Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 06.05.2018


Test

Entspannt unterwegs

Ein Jahr lang hatte der Toyota Prius Zeit, als TT-Dauertester eine zurückhaltende und sparsame Fahrweise nahezulegen. Das ist dem Hybriden in vierter Generation über weite Strecken eindrucksvoll gelungen.

© Der tropfenförmigen Silhouette ist der Prius von Anfang an treu geblieben, ansonsten hat er an attraktiver Ausstrahlung und technologischer Reife im Laufe der Generationswechsel gewonnen.Foto: Höscheler



Von Markus Höscheler

Brixen – Der lange Atem, den Toyota beim Hybridantrieb gezeigt hat, zahlt sich aus – selbst in der Dieselhochburg Europa. Hier hatte der alternative Antrieb, eine Kombination aus Elektro- und Benzinmotoren, zwar einen anhaltend schweren Stand – aber der vielfach bevorzugte Dieselmotor ist seit zweieinhalb Jahren einer mit Imageschaden. Den hat der Hybrid derzeit nicht zu befürchten, selbst wenn er kein Allheilmittel darstellt, um dem Klimawandel beizukommen. Auch er benötigt fossilen Kraftstoff, um den Alltag zu bewältigen. Eingebaut im Prius der vierten Generation ist mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,4 Litern je 100 Kilometern zu rechnen. Das ist das Ergebnis nach gut 16.000 Kilometern Fahrt mit dem uns zur Verfügung gestandenen Dauertester. Mehrere Redaktionsmitglieder verwendeten ihn für Kurz- und Langstrecken, die individuellen Ansprüche an das Fahrzeug waren sehr unterschiedlich. Umso erstaunlicher ist jedoch, dass sich jeder Tester nach den absolvierten Touren unterm Strich recht zufrieden zeigte.

Möglicherweise ist es die Kunst der Beruhigung, die dem Prius innewohnt. Seine Technik lädt zum Gleiten, zum defensiven, vorausschauenden Fahren, nicht zum Räubern ein. Er kann zwar ausreichend zügig beschleunigen – in 10,6 Sekunden sprintet der Prius von null auf 100 km/h – aber das durchgetretene Gaspedal ist keine empfehlenswerte Dauereinrichtung. Stattdessen geht es gemütlich voran im Stadtverkehr, nahezu lautlos, wenn nur der Elektromotor den Vortrieb organisiert. Das Hinzuschalten des Benziners erfolgt nahezu unmerklich, lediglich bei höheren Touren wird die Beschallung stärker. Hier aber haben die Ingenieure gegenüber früheren Prius-Generationen dazugelernt, das extreme Aufheulen ist Vergangenheit. Zweifelsohne besteht noch Raum für Akustikverbesserungen, da die Japaner nach wie vor der stufenlosen Automatik, dem CVT-Getriebe, ihr Vertrauen schenken. Technisch geht das in Ordnung, vom Komfort her aber nicht immer.

Damit findet das Lamentieren jedoch schon sein Ende, denn in vielen weiteren Belangen konnte der Prius sich verbessern. Die Fahrwerksabstimmung überzeugt auch auf der Langstrecke; die Lenkung ist so direkt und präzise abgestimmt, das Kurven zielgenau angepeilt werden können, ohne nach lästigen Korrekturen zu verlangen.

Als überaus nützlich haben sich im laufenden Betrieb einige Fahrerassistenzsysteme erwiesen, darunter vor allem das anschauliche Head-up-Display, der Tote-Winkel-Warner, der Abstandsregeltempomat, und das Pre-Collision-System, das vor lästigen Parkschäden (und möglichen Auffahrunfällen) bewahrte. Recht zufrieden waren wir außerdem mit dem JBL-Sound-System in Verbindung mit dem Toyota-Touch-2-&-Go-Navigationssystem, mit der gewählten Lederbestuhlung, mit dem Raumangebot für Insassen und dem Ladeabteil. Bis zu 1557 Liter ließen sich befüllen, als handelte es sich um einen Kombi. Einige der hier erwähnten technischen Systeme sind mit Aufpreisen verbunden, der Basistarif von 29.990 Euro ist für Toyotas Hybrid-Vorkämpfer jedenfalls okay – zumal mit ihm eine bekömmliche Dosis an Entspannung eingekauft wird.




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