Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.03.2018


Test

Jeder Kilometer mehr – eine Freude

Mit neuer Hochvoltbatterie mit 94 Amperestunden bzw. 33 Kilowattstunden Kapazität taugt der i3 nun für gut 200 Kilometer Alltagsreichweite. Ansonsten blieb der trendige BMW ein Spaßmacher ersten Ranges.

© Reinhard Fellner



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Bei BMW machen sie keine halben Sachen. So war der i3 eines der ersten als reines Elektroauto entwickelten Fahrzeuge. Dabei sparten die Bayern weder an Entwicklungs- noch Produktionskosten. So besteht die extravagante Karosserie des Stromers aus einer Fahrgastzelle aus karbonverstärktem Kunststoff. Zum optimalen Einstieg in den kompakten Innenraum öffnen die vorderen und hinteren Türen gegenläufig. Die Verwendung von teurem Karbon ist übrigens kein technologisch umgesetzter Imageschmäh, sondern reduziert das Gewicht auf 1245 Kilogramm. Damit wiegt der Bayer 250 Kilogramm weniger als direkte Konkurrenten.

Das merkt man nicht nur beim Stromverbrauch (12,9 kWh/100 Kilometer), sondern auch bei den exzellenten Fahrleistungen des i3. In sportwagentauglichen 7,3 Sekunden sprintet das Wägelchen auf 100 km/h. Auch dann geht es noch schnell auf 130, bis bei 150 km/h freiwillig Schluss ist. Für E-Autos typisch erlebt man die Beschleunigung als besonders intensiv – liegt das volle Drehmoment eines Elektromotors doch schon vom Stand weg an.

Dazu hat BMW dem i3 ein äußerst lebendiges Wesen ins Fahrwerk konstruiert. Um hier bei Verbrennern Vergleichbares zu erleben, muss man schon zu kleinen Sportskanonen greifen. So fährt sich der straff ausgelegte Bayer ungemein wendig und giert nach Kurven. Heckantrieb und die am Fahrzeugboden befindlichen Batterien sorgen für einen tiefen Schwerpunkt und ein knackiges Fahrgefühl. Dass der i3 wie kein anderes Auto zur Energierückgewinnung Rekuperation nützt, schmälert die Freude am Fahren nicht. Schnell gewöhnt man sich daran, dass man in diesem Auto eigentlich nie mehr die Bremse betätigen muss und lässt den i3 schon nach kurzer Übung selbst punktgenau bis zur roten Ampel anbremsen.

Dazu ist der i3 auch innen eine Freude. Alles erscheint am allerletzten Stand, von i-drive-Bedienung, Multimedia und Ergonomie. BMW eben – hier lässt sich der Begriff Premium auch in dieser Klasse tagtäglich erleben.

In puncto Reichweite hatte der i3 aber mittlerweile den Anschluss an neueste Konkurrenten verloren und kontert nun mit einer Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie mit einer Kapazität von 94 Amperestunden bzw. 33 Kilowattstunden. Das ergibt neue Reichweiten, die aber je nach Messzyklen wieder ins rechte Licht gerückt werden müssen. Die „Reichweitenangst“, die im Zusammenhang mit Elektroautos mittlerweile international zum Begriff wurde, scheint nun jedenfalls passé. Denn wo man früher nach frischer Ladung gestartet war (gut 100 Praxis-Kilometer), das markiert nun die Hälfte der Akkukapazität.

So nennt BMW für den 94 Ah zwar nun 290 bis 300 Kilometer Reichweite nach dem praxisfernen EU-Testzyklus, spricht aber selbst von 200 Kilometern Reichweite im BMW-Alltagsmessbetrieb. Dies bestätigte sich auch im TT-Praxistest. Sogar unter winterlichen Verhältnissen waren knapp 200 Kilometer drin. Ganz unbewusst erzieht einen ein E-Auto aber zum Stromsparen. Das Betätigen der Sitzheizung und sonstiger elektrischer Verbraucher überlegt man sich nämlich zweimal. Aufladen dauert je nach System zwischen 39 Minuten (Gleichstrom), 2,45 Stunden (Wallbox dreiphasig) oder 11 Stunden (Haushaltssteckdose). So präsentiert sich der i3 nun als Premium-Elektroflitzer ohne Reichweitenangst. Premium ist leider auch der Preis: Erst ab 38.400 Euro geht’s leider los.

Die Technik

Motor: Hybrid-Synchronmotor

Akku: Li-Ionen, 94 Ah/33 kWh

Drehmoment: 250 Nm bei 0 U/min

Leistung: 125 kW/170 PS

L/B/H: 4011/1775/1598 mm

Gewicht: 1245/1670 kg

Kofferraumvolumen: 260–1100 l

Rekuperationsleistung: bis 50 kw

Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h

0–100 km/h: 7,3 Sekunden

Verbrauch: 12,9 kWh/100 Kilometer

Kraftübertragung: Heckantrieb

Preis: i3 94 Ah 38.400 Euro

Ladezeiten 80 %: 39 min bis 11 h

Bis heute verkörpert die carbonverstärkte Karosserie die technische Avantgarde des i3. Gegenläufig öffnende Türen laden in eine kuschelige Lounge modernsten Zuschnitts.Fotos: Fellner
- Reinhard Fellner



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