Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.05.2018


Test

Französische Hochbaukunst

Lange haderte Citroën mit der Karosserievariante Sport Utility Vehicle – die Zeit des Zauderns ist aber endgültig vorbei: Der C5 Aircross wird vorbereitet, der schon getestete C3 Aircross entwickelt sich zum Hit.

© HöschelerOffroad-Optik, variantenreicher Vorderradantrieb und hohe Front kennzeichnen den C3 Aircross.



Von Markus Höscheler

Rum – Das Bauen in die Höhe – darauf verstanden sich die Franzosen schon im Mittelalter. Denn hier wurzelte die Gotik mit ihren himmelwärts orientierten Kathedralen. Strebepfeiler und Spitzbögen beeindrucken zwar noch immer, ihre bewundernswerte Kon­struktion ist aber aus der Mode geraten. Fürs Höhere haben die Franzosen aber mittlerweile wieder eine Passion entdeckt, wenngleich dem eine lange Taktik des Verzögerns vorangegangen war. Während Japaner und Deutsche massiv auf Sport Utility Vehicles setzten, schauten Marken wie Citroën nur zu – oder kauften bei Mitbewerbern ein. Die Doppelwinkelmarke bediente sich beispielsweise bei Mitsubishi. Der japanische Produzent stellte die technische Grundlage bereit für den C-Crosser (Outlander) und den C4 Aircross (ASX). Allzu groß war der Erfolg mit diesen beiden Modellen nicht.

Nun versucht es Citroën auf eigene Faust – und greift auf die Technik zurück, die innerhalb des Konzerns Groupe PSA zu finden ist. Das verschafft Vorteile beim Design, bei der Innenraumgestaltung und bei den Kosten – allerdings bleibt, wie der C3 Aircross zeigt, ein Wermutstropfen übrig: Einen Allradantrieb japanischer Herkunft gibt es hier nicht; im Gegensatz zu den eingestellten ASX- und C-Cross-Varianten. Die Techniker der Groupe PSA haben jedoch eine andere Lösung gefunden: die Grip Control für den Vorderradantrieb. Damit lässt sich der Kraftfluss auf bestimmte Fahrbahnbeschaffenheiten traktionsfördernd einstellen. Mit dem Testwagen probierten wir dies auf einem steilen Forstweg aus – und stellten fest, dass mit der Grip Control das herausfordernde Anfahren wesentlich einfacher ging.

Glücklicherweise ist die Grip Control nicht der einzige Vorzug, den der C3 Aircross zu bieten hat. Das Fahrzeug, das den zuvor eingesetzten Van-artigen C3 Picasso ersetzte, brilliert mit ansehnlicher Optik. Eine Zweifarbenlackierung, Offroad-Beplankung mit Unterfahrschutz, ein Knick entlang der unteren Fensterlinie und angedeutete Schultern machen aus dem 4,15 Meter langen subkompakten Sport Utility Vehicle einen attraktiven Wagen.

Innen finden wir hochwertige, gut verarbeitete Materialien, ein übersichtliches Cockpit und einen ausreichend großen Touchscreen auf der Mittelkonsole. Für Lichtdurchflutung sorgt ein Panoramaglasdach – welches allerdings die Klimaautomatik vor Herausforderungen stellt. Reichlich Kopf- und Beinfreiheit genießen die Insassen beider Sitzreihen – die hintere Sitzbank offeriert in der Shine-Ausstattung übrigens eine praktische Längsverschiebbarkeit, die das Ladeabteil von 410 auf 520 Liter erhöht. Maximal lässt sich ein Stauraum mit 1289 Litern bilden.

Stimmig ist die Verwendung des eingebauten 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbodiesels. Der hat dank 120 PS Leistung und 300 Newtonmetern maximalem Drehmoment ausreichend Kraftreserven für den 1,2 Tonnen schweren Hochbau. Lediglich 9,8 Sekunden vergehen, bis der C3 Aircross von null auf 100 km/h beschleunigt. Die Laufkultur geht mehr als Ordnung, der Verbrauch ist mit 6,0 Litern je 100 Kilometer angesichts häufiger Berg- und Talfahrten hinnehmbar. Beim Preis von 23.090 Euro ist zu berücksichtigen, dass es sich dabei um den stärksten Selbstzünder und das höchste Ausstattungsniveau (Shine) handelt: Dafür gibt es die zuvor erwähnte Klimaautomatik, 16-Zoll-Matrix-Alufelgen, eine Einparkhilfe hinten, das Connect-Nav-System mit Mirror-Screen-Funktion und die schon gelobte längs verschiebbare Rücksitzbank – das alles kombiniert mit französischer Hochbaukunst.




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