Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.02.2018


Volkswagen

Gekonnt aufs Glatteis verführt

Zum alljährlichen Winter-Training hat Volkswagen ein aktuelles Allrad-Trio zusammengestellt: Arteon, T-Roc und den auf 310 PS gestärkten Golf R.

© WerkEin talentiertes Allrad-Trio hat VW im Salzburger Land versammelt: Arteon und T-Roc bewiesen, dass man nicht nur mit dem Golf R driften kann.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Faistenau – Es hat sich eingebürgert, dass Autohersteller nicht bloß ihre Fahrzeuge an den Kunden bringen wollen, sondern auch gleich eine ganze markenidentitätsstiftende Erlebniswelt dazupacken. Zum Beispiel eine handfeste Mitmach-Anleitung, was man mit dem jeweiligen Modell anstellen kann. Bei Volkswagen heißt das, wie bei anderen auch, „Driving Experience“. Und die hat ihre Hochzeit, wenn das Fahren besonders wenig alltäglich sein kann. Im Winter. Auf Schnee, vorzugsweise auf Eis.

Davon hat Österreich heuer doch eine Menge zu bieten, unter anderem im Salzburger Land, auf dem Stamm-Terrain in Faistenau/Tiefbrunnau. Hier kann man winters regelmäßig erfahren, was die Wolfsburger ihren Kunden an Trainings- und Erfahrungsprogrammen bieten, wenn sie aufs Glatteis verführt werden.

Mit von der Partie sind jeweils einige Allradantriebs-Vertreter der neuesten Modelle. Heuer waren das der Arteon, die Edel-Variante des Passat, der T-Roc, des Golfs robuster Crossover-Bruder, und – quasi ein Stammgast – der Golf R in der momentanen 310-PS-Variante. Für jeden der drei hatten sich die VW-Experience-Instruktoren ein eigenes Programm ausgedacht, angepasst an den bauartgerechten Charakter. Die fahrerische Eingangsbegegnung war jedoch für alle gleich: Wie hält man sich trotz eisig-glitschigem Untergrund möglichst stabil und schleuderfrei auf Fahr-, Ausweichmanöver- und Bremsspur?

Die Geschichte mit der provozierten Schleuderfreiheit war hernach auf je nach Modell passend gestaltetem Handling-Kurs das Thema. Der Arteon konnte beweisen, dass sein langer Radstand lange für souveräne Stabilität sorgt. Auf geschützt-gesperrtem Terrain konnte jedoch auch erfahren werden, was sich – bei so weit wie möglich reduziertem Eingreifen der Regelsysteme – im Grenzbereich tut. Er ist jedenfalls Drifts nicht so abgeneigt, wie man bei seiner grundsätzlichen Ernsthaftigkeit meinen möchte.

Als flotter Dynamiker entpuppte sich der T-Roc. Mit seiner Agilität fühlt er sich auf engkurvigem Terrain sehr wohl. Auch im seichten Schnee. Für tieferes Weiß ist er ja angesichts seiner 161 Millimeter Bodenfreiheit nicht gebaut. Dafür tänzelt er sehr gerne übers Eis. Dabei hat sich das Standard-Fahrprogramm als am umgänglichsten erwiesen. Die angehobene Karosserie – gegenüber seinen Golf-Brüdern – fällt schon ins Dynamik-Gewicht, aber ihn deshalb kopflastig zu nennen, wäre unfair.

Der König der Eisbahn ist unter den Wolfsburgern unbestreitbar der Golf R, ob mit 300 oder 310 PS. Er kommt mit seinem Fahrwerkslayout plus der direkten Lenkung in den elektronisch streng gezähmten Fahrprogrammen auch Drift-Unerfahrenen sehr entgegen. Steigerungen sind, mit schrittweiser Abschaltung der Stabilitätssysteme, flott erzielbar. Und dann gelingen selbst flottere 360-Grad-Drifts, vorausgesetzt, der Untergrund lässt zumindest noch eine minimale Haftreibung zu. Auf blank poliertem, spiegelglattem Eis hingegen kann auch das beste Allradantriebssystem in Verbindung mit den fähigsten Winterreifen nicht darüber hinwegregeln, dass reduziertes Tempo zuweilen die beste Wahl ist, um eine elegante, unausgefranste Drift-Linie zu ziehen.




Kommentieren


Schlagworte