Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.04.2018


Test

Das Einmaleins von 4x4

Skoda mausert sich allmählich zur Allrad-Marke – also war es an der Zeit, mit den neuen Sport Utility Vehicles einmal an die Grenzen zu gehen.

© HoudekEin SUV auf Abwegen: In den gnadenlosen Offroad-Einsatz kommt der Skoda Kodiaq wohl nur selten – den Live-Test hat er aber gut bestanden



Von Stefan Pabeschitz

Stotzing – Nur vordergründig wollen die Begriffe Burgenland und Allrad-Event nicht so recht zusammen passen – für eine ordentliche Auswahl an herausfordernden Geländestrecken reicht die Topografie am etwa 370 Meter hohen Stotzinger Berg nahe Eisenstadt allemal. Das Wetter meint es am Donnerstag ebenfalls gut und liefert beste Offroad-Bedingungen: Dauerregen – als trickreiche Zugabe für den abwechselnden Geröll- und Lehm-Untergrund aller erdenklichen Neigungsgrade. Beste Voraussetzungen für die beiden Skoda-4x4-Modelle Karoq und Kodiaq, um zu beweisen, dass SUVs zu Unrecht der Ruf vorauseilt, bestenfalls für Forststraßen oder leichte Schneelagen geeignet zu sein – wegen der gegenüber hartem Offroad-Gerät geringeren Bodenfreiheit und des nur bei Bedarf die Hinterachse mitbemühenden Allrad-Antriebs.

Angetreten wurde mit serienmäßiger (Winter-)Bereifung ohne reduzierten Luftdruck, was etwa dem Äquivalent von Halbschuh-Touristen auf der Wildspitze entspricht. Das technische Rüstzeug ist bei Karoq und Kodiaq identisch: Eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung verteilt die Antriebskraft – um die 100 Prozent an die Vorderachse im Normalbetrieb und auf trockenem Untergrund. Bei Bedarf kann die Hinterachse bis zu 90 Prozent abbekommen.

Die digitalen Anzeigen an Bord informieren den Fahrer über Lenk- und Neigungswinkel, auch ein elektronischer Kompass wird angezeigt. Offroad-Modus an und ESP aus reichen, um die Technik auf den Geländeeinsatz zu schärfen. Der Parcours lässt nichts aus: Über Geröllpisten, lehmige Steigungen, klatschnasse Wiesen und rutschige Steilhänge geht es gut eine halbe Stunde bergauf und -ab – Letzteres dank „einer der feinsten Erfindungen der Automobilbranche in den letzten Jahren“, wie Geländeprofi und Fahrinstruktor Christian Karlberger vom ÖAMTC findet, besonders souverän. Die Bergabfahrhilfe regelt das Tempo selbst auf scheinbar aussichtlosem Gefälle völlig autark, indem die Räder einzeln abgebremst werden, ohne dabei die Verbindung zwischen Motor und Getriebe zu trennen. Ein Blockieren der Räder und auch das Abreißen des Kraftschlusses zum Antrieb werden damit ausgeschlossen, der Wagen bewältigt die Abhänge sicher und fängt auch kurze Rutscher auf besonders glatten Stellen stoisch auf. Ähnlich unbeeindruckt vom Untergrund funktioniert der Allrad-Einsatz bergauf: Auch, wenn vom Fahrersitz aus längst nichts mehr zu sehen ist, außer der graue Himmel und die Tropfen bereits im rechten Winkel auf die Frontscheibe prasseln: Mehr, als ein wenig Schwung und Gefühl im Gasfuß brauchen die Skoda-SUVs nicht, um auch diese Prüfung zu bewältigen, trotz der Halbschuh-Bereifung.

Den Ruf als doch relativ anständige Offroader, die das Einmaleins des 4x4 von Grund auf beherrschen, verdienen sich Karoq und Kodiaq unter diesen Bedingungen mit Bravour. Ebenso wie Österreich den seinen als Allrad-Land auch bei Skoda bestätigt: Die Alpenrepublik ist der sechstgrößte 4x4–Markt der tschechischen Marke – nicht womöglich nur im Einwohner-Verhältnis, sondern in Totalzahlen, und liegt damit weit vor wesentlich größeren Ländern. Generell scheinen die Österreicher für Skoda eine gewisse Vorliebe zu hegen, die sich mit Platz zehn unter immerhin 100 Exportländern der Marke niederschlägt.

Die Preisliste für den allradgetriebenen Karoq, der derzeit nur ab der gehobenen Ausstattung Ambition angeboten wird, beginnt bei 33.720 Euro für den 150-PS-Diesel mit Sechsgang-Handschaltung. Für den gleich starken, aber größeren Kodiaq 4x4 in der einfacheren Ausführung Active werden 34.780 Euro ausgerufen.