Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.05.2018


BMW

Unter Strom und oben ohne

Spektakulär, visionär und ökologisch korrekt – der BMW i8 Roadster verbindet der Zeit entsprechende Plug-in-Hybrid-Technik mit offenem Fahrvergnügen.

© Werk374 PS stark ist der i8 Roadster von BMW.



Von Stefan Pabeschitz

Palma de Mallorca – Schon 2014 hat es BMW mit dem i8 gut gemeint – den Plug-in-Hybrid in ein futuristisches Sportkleidchen zu stecken und ihm damit zu mehr Attraktivität zu verhelfen, war ein guter Plan. Dass der Wagen dann auf lächerlicher Eco-Bereifung stand und das sportliche Versprechen seines Äußeren damit nicht halten konnte, war die bittere Realität. Heuer haben die Bayern schon beim Coupé erfolgreich nachgebessert: überarbeitetes Fahrwerk, sinnvolle Bereifung, neues Batterie-Pack.

Vom selben Hardware-Update profitiert nun auch die Oben-ohne-Version, die auf die beiden ohnehin unnützen Zwergenplätze hinten verzichtet und ehrlicherweise als reiner Zweisitzer ausgelegt ist. Die ultraleichten, dämpferunterstützt öffnenden Flügeltüren übernimmt der Roadster unverändert vom Coupé, und falls es eine unpeinliche Art gibt, das Gebirge der von ihnen freigelegten Schweller zu bewältigen und halbwegs elegant auf den Sitz zu gleiten, dann muss sie erst gefunden werden. Drinnen herrscht sportliche Knappheit, gut bestückt mit BMW-üblichem Komfort. Durch Verdecktechnik und zusätzliche Karosserie-Versteifungen hat der Roadster gegenüber dem Coupé 60 Kilo auf knappe 1,6 Tonnen zugelegt, die sich mit der kombinierten Systemleistung von 374 PS aus dem Dreizylinder-Turbo an der Hinterachse und dem E-Motor an der vorderen in 4,6 Sekunden über die erste Hunderter-Grenze wuchten lassen. Die theoretisch rein elektrisch zurücklegbare Dis­tanz beträgt laut Datenblatt 53 Kilometer – wer in der Praxis 40 schafft, hat sich aber schon sehr bemüht und jede Steigung tunlichst vermieden.

Für den Plug-in-Hybrid-Roadster BMW i8 sind wenigstens 161.500 Euro fällig.
- Werk

Viel ansprechender ist der elektrische Zusatzschub beim Beschleunigen, der auch nicht abreißt, wenn die Akkus lehrgefahren sind – der Generator am Verbrennungsmotor sorgt für anhaltende Stromversorgung. Ein Streifen freier Himmel über dem Cockpit verleiht jeder Ausfahrt eine freudige Note, allerdings wurde die Umleitung der Windströme beim i8 Roadster schon fast zu gut gelöst – selbst bei Autobahntempo und mit abgesenkten Seitenscheiben verirrt sich kaum ein Lüfterl in den Innenraum. Im Außenspiegel macht sich der dafür mitverantwortliche Mantarochen-artige Karosserieschlitz an den hinteren Flanken besonders gut.

Überraschend die Auswahl am Fahrerlebnisschalter: Als Modi stehen ausschließlich Eco und Comfort zur Verfügung, Sport sucht man vergeblich. Der Federungskomfort ist allerdings in jedem Fall vorbildlich und beeinträchtigt die Sportlichkeit nicht – dennoch ist die Haftgrenze in allzu begeistert genommenen Kurven früh erreicht: Die 215er-Bereifung auf den vorderen 20-Zoll-Felgen bleibt ein Kompromiss zugunsten der Ökonomie.

Über die Schaltwippen am Lenkrad manuell dirgiert, wirkt der i8 deutlich munterer, schon eher zum Roadster-Gedanken passend. Insgesamt tut er sich aber schwer, sein heißes Äußeres mit dem tatsächlichen Fahr­erlebnis abzugleichen. Die an sich beeindruckende Zahl von 374 PS bleibt in der praktischen Auswirkung betont Puls-neutral. Der i8 ist zwar flink, agil und präzise im Handling – es fehlt ihm aber jede Räudigkeit und Verschwitztheit, die ein echter Sportwagen, schon gar ein offener, nun einmal mitbringen sollte. Eher steht er für eine politisch korrekte 2018er-Interpretation dieses Themas, garantiert low carb, antiallergen und zuckerfrei, insgesamt eher James Blunt als Guns’n Roses – was auch in etwa den Klang des 1,5 Liter-Dreizylinders plus Elektrosurren umschreibt. Das Visionäre und eventuell auch Zukunftsträchtige des Konzepts ist ihm deswegen aber nicht abzusprechen – es muss nur erst den Kundenkreis ausfindig machen, dem es 161.500 Euro wert ist.




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