Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 29.04.2018


Mercedes

Digitaler Beifahrer

für Lastesel

Der neue Mercedes Sprinter kommt erstmals auch mit Frontantrieb – und mit Elektronik-Optionen, die selbst für einen Pkw erstaunlich wären.

© MediaPortal Daimler AGMercedes-Mitgift für den neuen Sprinter: flottere Optik, motorisch rundum erneuert und ein bisher konkurrenzloses Arsenal an digitalen Optionen.



Von Stefan Pabeschitz

Amsterdam – Natürlich nimmt Mercedes an, dass auch künftig die meisten Sprinter wegen Eigenschaften wie Haltbarkeit, Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit gekauft werden – und das vor allem in schlichten Ausstattungsvarianten, die dem lieblosen bis eher barbarischen Umgang mit entsprechender Robustheit begegnen.

Darüber hinaus ging es aber auch darum zu demonstrieren, dass man eben den Mercedes unter den Lieferwagen baut – weswegen sich in der Optionenliste der neuen, bereits seit Februar bestellbaren, vierten Generation erstaunliche Features finden: Bis zum Infotainment-Paket mit hochauflösendem 10,25-Zoll-Touchscreen ist der Lastesel aufrüstbar, dann auch mit dem hochkomplexen System MBUX ausgestattet, das es bisher gerade einmal in der brandneuen A-Klasse gibt, also noch nicht einmal in der noblen S-Klasse zu haben ist. Es beherrscht Sprachsteuerung, die auf Plauder- statt Kommandoton ausgerichtet ist und auf Aussagen wie „Mir ist kalt“ automatisch die Heizung höherdreht oder auf „Ich habe Hunger“ die nächstgelegenen Futterstellen auf dem Navi-Bildschirm anzeigt.

MBUX ist noch dazu lernfähig und merkt sich Orte, Tätigkeiten oder Zuordnungen. Auf „Chef anrufen“ fragt es nach, wer in der Telefonliste denn der Chef ist und merkt sich diese Zuordnung auch. Im Gegenzug liefert der Sprinter – optional mit dem Zusatzsystem Mercedes Pro – Daten über Fahrzeugstatus, Strecken, Position, Verbrauch oder Zeitaufzeichnungen online an den Fuhrparkleiter, übernimmt von dem wiederum direkt Anweisungen – zum Beispiel eine anzufahrende Adresse – und spielt sie auch gleich ins Navigationssystem ein. Mit dem Auffinden von Wirtshäusern, dem Erledigen von Telefonaten und Wegansagen übernimmt die neue Elektronik somit die Hauptaufgaben eines Beifahrers, nur beim Be- und Entladen helfen kann sie zumindest vorerst noch nicht.

In der Praxis mehr interessieren dürfte das Gros der Kunden allerdings eine mechanische Neuerung: Erstmals wird der Sprinter auch mit Frontantrieb angeboten, wodurch seine Bodengruppe gegenüber den Hinterrad- und Allrad-Versionen, die ebenfalls im Programm bleiben, um acht Zentimeter niedriger steht, was das Be- und Entladen deutlich erleichtert. Vielfältiger werden damit auch die Modellvarianten: drei Antriebsarten, zwei Motoren in vier Leistungsstufen, Handschaltung oder Automatik-Getriebe, drei Radstände von 3,25 bis 4,33 Metern und vier Karosserielängen, dazu die Optionen Hochdach, Pritsche oder Bus mit Bestuhlung für bis zu zwanzig Passagiere.




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