Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.06.2018


Test

Aston Martin DB11: Im Dutzend besser

Aston Martin dreht bei der Zwölfzylinder-Variante seines DB11 die

Leistungs- und Fahrspaßschraube nach oben.

© HerstellerDer Aston Martin DB11 V12 schmückt seine neuen sportlichen Qualitäten mit schwarzem Klavierlack und Karbon-Applikationen statt mit ChromFoto: Hersteller



Von Stefan Pabeschitz

Nürburgring – Vor zwei Jahren war der DB11 für die britische Nobelmarke Aston Martin so etwas wie eine Wiederauferstehung: äußerlich mit der Fusion moderner Designelemente und klassischer Proportionen sowieso – aber auch unter der schönen Haut dank Alu-Chassis, V12-Biturbo und digitalem Equipment auf dem letzten Stand der Technik. In der Summe seiner Eigenschaften ein hinreißender Gran Turismo, niemals roh oder hinterhältig im Entfachen seiner 608 PS-Power, sondern immer komfortabel und sportlich gezügelt.

Im vergangenen Jahr reicht Aston dann eine V8-Alternative mit Motor von AMG-Mercedes nach. Die knapp hundert PS weniger als im Zwölfender merkt dem rauen Teutonen-Kraftlackl niemand an, der Gewichtsvorteil plus zahlreicher Nachbesserungen an Fahrwerk und Trimmung bringen seine unbestreitbaren Qualitäten zu Recht beeindruckender Anwendung im britischen Nobel-Coupé. Insgesamt ist der deutsche Beute-Motor plötzlich die bessere Wahl im DB11 – abgesehen vom Vernunft-Mascherl, nur einen beinahe volksnahen V8 zu fahren und keinen bourgeoisen V12. Nur, dass die Kundschaft eben ideologisch lieber zu Letzterem driftet, als praktisch mit Ersterem.

Aston Martin Racing, kurz AMR, ist die hauseigene Renn­abteilung, die sich daraufhin des V12 liebevoll annimmt. Als Ergebnis schaffen zunächst einmal nunmehr aktivierte 631 PS einen solideren Respektabstand von 121 Hengsten zum V8. Die straffere, aber dennoch nicht weniger komfortable Fahrwerksabstimmung wurde von eben dem übernommen, aber mit etwas steiferen Stabilisatoren kombiniert, dazu Lenkung und Fahrhilfen völlig neu konfiguriert sowie an Balance und Bremsen feinjustiert. Zuletzt bekam auch die ZF-Achtgangautomatik noch ein Update ihrer Schalt-Sofware.

Viele kleine Eingriffe, die sich zu einem gravierenden Gesamtergebnis summieren. Der ehemals gemütlich-schnelle Gran Turismo ist kaum noch wiederzuerkennen: Nicht etwa, dass er nun zum hitzigen Kampfanzug auf vier Rädern mutiert wäre – der jetzt schlicht AMR genannte DB11 V12 hat nur einfach in jedem Detail gewonnen, ist präziser, direkter, knackiger und sportlicher geworden, ohne deswegen seine guten Manieren zu vergessen. Er legt sie nur etwas großzügiger aus – schon beim Starten der Maschine, die sich jetzt recht vernehmlich räuspert, statt in nachbarschaftsfreundlichem Flüsterton zu hüsteln. Dann Gang einlegen mit dem Drücken des gläsernen D-Knopfes in der Konsole, was ein kurzes Herzflimmern am Motor und auf dem Fahrersitz auslöst. Bereits im benutzerfreundlichen GT-Modus zieht der AMR recht vehement vom Leder, lässt in den Kurven keinen Zweifel, dass seine Kraft mit der Hinterachse spielt. Die neuen Qualitäten als Fahrmaschine reizt er erst recht in den Programmen Sport und Sport+ aus, wo der Lord dann richtig die Krallen ausfährt. Das strammer aufgezogene Heck wird zum unbestechlichen Bewegungsmelder, dessen Mix aus Speed, Feedback und Präzision jeden Fahrer rührt, aber niemals schüttelt. Die Revier­übertretung vom Gran Turismo zum Supersportwagen passiert irgendwo in diesem Bereich ganz selbstverständlich – und trotzdem will man den DB11 nicht im Renn­overall fahren, sondern immer noch lieber im dreiteiligen Anzug mit Stecktuch und Lederhandschuhen. Eben Heizen mit Stil – wo, wenn nicht in einem Aston Martin?

Der noble Spaß hat natürlich einen ehrfurchtgebietenden Tarif: 279.213 Euro Kaufpreis, dazu jährlich noch einmal knapp vier Tausender Vergnügungsabgabe in Form der KFZ-Steuer. Wer noch mehr übrig hat, muss nur wenige Monate Geduld haben: Dann wird DBS mit etwa 680 PS und 900 Newtonmetern Drehmoment die Spitze der Baureihe einnehmen und rundum noch ein paar Schäuferln nachlegen.




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