Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.02.2018


Test

Alfa-SUV mit Benzin im Blut und Pfeffer im Fahrwerk

Im Alfa Stelvio – dem ersten SUV der Marke – darf man sich auf ausgefeilte Technik und italienisches Temperament freuen.

© Reinhard FellnerBetörender Hochsitz: Eine aufregende Front paart sich beim Stelvio mit nahezu perfekten Proportionen.



Von Reinhard Fellner

Seefeld – Lange mussten Alfisti und Liebhaber feiner Sportler warten, dafür geriet er so richtig gut. Die Rede ist vom neuen Alfa Romeo Stelvio – dem ersten SUV der Mailänder. Schon die Erscheinung des SUV lässt viele Passanten kurz innehalten. Front, Scudetto-Grill, Proportionen und die Testwagenfarbe „Rosso Competizione“ ergeben einen Hingucker, an dem man schwer vorbeikommt. Aber das war bei einem Alfa ja schon bislang nicht selten so. Was vielmehr überrascht: wie Alfa mit dem Stelvio vom Stand weg ein Mittelklasse-SUV mitten in die beste Premium-Konkurrenz hineinkonstruiert hat. Platzverhältnisse, Sitzposition, Qualität – alles auf höchstem Niveau. Dazu ist der Innenraum mit einer derartigen stilistischen Sicherheit gezeichnet, die man seit jeher in Italien und neuerdings auch in Schweden beherrscht.

Der Unterschied zu früher: Alles ist ergonomisch und funktional perfekt. Sogar an Ablagen wurde gedacht und praktische Lösungen – wie Hebel unter dem Rücksitz zum Umlegen der Bank. Wer sie umklappt, legt 1600 Liter Ladevolumen frei. Aber auch so ist der 525 Liter fassende Kofferraum perfekt nutzbar; die Heckklappe öffnet elektrisch, die Ladekante liegt nieder.

Kräftiger Abgang: Eigentlich wirkt das Stelvio-Heck wie eine Weiterentwicklung des Maserati Levante. Sonst: niedere Ladekante, dicke Endrohre.
- Reinhard Fellner

Dafür liegen die Erwartungen beim Fahren – zu Recht – hoch. Kurzum: Man hat es als Lenker mit einem Ausnahmefahrwerk und einer über aus spaßigen, weil schön direkt ausgelegten Lenkung zu tun. Dass der für den Stelvio zuständige Technikchef von Ferrari kommt, verwundert schon nach der ersten Ausfahrt nicht mehr. So krallt sich der Stelvio freudvoll in Kurven, als hieße es, jede einzelne des Stilfser Jochs (Passo Stelvio) einzeln zu nehmen. Die Lenkung arbeitet dabei gefühlvoll und millimetergenau. Das ergibt insgesamt eine Wendigkeit und Sportlichkeit, die im SUV-Segment eine absolute Seltenheit darstellt. Obwohl hier nichts schwankt und staucht, blieb dem Alfa auch ohne Luftfederung ein schöner Restkomfort. Auf der Autobahn hat man es zudem mit einem ganz souveränen Kilometerfresser zu tun. Zumal in der getesteten 280-PS-Version. Der Benziner klingt nicht nur gut, sondern geht auch verdammt gut (0 auf 100 km/h in 5,7 Sekunden). Ob automatisch oder über die Schaltwippen – die ZF-Achtgangautomatik verwaltet die Kräfte je nach Fahrprogramm nahezu perfekt. Der Testverbrauch darf für so ein SUV mit 10,3 Litern noch als maßvoll gelten. Zum Allradantrieb des Stelvio abschließend nur so viel: Alfa gehört wie Jeep zu Fiats FCA-Konzern. Nur beim Preis hält Alfa Abstand zu den Deutschen: 55.100 Euro für den Top-Benziner.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbobenziner

Hubraum: 1995 ccm

Drehmoment: 400 Nm bei 2250 U/min

Leistung: 206 kW/280 PS

L/B/H: 4687/1903/1671 mm

Gewicht: 1660/2300 kg

Kofferraumvolumen: 525 – 1600 l

Tankinhalt: 64 l

Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h

0 – 100 km/h: 5,7 Sekunden

Verbrauch: 10,3 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 55.100 Euro

CO2-Emission: 161 g/km




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