Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.06.2018


Test

Kawasaki Versys: Oft unterschätzter Reisepartner

Mit der Kawasaki Versys haben die Grünen einen perfekten Begleiter für lange Touren im Programm. Ein Highlight ist der potente Reihen-Vierzylinder.

© LetznerDie freche Optik steht der Kawasaki Versys richtig gut. Man sieht ihr aber auch ein stolzes Kampfgewicht an.



Von Lukas Letzner

Mieming – Reise-Motorräder stehen bei Zweiradfans nach wie vor hoch im Kurs. Jeder nahmhafte Hersteller hat mittlerweile ein hochbeiniges Schweizer Taschenmesser im Programm und versucht, BMWs R 1200 GS vom Thron des Reiseenduro-Olymps zu stoßen. Ein oft unterschätzter Gegner in diesem Segment kommt aus dem Hause Kawasaki und hört auf den Namen Versys. Wir haben eine Gelegenheit genutzt, um herauszufinden, warum man die Versys eher selten zu Gesicht bekommt.

Ein Grund fällt uns beim ersten Anblick der grünen Reisequeen auf einmal wieder ein: Bisher zählte die Versys zu den eher hässlicheren Entlein unter den Zweirädern. Das hat sich mit der letzten Modellpflege – die fand vor fast drei Jahren statt – aber ordentlich geändert. Das aktuelle Outfit steht der Versys richtig gut. Sie wirkt sehr imposant und man sieht ihr die 250 kg, die sie im fahrbereiten Zustand auf die Waage bringt, auch an. Dank unserer Körpergröße von 190 Zentimetern lässt sie sich aber problemlos rangieren. Unter 1,8 Meter könnte das aber anders aussehen.

Ein sanfter Druck auf den Anlasser offenbart ein weiteres Highlight der Versys. Diese Klangkulisse kann nur von einem Vierzylinder-Aggregat stammen (immer noch eher selten in dieser Klasse). Aber das adaptierte Aggregat der Z1000 leistet – vor allem im unteren Drehzahlbereich – hervorragende Arbeit. Der Reihen-Vierzylinder mit 1043 ccm dreht seidenweich und punktet mit einer wunderbar linearen Kraftentfaltung, die Kawasaki mit doppelten Drosselklappen prima hinbekommen hat. Sie optimieren außerdem die Leistungsausbeute und sorgen für eine höhere Verbrennungseffizienz. Das Ergebnis sind 120 muntere Pferdestärken bei 9000 U/min und 102 Nm bei bereits 7500 U/min.

Die freche Optik steht der Kawasaki Versys richtig gut. Man sieht ihr aber auch ein stolzes Kampfgewicht an.Foto: Letzner
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Wenn die Versys in Bewegung ist, dann geht alles spielend leicht. Das doch recht beeindruckende Gewicht wird zur Nebensache, sobald man den vier Töpfchen die Sporen gibt. Munter dreht der Motor durchs Drehzahldickicht und die Versys folgt willig jedem Zug am Lenker. Lediglich das Fahrwerk könnte für unseren Geschmack etwas straffer arbeiten. Ansonsten lässt die Grüne aber keine Wünsche offen: Ein dreistufiges Motormapping sorgt für die gewünschte Portion Kraft am Hinterrad, wer es dennoch übertreibt, wird von der sanft arbeitenden Traktionskontrolle (ebenfalls in drei Stufen regelbar) wieder eingefangen. Wer lieber auf elektronische Helferlein verzichtet, der kann die Spaßbremse auch ganz abschalten. Zu haben ist die Kawasaki Versys 1000 bereits ab 14.999 Euro. Wer gerne längere Strecken mit ihr bewältigen möchte, sollte sich das erhältliche Grand-Tourer-Paket ansehen. Für 2290 Euro sind dann unter anderem Steckdose, Koffersystem und Zusatzscheinwerfer mit an Bord.




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