Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.03.2018


Test

Micra-Einstieg nach Maß mit 71 Pferden

Zu den zwei 90-PS-Varianten stellte Nissan nun einen feinen 71-PS-Dreizylinder hinzu. Der schnurrt angenehm und spart zugleich.

© Reinhard FellnerGroßer Auftritt: Das kraftvolle Design des Micra wirkt cool und hat nichts Kleinwagenhaftes mehr.Foto: Fellner



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Als „Mouse“ war der Nissan Micra einst Inbegriff der Putzigkeit und ein Verkaufsschlager. Bei der neuesten Modellgeneration des Micra vollzog Nissan – seiner Designphilosophie folgend – jedoch einen radikalen Wechsel.

Das Design mit scharfen Linien, Scheinwerfern und Konturen zielt bewusst auf eine jüngere Klientel und sagt: „Seht her, ich bin so richtig cool!“ Völlig veränderte Proportionen schufen ein fast schon coupéhaftes Kleid. So wuchs die Länge um 17,4 Zentimeter auf fast vier Meter. Auch der Radstand legte um 7,5 Zentimeter, die Breite um 7,7 Zentimeter zu, dafür duckt sich der Micra nun.

Die optische Moderne geht innen weiter. Die getestete Modellvariante „Acenta“ führte die Außenfarbe „Power Blue“ im Innenraum mit einer geschmackvollen Melange an Blau-, Schwarz- und Grautönen fort. Dazu kommen nette Details, wie die Bose-Lautsprecher in den Kopfstützen oder das stylisch beleuchtete Ablagefach in der Mittelkonsole.

Zu einer neuen Generation für eine ebensolche Kundschaft gehört natürlich auch eine perfekt zu bedienende Multimediaeinheit. Das im Testwagen bereits serienmäßig verbaute System ist über den ergonomisch platzierten Sieben-Zoll-Berührungsbildschirm gut zu bedienen und verfügt über eine USB-, AUX- und Bluetooth-Schnittstelle. Musikgenuss per Handy ist also Programm. Dazu ist Apple Car-Play nutzbar.

In der Zusammenschau sieht da nicht nur vom Außenkleid, sondern vor allem von den inneren Werten her so mancher Kleinwagenkonkurrent verdammt alt aus. Dass man sich mit dem stylischen Micra weiter in der Kleinwagenklasse befindet, verrät jedoch die Materialauswahl an Stellen, wo man sonst nicht so oft hinschaut.

Da viele angestammte Käufer jedoch schon aufgrund der Unterhaltskosten weiter bewusst im Kleinwagensegment bleiben wollen, hat Nissa­n zu den bisherigen 90-PS-Versionen (Turbo-Benziner und Diesel) nun ein Einsteiger­aggregat mit 71 PS nachgeschoben.

Für viele Micra-Interessenten wohl nicht nur wegen der neuen Einstiegspreise (minus 1731 Euro zum Turbo-Benziner, minus 3833 Euro zum Diesel) eine willkommene Alternative. Der Dreizylinder, der zwar ohne Turbo auskommen muss, jedoch dafür 100 Kubikzentimeter mehr Hubraum als der Turbo-Benziner aufweist, macht seine Sache nämlich so richtig gut. Fröhlich schnurrt er durch Stadt und Land.

Auf der Autobahn gehen sich immerhin 161 km/h aus – im IG-Luft-100-Land Tirol ohnehin ein rein theoretisches Thema. Viel wichtiger, wie harmonisch der Dreizylinder über das Drehzahlband arbeitet und somit für Entspannung im Micra sorgt. Da man gern und viel dreht, lag der TT-Testverbrauch jedoch bei knapp sechs Litern Super. Mit ziemlich guter Ausstattung startet der schicke Micra ab 12.605 Euro. Absolut vollausgestattet kamen wir im Test auf 17.178 Euro.

Die Technik

Motor: Dreizylinder-Turbobenziner

Hubraum: 998 ccm

Drehmoment: 95 Nm bei 3500 U/min

Leistung: 52 kW/71 PS

L/B/H: 3999/1935/1455 mm

Gewicht: 977/1490 kg

Kofferraumvolumen: 300–1004 l

Tankinhalt: 41 l

Höchstgeschwindigkeit: 161 km/h

0–100 km/h: 15,1 Sekunden

Verbrauch: 5,8 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Frontantrieb

Preis: (Acenta) 14.819 Euro

CO2-Emission: 103 g/km