Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 29.04.2018


Mercedes benz

Ein fahrbarer Ansprechpartner

Die vierte Generation der A-Klasse soll nach den Plänen von Mercedes-Benz mit einem massiven Technik-Vorstoß zur neuen Referenz im Segment der Kompaktwagen werden.

© WerkÜberspannte Formen, scharf geschnittene Leuchten mit optionaler Matrix-LED-Technik und ein steil stehender Grill mit dominantem Stern – das Design der neuen A-Klasse ist ebenso selbstbewusst wie gelungen.



Von Johannes Posch

Split – Wie ihr Vorgänger darf die vierte Generation von Mercedes’ kleinstem Sternträger eine entscheidende Rolle spielen: Nicht nur wird mit ihr die neue Designsprache in die Masse getragen, sie soll auch technologisch den Vorreiter mimen. Kaum ein Auto ist so clever und gut vernetzt wie die neue A-Klasse.

Ein Beispiel: die Sprachsteuerung. Kennt man an und für sich schon, klar. Aber mit einem Auto reden zu können wie auch mit Apples Siri oder Amazons Alexa, das ist neu. Ein einfaches „Hey, Mercedes“ reicht und schon kann man sein Auto nicht nur fragen, wie es ihm so geht, sondern auch wie das Wetter morgen wird, wo der nächste freie Parkplatz ist, welche Lokale in der Nähe empfehlenswert sind und so weiter. Dass der Wagen dann gerne auch gleich die passende Route ins Navi schickt, versteht sich von selbst. Was noch? 360°-Kameras. Ebenfalls an und für sich ein alter Hut. Abgesehen davon, die Übersicht beim Einparken zu verbessern, werden die Fischaugen-Linsen hier aber noch für deutlich mehr genutzt. Zum Beispiel, um die Navigation via Augmented Reality zu verbessern. Die A-Klasse versorgt den Fahrer bei passenden Gelegenheiten über das zentrale Display im Cockpit mit einem Livebild der Front-Kamera und legt in 3D Richtungspfeile und andere Infos darüber, die einem unmissverständlich zeigen, in welche Gasse man abbiegen oder welche Kreisverkehrsabfahrt man denn nun genau nehmen soll. So eindeutig und intuitiv war Navigation noch nie.

Weitere Technologie-Highlights: Freunden und Verwandten kann einfach über deren Smartphone befristeter Zugang zum Auto gewährt werden, das Bord-System kann sich „over the air“ selbst updaten, Smartphones können einfach per NFC mit dem Auto gekoppelt oder per Apple Carplay und Android Auto eingebunden werden und, dank schlauer Programmierung und Cloud-basierter Arbeitsweise, lernt das Auto ständig dazu. Sowohl was die Verkehrsgegebenheiten als auch was die eigenen Präferenzen in Sachen Musik, Routen, Ambientebeleuchtungssettings und Co. angeht.

Natürlich ist der Wagen an sich „state of the art“. Die Plattform ist brandneu und ermöglicht bei gewachsenen Außenmaßen (zwölf Zentimeter länger) einen deutlichen Raumgewinn für Passagiere und Gepäck gleichermaßen. Die Übersicht wurde verbessert. Das Antriebslineup besteht aus ebenso neuen oder zumindest gründlich überarbeiteten Motoren und manuellen sowie Doppelkupplungs-Getrieben. Dabei warten zum Start im Mai neben einem gut gedämmten und passable Fahrleistungen bietenden 1,5 Liter Diesel mit 116 PS (A 180 d), auch zwei Benziner mit 1,33 Litern Hubraum und 163 PS (A 200), bzw. 2,0 Litern und 224 Pferden (A 250). Im Oktober 2018 folgen dann mit dem A 160 und A 180 noch schwächere Einstiegsbenziner, der A 220 mit 190 PS und Allrad sowie die Allrad-Version des A 250. Über den A 180 d hinausgehende Diesel sind fürs Erste nicht geplant.

Preislich gibt sich Mercedes wenig überraschend selbstbewusst. Der vorerst günstigste Weg, A-Klasse zu fahren, führt über den mit einem Basispreis von 32.920 Euro versehenen A 180 d. Der kommt ab Werk mit der Siebengang-Doppelkupplungsautomatik und, wie alle neuen A-Klassen, aktivem Spurhalte-Assistenten, adaptivem Abstandstempomaten und Notbrems-Assistenten daher. Damit das Auto dann aber aussieht wie auf unseren Fotos, wollen freilich noch viele Hakerl­n in der teils mit deftigen Tarifen aufwartenden Aufpreisliste gemacht werden. Aber gut: Mercedes wollte ja auch den besten Vertreter der Kompaktklasse bauen, nicht den günstigsten.




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