Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.05.2018


Mercedes

Die Gelände-Legende erfindet sich neu

Mit der komplett neuen Generation der G-Klasse geht eine 40-jährige Erfolgsgeschichte in die nächste Runde. Und wieder einmal legt Mercedes die Messlatte höher.

© WerkMit zahlreichen technischen Innovationen ist die neue G-Klasse von Mercedes versehen.



Von Walter Schrott

Carcassonne – Liebe erfordert Opfer. Der Grazer Peter Ebner, ein alter Hase in der Offroad-Szene und als Instruktor für Mercedes weltweit unterwegs, hat zu dieser Erkenntnis die passende Geschichte einer seiner Kursteilnehmer parat: „Entweder ich, oder dieses Auto“, so das Ultimatum dessen Frau. Der Mann war mehr in die Mercedes G-Klasse verliebt, als in seine Angetraute. „Ich bin wieder da“, so der Schwerenöter ein Jahr später samt seinem Traumauto, aber inzwischen solo. Ein krasses Beispiel dafür, welche Begehrlichkeiten die Ikone mit dem Stern weckt.

Jetzt steht die neue G-Klasse in den Startlöchern und sorgt für große Augen: ein komplett neues Auto, das aussieht wie der Vorgänger? Na ja, fast jedenfalls. Der zweite Blick entdeckt neue LED-Scheinwerfer, einen neuen Kühlergrill, neue LED-Heckleuchten und kleinere Design-Retuschen. Außerdem ist der Nachfolger länger (plus 53 mm) breiter (plus 64 mm) und damit noch geräumiger und optisch präsenter geworden. Ansonsten tritt er so auf, wie man ihn kennt. Hat die Schwaben der Mut verlassen? Keineswegs, es wäre fahrlässig, diese Skulptur auf Rädern mit ihrer sinnlichen Klarheit modischen Strömungen zu opfern. Der Kult-Geländewagen mit Ecken und Kanten braucht keine kurzlebigen Designmascherln, um zu begeistern. Beispielsweise würde man bei jedem anderen Auto die außenliegenden Türscharniere kritisieren, beim „G“ würde man sie vermissen, wären sie nicht mehr da. Vom charakteristisch-satten Schließgeräusch der Türen ganz zu schweigen.

Abseits von Optik und Haptik ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Der Leiterrahmen ist zwar weiterhin das Rüstzeug für extrem harte Einsätze, das Fahrwerk, von Mercedes und der hauseigenen Hochleistungsschmiede AMG gemeinsam ausgetüftelt, setzt aber neue Maßstäbe: Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenker-Vorderachse in Verbindung mit einer starren Hinterachse. Eine Kombination, die zwei Welten miteinander verbindet. Mit ihren drei 100 %- Differenzialsperren und Geländeuntersetzung lässt die G-Klasse im schweren Gelände die Gämsen schon beinahe alt aussehen. Souverän klettert der Geländeprofi über Stock und Stein. Extreme Steigungen, felsdurchsetzte Passagen, Schräglagen bis zu 35 Grad und bis zu 70 Zentimeter tiefes Wasser sind kein Hindernis. Auf Asphalt hingegen zeigt sich das Raubein von einer anderen Seite. Fahrkomfort, Agilität und Fahrdynamik in einer für einen Geländewagen völlig neuen Dimension haben uns bei ersten Testfahrten schwer beeindruckt.

Komplett neu ist das Interieur, das Funktionalität und Luxus verbindet. Mercedes bietet in Manufakturqualität alles auf, was gut und schön ist und Autofahrerherzen höherschlagen lässt. Assistenzsysteme in Bataillonsstärke machen den Offroader zum sichersten seiner Klasse. Ein Hit dabei ist der neue G-Mode. Sobald eine der Sperren oder Low Range aktiviert ist, passt das System vollautomatisch Fahrwerksdämpfung, Lenkung sowie die Gaspedalkennlinie an, vermeidet unnötige Schaltungen und sorgt damit für beste Kontrolle und überragende Geländegängigkeit.

Neben dem G 500, dessen V8-Biturbo aus vier Litern Hubraum 422 PS und ein Drehmoment von 610 Newtonmetern mobilisiert, gibt es natürlich wieder die AMG-Version G 63 mit 585 PS und 850 Newtonmetern Drehmoment. Optisch outet sich der AMG mit seinem spezifischen Kühlergrill, wuchtigen Stoßfängern, markanten Sidepipes rechts und links und 22-Zoll-Rädern. Der G 500 schiebt seine 2,5 Tonnen via 9-Gang-Automatik in 5,9 Sekunden auf Tempo 100. Der AMG (mit Speedshift 9-Gang-Automatik) erledigt das in unglaublichen 4,5 Sekunden. Ein Diesel-Triebwerk darf ebenso erwartet werden wie ein Hybridler.

Balsam für die österreichische Seele: Alle G-Modelle tragen das Logo „Schöckl Proved“. Immerhin hat die Gelände-Ikone im Rahmen der Kooperation zwischen Mercedes-Benz und Steyr-Daimler-Puch früher den Namen Puch G getragen und jedes neue Modell muss am Grazer Hausberg eine harte Bewährungsprobe bestehen. Marktstart ist am 1. Juni. Mindestens 142.490 Euro sollte man für den G 500 aufbieten können, für den AMG G 63 sind 196.180 Euro fällig.




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