Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.02.2018


Jaguar

Jaguar E-Pace: Ein freudvoller Sprung ins kalte Wasser

Mit dem E-Pace mischt Jaguar im erfolgversprechenden Markt der hochwertigen Kompakt-SUV mit: Der optische Auftritt ist erbaulich, die Fahrdynamik eine Pracht, das Preisgefüge erwartungsgemäß ambitioniert.

© Wasserscheue Katzen? Nicht der Jaguar, schon gar nicht als allradgetriebener E-Pace, der auch seichte Bachquerungen bewältigt. Das Ladeabteil bietet zwischen 577 und 1234 l an.Foto: Werk



Von Markus Höscheler

Porto-Vecchio – Die Jagdsaison 2018 ist eröffnet, das Ziel: SUV-geneigte Kunden. Davon gibt es immer mehr, Jäger jedoch auch. Die Zahl der Sport-Utility-Vehicle-Modelle nimmt kontinuierlich zu, fast alle Hersteller wollen hier mitwirken. Ein frischer Mitspieler ist die britische Traditionsmarke Jaguar. Die lebt von ihrem sorgsam aufgebauten Sportwagen- und Luxusimage, Hochbauaktivitäten passten da lange nicht dazu. Allerdings hat schon mancher Konkurrent gezeigt, dass SUV dank ausgefeilter Technik nicht nur längsdynamisch dem steigenden Luftwiderstand trotzen, sondern auch genussvoll die Kurve kratzen. Genau das dürfte die Jagdinstinkte von Jaguar geweckt haben.

Der Aufbruch zu neuen Ufern gelang dem Hersteller 2016 mit dem vielfach beachteten F-Pace, einem Midsize-SUV, das nicht nur mit energiegeladenem Design begeisterte, sondern auch mit hoher Kurvendynamik sowie erlesener Ausstattung. Während der F-Pace derzeit sein Revier sichert, will Jaguar das Segment darunter bearbeiten und lässt ab sofort den 4,4 Meter langen E-Pace von der Leine. Ein markentypisch großer Maschendraht-Kühlergrill ziert seine Front, darunter finden sich großzügig gestaltete Lufteinlässe, seitlich darüber scharf angeschnittene LED-Frontscheinwerfer. Eine coupé­förmige Dachlinie, ein stark tailliertes Heck, ein sehr schräg installiertes Heckfenster und ein kurzer hinterer Überhang verpassen dem Modell einen Aufsehen erzeugenden Auftritt allein in der Parkstellung.

Bewähren muss sich der E-Pace zusätzlich in der Bewegung. Damit das Kompakt-SUV in Schwung kommt, bringen sich fünf Aggregate der hauseigenen Ingenium-Generation in Lauerstellung. Alle Triebwerke, drei Diesel und zwei Benziner, verbrennen Kraftstoff in jeweils vier Zylindern, nehmen zwei Liter Hubraum in Anspruch und bemühen dabei wenigstens einen Turbolader um Leistungs- und Effizienzsteigerung. Die Selbstzünder greifen mit 150, 180 und 240 PS sowie mit 380, 430 und 500 Newtonmetern maximalem Drehmoment an, ihre Normverbräuche bewegen sich zwischen 4,7 und 6,2 l Treibstoff je 100 Kilometer (CO2-Emissionen: 124 bis 162 g/km). Die beiden Benziner leisten 250 beziehungsweise 300 PS, stemmen 365 beziehungsweise 400 Nm Drehmoment und benötigen zwischen 7,7 und 8,0 l/100 km (CO2-Werte: 174 bis 181 g/km). Mit dem Basisdiesel führt Jaguar für sein Fahrzeugangebot etwas Ungewöhnliches ein: nämlich Frontantrieb. Jedoch ist selbst für diesen Ölbrenner ein Allradsystem optional erhältlich, außerdem auch eine Neunstufenautomatik. Alle anderen Motoren sind ab Werk mit 4WD bestückt, der als Active Driveline mit zwei Lamellenkupplungen versehen ist. Damit wird die Kraft situationsgerecht nicht nur zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, sondern auch zwischen beiden Hinterrädern. Damit fahre sich der E-Pace nahezu wie ein Hecktriebler, wie der Hersteller behauptet.

Dass dies der Realität entspricht, offenbarten Fahrten auf kurvenreichen Bergstraßen der Mittelmeerinsel Korsika. Dank Active Driveline lassen sich hohe Kurvengeschwindigkeiten erzielen, ohne hinderliche Tendenzen zum Unter- oder Übersteuern, wie Touren mit dem Topdiesel und dem Topbenziner zeigten. Hilfreich beim zügigen Vorankommen sind in dieser Hinsicht auch die präzise, direkte Lenkung, das ausgewogen abgestimmte Fahrwerk und der sehr breite Auftritt des Modells (1,98 m).

Breit aufgestellt ist der E-Pace zudem beim Tarif: Zum normal ausgeführten Fahrzeug gesellt sich eine optisch geschärfte R-Dynamics-Variante, beide lassen sich mit vier Ausstattungsniveaus bedienen (E-Pace, S, SE, HSE). Außerdem offeriert Jaguar ein Jahr lang üppig ausgestattete First-Edition-Modelle für den mittleren Diesel und den 250-PS-Benziner.

Für die 2WD-Version des E-Pace sind 37.000 Euro fälli­g, 4WD lässt sich ab 40.300 Eur­o finanzieren. Dafür gibt es Zweizonen-Klimaautomatik, Touch-Pro-Entertainmentsystem mit 10-Zoll-Touchscreen, Rückfahrkamera, Spurhalteassistent, LED-Scheinwerfer, Multifunktionslenkrad, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen und Stoffsitze. Mit S (ab 43.000 Euro) glänzen 18-Zöller an den Flanken, verwöhnt genarbtes Leder die Sitzenden und hilft ein Navigationssystem beim Finden von Zielen. Für SE (ab 53.600 Euro) gibt es ein Meridian-Soundsystem, für HSE (ab 57.900 Euro) ein volldigitales, 12,3 Zoll großes Instrumentarium. Das ist zugegebenermaßen nicht wenig Geld – aber vielleicht motiviert beim Ausgeben die Tatsache, dass der E-Pace von Auftragsfertiger Magna Steyr in Graz gefertigt wird.




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