Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.02.2018


Seat Ibiza

Verliebt in die Alternative

Seat erweitert das Antriebsprogramm des neuen Ibiza um eine bivalente CNG-Variante mit 90 PS. Basis ist ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner.

© WerkMit dem Ibiza 1.0 TGI hat Seat das Offert der Erdgastrieblinge auf drei Modelle erweitert. Der Arona folgt gegen Jahresende nach.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Madrid – Gas geben will ­Seat. Nicht alleine mit dem wachsenden fesch-sportlichen Modellprogramm. Sondern auch im tatsächlichen Sinn. Mit Erdgas. Neuester Botschafter dieses Vorhabens ist der Ibiza. Der Kleine – eine der Hauptsäulen der spanischen VW-Tochtermarke – hat im Vorjahr seine fünfte Modellgeneration angetreten, als Benziner und als Diesel. Jetzt wird das Antriebsprogramm um eine Erdgas-Variante erweitert. Hinter dem Kürzel TGI steckt der bekannte Einliter-Dreizylinder-Turbo in Kombination mit manueller Fünfgangschaltung, angepasst an den Betrieb mit CNG (Compressed Natural Gas) und auf eine Leistung von 90 PS ausgelegt. Dieses Antriebssystem ist bivalent: An Bord hat der Ibiza TGI einen Gastank mit 13 Kilogramm Volumen (reduziert den Kofferraum von 355 auf 262 Liter), zusätzlich zum Standard-Benzinreservoir mit 40 Litern. Ist der Gasvorrat aufgebraucht, wird automatisch auf Benzinbetrieb umgeschaltet.

Erdgas steht hierzulande nicht im besten Ruf. Das liegt unter anderem daran, dass CNG häufig mit LPG (Flüssiggas) in einen Topf geworfen wird – samt Garageneinfahr- und weiteren Restriktionen. Dass der luftige komprimierte Treibstoff eine Alternative zu herkömmlichem fossilen Sprit sein kann, geht dabei unter. Doch Gas bietet eine Reihe von Vorteilen: Schonung von Ressourcen, weil natürlich vorkommend oder aus Biogas-Anlagen stammend. Minimierung von Emissionen, weil niedrigerer Kohlenstoff-Gehalt, damit bei der Verbrennung weniger CO2 produzierend. Effizienz, denn der Energiegehalt eines Kilogramms entspricht dem von 1,5 Litern Benzin. Daraus ergibt sich, gar nicht nebenbei, Kostengünstigkeit: Ein Kilo CNG kostet rund einen Euro.

Dass so ein Gas-Triebling gar nicht fad sein muss, hat Seat ja bereits bewiesen. Mit dem Leon – als Fünftürer und als Kombi (ST) – und seinem für den Gasbetrieb bearbeiten 1,4-Liter-Turbobenziner mit 110 PS. Ein weiterer CNG-Vertreter bei Seat ist der Mii. Sein Antrieb basiert auf dem Einliter-Dreizylinder des VW-Konzerns, und er hat für die Stadt sehr praktikable und absolut muntere 60 PS.

Da legt der Ibiza noch beträchtlich eins drauf. Seine 90 PS Leistung liefert er glaubhaft ab. Den Beweis hat er bei seiner Premierenfahrt auf den Autobahnen rund um die spanische Hauptstadt Madrid erbracht. Im Hinterland durfte er auch etliche Kurven inhalieren. Charakterlich gibt er sich bauartgemäß als Dreizylinder zu erkennen. Seine knapp 120 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber dem reinen Benziner mag man spüren. Oder es sich auch nur einbilden, denn unterm Kilo-Strich entspricht das dem Diesel-Ibiza-Gewicht.

Der Gasbetrieb ist akustisch an etwas härter durchklingenden mechanischen Betriebsgeräuschen identifizierbar. Seat gibt als Normverbrauch 3,5 Liter CNG, respektive 5,0 Liter Benzin pro hundert Kilometer an. Das ergibt eine rechnerische Gesamtreichweite von knapp 1200 Kilometern. Ob man die erreicht, hängt genauso vom Fahrercharakter ab wie bei jeder anderen Treibstoffart auch. Bleibt man im Norm-Rahmen, hat Seat einen Euro-Einsatz von 3,50 pro hundert Kilometer errechnet.

Wie eine Frage des Preises mag der Start-Tarif von 17.990 Euro aussehen. Zum Vergleich: Der Einstiegs-Ibiza mit 75 PS und vergleichbarer Ausstattung („Style“) kostet ab 15.090 Euro. Für den TGI fällt jedoch keine NoVA an. Und Seat Österreich gewährt einen 2000-Euro-Kaufbonus. Gegen Ende dieses Jahres steht der nächste Erdgas-Kandidat ins Haus: Auch der Arona, Derivat des Ibiza, wird als CNG zu haben sein. Und damit zieht Erdgas ins Segment der subkompakten Crossover ein.




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