Frontschürze, von massiven Schwellern bewehrte Flanken. Ein ausladender Heckflügel und ein Diffusor mit zentralem Auspuffendrohr runden das muskulöse Erscheinungsbild ab.

Dass ein heißes Auto nicht zwingend unkomfortabe­l sein muss, stellt Renault erstmals mit aus dem Rallye-Sport abgeleiteten, zusätzlichen Anschlagsdämpfern in den Federbeinen unter Beweis. Tatsächlich schlägt das Fahrwerk selbst bei widrigsten Straßenoberflächen niemals durch, ohne deswegen bei Straffheit oder Wankverhalten Kompromisse einzugehen. Auch beim Ausreizen der Fahrprogramme von Normal und Komfort über Sport bis hin zu Race ändert sich das nicht. Die 280 PS finden an der Vorderachse mit wohlmeinenden Eingriffen der Stabilitätskontrolle ausreichend Grip, dazu ist die elektrische Servolenkung passend direkt und präzise ausgelegt – nur bei der Rückmeldung an die Nervenenden des Fahrers ist sie gar ein wenig reduziert und steril.

Den Einsatz der Allradlenkung orchestriert die Elektronik hervorragend, der Schwenk vom gleich- zum gegenläufigen Einschlag an der Tempogrenze von 60 km/h oder 100 km/h im Race-­Modus bedingt aber ein manchmal nervös wirkendes Kurvenverhalten – wenn auch nur im Grenzbereich und immer beherrschbar. Noch besser gelingt das Zusammenspiel bei der handgeschaltenen Variante in Kombination mit dem für zirka 2000 Euro angebotenen Cup-Paket, das auch ein Torsen-Sperrdifferential beinhaltet, mit dem Grip und Einlenkverhalten weiter optimiert werden. Grundsätzlich ist die Spreizung der Fahrprogramme so differenziert, dass ein RS-Pilot tatsächlich jeweils die Variante anwählen sollte, die seinem momentanen Fahrverhalten entspricht. Auf der letzten Rille „nur“ im Sport-Modus unterwegs zu sein, passt einfach nicht – wogegen Race genau dafür die richtigen Parameter liefert. Insgesamt lässt sich der Mégane damit je nach Gusto immer auf einem Niveau bewegen, das derzeit Maßstäbe setzt. Ob es reicht, dem Honda Civic Type R seinen aktuellen Nordschleifen-­Rekord in dieser Klasse streitig zu machen, wird sich demnächst weisen. Auch weniger gravierende Fahrerlebnisse lassen sich übrigens über die Software „RS-Monitor“ mit Fahraufnahmen von Smartphone oder Kamera kombinieren und in perfekter Gran Turismo-Spieloptik online stellen. Aber Achtung – auch die Polizei kennt inzwischen Facebook!

Mit 35.740 Euro lockt der Mégane RS mit einem rechten Kampfpreis, 1700 Euro mehr fallen für die Automatik-Variante an. Für alle, die noch ein bisserl mehr Leistung möchten: Ende des Jahres folgt ein RS Trophy, der schon an der 300-PS-Grenze kratzen wird.




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