Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.03.2018


Test

Großkatze mit Spatzendurst

Große Luxuskombis trotzen dem SUV-Boom. Jaguar überrascht deshalb mit einer Neuauflage des XF Sportbrake. Im Test der Allrad-Diesel mit 240 PS.

© Reinhard FellnerGlänzende Erscheinung: Der knapp fünf Meter lange XF Sportbrake pflegt in Loire Blue und heller Lederausstattung den gepflegten Auftritt.Foto: Fellner



Von Reinhard Fellner

Ampass – Schon bei der ersten XF-Generation wollte Jaguar das Geschäft mit noblen Großkombis nicht kampflos den deutschen Premiumherstellern überlassen. Und stellte Jahre später fest, dass neben dem erfolgreichen SUV F-Pace noch Platz für eine Neuauflage des Kombis bleibt. Im Gewand der neuen Mittelklasse-Katze XF legte der Sportbrake nun um fünf Zentimeter Radstand zu und steigerte das maximale Ladevolumen auf 1700 Liter. Die tiefe Ladekante ziert eine schöne Metallblende. Dahinter liegt ein optimal zu befüllender Laderaum mit Schienensystem. Geöffnet wird natürlich per elektrischer Heckklappe. An der Hinterachse bemüht sich die serienmäßige Luftfederung um Komfort und Niveauausgleich. Clever: Der Einfüllstutzen für die AdBlue-Abgasreinigungsflüssigkeit der Diesel liegt bequem hinter einer Kofferraum-Klappe.

Auch die Passagiere lässt der Jaguar spüren, dass es sich um einen Fünf-Meter-Kombi handelt. So sind die Platzverhältnisse standesgemäß und bereit für die lange Reise. Dafür trat im TT-Test der neue 240-PS-Diesel mit Allradantrieb an. Eine Kombination für Viel- und Langstreckenfahrer. So fühlt sich die Großkatze auf Landstraße und Autobahn richtig wohl und vereint die Souveränität von 500 Newtonmetern mit einem Verbrauch von rund acht Litern – ein sehr respektabler Wert für einen 1,8-Tonnen-Kombi dieser Leistung samt ausgeklügeltem Allradantrieb.

Das funktioniert in der Freiheit sehr gut, lässt im städtischen Bereich jedoch Wünsche offen. So erscheint die Diesel-Geräuschkulisse im XF relativ hoch und passt so einfach nicht zu einem gepflegten Jaguar. Auch fühlt sich der Wagen beim Beschleunigen aus niedrigen Geschwindigkeiten nicht gerade nach sprungbereiter Katze an. Wer keinen Allrad benötigt, könnte da auch zum Benziner oder Sechszylinder-Diesel schielen.

Dafür entschädigt ein Innenraum im britischen Stil – wenn auch er Licht und Schatten vereint. So sind die duftenden Ledersitze ein hervorragendes Gestühl und beweist Jaguar viel Liebe fürs Detail. Die Bedienung ist teils aber zumindest gewöhnungsbedürftig und die Materialqualität an manchen Stellen dem Anspruch nicht entsprechend.

Ein großer Charakter ist der praktisch-edle Sportbrake (ab 46.310 Euro) aber trotzdem.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Diesel

Hubraum: 1999 ccm

Drehmoment: 500 Nm bei 1500 U/min

Leistung: 177 kW/240 PS

L/B/H: 4955/1880/1496 mm

Gewicht: 1805/2395 kg

Kofferraumvolumen: 565 – 1700 l

Tankinhalt: 66 l

Höchstgeschwindigkeit: 241 km/h

0 – 100 km/h: 6,7 Sekunden

Verbrauch: 8,1 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: (Portfolio) 67.670 Euro

CO2-Emission: 153 g/km