Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.03.2018


Test

Robuster Auftritt, sanfter Antritt

Bei subkompakten Sport Utility Vehicles ist die Allradoption rar gesät – der kürzlich gestartete Hyundai Kona bietet den in unseren Breiten begehrten Vierradantrieb in Verbindung mit einem starken Benzinmotor an.

© HöschelerMit 4,17 Metern Länge gehörte der Kona eigentlich noch zu den Kleinwagen – wären da nicht die auffällige Offroad-Beplankung, die erhöhte Sitzposition und der Allradantrieb



Von Markus Höscheler

Rum – Nun ist es amtlich: Das Biedere, das der Marke Hyundai immer wieder anhing, ist Vergangenheit. Der koreanische Hersteller wagt in vielen Belangen mehr: progressives Design, dynamischere Fortbewegung, technische Innovationen, alternative Antriebe. Einen Kristallisationspunkt dieser Neuausrichtung stellt der Kona dar. Er führt zwar einerseits eine Hauptstärke des Labels weiter: die Konstruktion von Sport Utility Vehicles. Andererseits beschreitet er kaum begangene Wege. Obwohl er nur 4,17 Meter lang ist, besteht die Möglichkeit, ihn mit einem Allradsystem zu bestücken. Selbst wenn Hyundai lange eine eher zurückhaltende Formensprache pflegte, ist beim Kona das Gegenteil der Fall. Selbstbewusst reckt sich der Hexagonal-Kühlergrill nach vorne, eingehegt von insgesamt sechs frontalen Lichtquellen unterschiedlicher Signatur. Kunststoffleisten markieren ohnehin schon ausgeprägte Radhäuser; Seitenschweller, prägnante seitliche Sicken und eine scharf geschwungene Dachlinie verpassen dem subkompakten SUV eine athletisch-robuste Präsenz.

Eine solche liegt im Fall des neuen TT-Dauertestwagens nicht nur im Auge des Betrachters, sondern findet eine passende Ergänzung unter der mehrfach konturierten und nach vorne abfallenden Motorhaube: Hier gibt ein 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner sein Bestes – und das ist sportlich genug: 177 Pferde stehen parat, dazu ab 1500 Touren ein sattes Drehmomentmaximum von 265 Newtonmetern. Etwas gezähmt von einer Siebenstufen-Doppelkupplung beschleunigt der Kona kräftig, dies zudem auf eine lineare Weise – von null auf 100 km/h vergehen keine acht Sekunden. Dabei dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass der Kona trotz erfrischender Optik kein Leichtgewicht darstellt. Der aufgebockte Kleinwagen wiegt 1,5 Tonnen. Dennoch: Tempo kann er machen, bis zu 205 km/h auf deutschen Autobahnen – bei dieser Geschwindigkeit allerdings kann ihm und dem Fahrer starker Seitenwind zu schaffen machen. Die leichte Lenkung ermöglicht aber problemlose Korrekturen. Recht angenehm ist das Agieren der Doppelkupplung, die im sportlichen Modus mit dem Hochschalten zuwartet, um die Leistung und das Drehmoment höherer Touren auszunützen. Nach den ersten zwei Wochen Testbetrieb zeigt der Bordcomputer für den einzufahrenden Motor einen vorläufigen Durchschnittsverbrauch von 9,3 Litern je 100 Kilometer an.

Überhaupt ist der Kona ein recht anzeigefreudiges Fahrzeug. Ein ausfahrbares Head-up-Display serviert gestochen scharfe Informationen, etwa die gefahrene Geschwindigkeit, das einzuhaltende Tempolimit (das jedoch häufig nicht mit der von der Straßenverkehrsordnung vorgegebenen Höchstgeschwindigkeit übereinstimmt), und bestimmte Navigationsdaten. Auch der Tote-Winkel-Warner kann an dieser Stelle hilfreich mitwirken. Ähnliches gibt es über den Querverkehrswarner hinten zu berichten, der optisch wie akustisch über die Rückfahrkamera-Projektion vor seitlich herannahenden Verkehrsteilnehmern warnt. Nach vorne leuchten helle Voll-LED-Scheinwerfer die dunkle Umgebung deutlich aus – vieles von dem hier Genannten zählt zur Serienausstattung von Style, dem höchsten Level für den Kona.

Großteils Positives gibt es außerdem über das Infotainmentsystem zu berichten. Das Zusammenspiel mit Smartphones (iOs, Android) läuft unproblematisch, auch das Aufladen der Geräte ohne Kabelverbindung funktioniert auf Anhieb. Der sieben Zoll große Bildschirm bietet eine schlüssige Menüführung mit Touchfunktionen, die Navigation ist fehlerfrei zu Diensten – im In- wie im Ausland.

Geschmackssache, unseres Erachtens empfehlenswert, ist die Option des Leder-Pakets Orange (1500 Euro zusätzlich). Damit erhält der Kona-Kunde Sitzpolsterung und Mittelarmlehne in Leder, Getränkehalter hinten, elektrisch belüftbare Vordersitze, passende Farbakzente im Innenraum und einen orangefarbenen Startknopf. Die Kehrseite des hier Geschilderten findet sich unterm Summenstrich: Für den Testwagen verlangt der Hyundai-Händler laut Liste 33.040 Euro. Weniger Motorenpower, eine geringere Ausstattung und ein Frontantrieb ließen den Klienten um rund die Hälfte des Kaufpreises davonkommen.




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