Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.04.2018


BMW

Freunde, aber nicht die ziemlich besten

Der X2 von BMW verspricht und hält viel: Er sieht verdammt gut aus, fährt sich mustergültig – doch in einem Anwendungsfall verhält er sich zickig.

© HöschelerMehr als gefällig: Der X2 von BMW, ganz neu am Markt, beeindruckt mit frischer Formensprache.



Von Markus Höscheler

Innsbruck – Hollywood und die Autobranche haben zahlreiche Ähnlichkeiten. Eine davon ist die Fähigkeit, aus demselben Grundstoff etwas Neues produzieren zu können. Die US-Filmindustrie ist bekannt für Remakes, eines der neuesten ist die Neuverfilmung des französischen Erfolgs „Ziemlich beste Freunde“, die noch heuer in die Kinos kommen soll. Bei den Autoherstellern gibt es Plattformen oder Baukästen, die die Basis für verschiedene Karosserievarianten bilden. Eine solche teilen sich beispielsweise der BMW X1 und der Mini Countryman, beide sind sehr stark nachgefragte Sport Utility Vehicles. Sie haben seit wenigen Wochen einen neuen Bruder neben sich stehen: den 4,36 Meter langen X2. Das neue SUV des Münchner Produzenten darf vieles, was andere Baureihen der BMW Group derzeit nicht dürfen: Stilistisch geht das Modell jedenfalls neue Wege, während etwa der X3 und die neue 5er-Baureihe sich bei Generationswechseln zuletzt mit optischen Änderungen stark zurückhielten. Der X2 darf die Kühlergrill-Doppelniere neu interpretieren (sie ist im unteren Bereich breiter als im oberen Sektor), darf mit einer schwungvollen Dachlinie den Innenraum verkleinern und mit einem kleinen Heckfenster mehr Wert auf Ästhetik als aufs Praktische legen. Die Sicht nach hinten ist folglich keine beruhigende, allerdings schafft ein Helferlein-Ensemble rasch Abhilfe: Rückfahrkamera und aufmerksame Sensoren nehmen die Angst vor Park- oder gar Personenschäden beim Rückwärtsfahren.

Seine Stärken spielt der X2 ohnehin beim Vorwärtsfahren aus: Die Lenkung ist BMW-typisch direkt-präzise, die Achtstufenautomatik wechselt die Gänge gekonnt, der 231 PS starke Vierzylinder-Turbodiesel arbeitet nicht nur mit ausgewogener Laufkultur, sondern auch mit vorbildlicher Kraftentfaltung: Schon ab 1500 Umdrehungen/Minute liegt das satte Drehmomentmaximum von 450 Newtonmetern an. Damit lassen sich beide Achsen traktionssicher und vor allem sprintstark versorgen – weniger als sieben Sekunden benötigt der X2 xDrive 25d für die Beschleunigung von null auf 100 km/h. Damit gehen sich souveräne Überholmanöver ebenso aus wie – dank einer ausgewogenen Fahrwerksabstimmung – zügig gefahrende Kurvenpassagen. Der Testverbrauch von 7,0 Litern je 100 Kilometer lässt sich angesichts eines Eigengewichts von fast 1,7 Tonnen (inklusive Fahrer) akzeptieren, schwerer fällt dies beim Testwagenpreis von über 65.000 Euro. Allerdings war der Importeur bei der Bestückung recht großzügig vorgegangen: Das eingebaute Navigationssystem Professional zählt weiterhin zu den besten herstellerseitig angebotenen Systemen, was Menüführung, Ansicht und Bedienbarkeit betrifft. Selbiges trifft auf das Head-up-Display zu. Außerdem erhellt ein Panorama-Glasdach den Innenraum, die Designlinie M Sport X garantiert nahezu perfekte Sportsitze, LED-Scheinwerfer und die zuvor gelobte Sportlenkung.

Für Schelte gäbe es eigentlich keinen Platz – und doch widerfuhr uns im X2 etwas, das schon mehrmals in neueren BMW-Modellen Ablenkung hervorgerufen hatte: Die Bluetooth-Verknüpfung mit dem Smartphone (Betriebssystem iOS) stockte immer wieder, weil sich offenbar die auf dem Handy installierten Programme iTunes und Amazon Music nicht andauernd miteinander vertragen wollten, wenn die Konnektivität zu BMW gegeben war. Der Störfaktor konnte aber der guten Freundschaft zwischen Fahrer und Fahrzeug kein Ende bereiten.




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