Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.02.2018


Seat

Heiße Spanier tanzten auf Eis

Allradantrieb hat in der Modellpalette von Seat einen hohen Stellenwert. Mitsamt neuer Haldex-Kupplung zeigten die Spanier in Seefeld vor internationaler Presse ihr Können auf Eis, Schneepfaden und im Drift.

© Der ausgeklügelte Allradantrieb hält auch die 300 PS des Seat Leon Cupra im Zaum und ermöglicht die herrlichsten Drifts.Foto: Fellner



Von Reinhard Fellner

Leutasch, Seefeld, Telfs – Die Sorgen von ­Seat möchte so mancher Automobilhersteller gerne haben. So eroberten die Spanier in Österreich im Jahr 2017 den neunten Platz im Markenranking. Dass die Bestellungen über allen Erwartungen lagen, bestätigte am Donnerstag auch Seat-Österreich-Geschäftsführer Wolfgang Wurm in Seefeld gegenüber der TT. So habe es nur einen Grund gegeben, warum das europaweit so erfolgreiche Kompakt-SUV Ateca nicht noch weiter in der Zulassungsstatistik nach oben gerückt war: Man hatte vom Hersteller schlicht viel zu wenig Fahrzeuge nach Österreich geliefert bekommen. Für das jetzt schon stark nachgefragte Mini-SUV ­Arona habe man für 2018 aber glücklicherweise ein größeres Kontingent für den heimischen Markt sichern können.

Unter traumhaften Winterbedingungen feierten die Spanier in der Olympiaregion Seefeld aber vor internationaler Presse ein Jubiläum – nämlich 30 Jahre Allradantrieb bei Seat. Heute ist „4Drive“ bei Seat in den Modellreihen Ateca, Leon und Alhambra erhältlich. Nicht nur in alpinen Regionen ein Umsatzbringer. Kann Seat beim Allrad doch auf modernste Technik des Volkswagen-Konzerns zurückgreifen. Alles begann da beim VW Golf 2 „synchro“. Die erste Haldex-Kupplung stellte bei Schlupf der Vorderräder eine Kraftübertragung an die Hinterachse her. Gerade erst wurde das Haldex-System Nr. 5 vorgestellt.

Es blieb bei variablem Allradantrieb (praktisch alle Hersteller haben sich von rein permanenten Systemen verabschiedet), die Kupplung verteilt die Kräfte über das elektronische Sensorium nun aber nach Bedarf und kann so auch 100 Prozent an die Hinterachse schicken. Ein Nachteil der ersten Haldex-Kupplung ist zudem nun auch Geschichte. So kommt jetzt nicht erst verzögert Kraft nach hinten, wenn die Vorderreifen erhöhten Schlupf zeigen, sondern Haldex Nr. 5 teilt der Hinterachse sofort Motorkraft zu, was nicht nur verzögertes Ansprechen verhindert, sondern durch den Schub von hinten sofort für Stabilität sorgt. Wie gut das alles funktioniert, zeigte Seat in der Praxis im verschneiten Seefeld.

Mit einer Seat-Ateca-Flotte ging es da erst einmal einen schwindelerregenden Forstweg hinauf. Immer blieb die Kolonne stehen und setzte die Fahrt auf tückischer und mit Eis versetzter Schneefahrbahn anstandslos und spurstabil fort. Im Allrad-Kombi Leon X-Experience ging ­Seat darauf an die Grenzen der Physik. Ein extrem steiler Hang mit Eisrillen diente als Demonstrationsstück, was Allrad alles leisten kann und in welchem Ausmaß ausgefuchste Elektroniksysteme dabei mithelfen.

Die gute Nachricht nebenbei: Letztlich entscheidet bei solchen Extremsituationen noch immer das Geschick des Lenkers, ob es beispielsweise durch behutsames Anfahren noch ein Fortkommen gibt. Umgekehrt staunte so mancher nicht schlecht, als beim Herunterrutschen in den Eisrillen kein Pulsieren des Antiblockiersystems zu bemerken war. Grund: Seat regelt es bei extrem niedrigen Geschwindigkeiten ab, um durch das Blockieren der Räder die früher übliche und hilfreiche Schneekeilbildung zu ermöglichen. Erst unten am Hang, auf Schnee, griff das ABS sofort wieder ein. Absichtlich ausgeschaltet wurde die Regelelektronik dann am Rundparcours. Dort hieß es, den 300 PS starken Seat Leon Cupra zu bändigen und kontrolliert um Pylonen zu driften. Erstaunlich, wie schnell man dank Allradantrieb einen derartig starken Sportler wie den Cupra auf einer Schnee-Eis-Fahrbahn bewegen kann. Auch der Mieminger Seat-Rennfahrer Mario Dablander ließ sich da den Tanz der heißen Spanier auf Eis nicht nehmen. Selten wurde das Thema Sicherheit mit so hohem Unterhaltungswert dargelegt.




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