Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


Test

Volvo V60: Thors dynamischer Hammerschwung

Volvo eröffnet mit der zweiten Generation des V60 das nächste Kapitel im Modell-Erneuerungsprogramm. Er ist größer und sportlicher geworden.

© WerkNeuer Schweden-Kombi: Rustikale Sportlichkeit soll den V60 deutlich vom V90 unterscheiden.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Barcelona – Als Weltmeister der Kombination wollen sich die Schweden behaupten. Das hat zwar am Rande auch mit Skifahren zu tun, bezieht sich aber im konkreten Fall aufs Segment der Kombis (in der gehobenen Klasse). Da hat Volvo siebzig Jahre Erfahrung. Das Initial hatte die Lader-Version des PV445, genannt Duett, gesetzt, er ist als „Buckel“-Volvo in die automobile Historie eingegangen. Genauso wie die Langrücken-Version des Amazon. Und ebenso wie der P1800, der als Shooting Brake den Spitznamen „Schneewittchensarg“ trägt. Mit dieser Erbschaft ist 2010 der V60 in der Kompaktklasse angetreten. Mit markant-schnittigem Design, auf die solide Art interpretiert, mit fahrdynamischer Bodenständigkeit.

Jetzt startet er in seine zweite Generation. Vorangefahren ist ihm im Vorjahr der große Bruder V90. Volvo will den neuen V60 aber nicht als dessen Ableger platzieren, sondern als eigenständigen Charakter. Dafür ist sein Design nicht so vordergründig auf Eleganz ausgelegt – siehe das steil stehende, stark strukturierte Heck –, sondern mehr auf Robustheit, gewürzt mit einer Prise Sportlichkeit.

Bei aller Eigenständigkeit trägt jedoch auch er, als Unverwechselbarkeits-Merkmal der neuen Volvo-Ära, in der LED-Tagfahrlichtsignatur Thors Hammer. Damit der gar nicht mehr so kompakte Lader – er misst nun 4,67 Meter in der Länge, sein Kofferraum fasst 529 bis 1444 Liter – diesen auch mit Dynamik schwingen kann, wurde ihm auf Basis der skalierbaren PSA-Plattform ein straff ausgelegtes Fahrwerk verpasst. Auch geben die Schweden an, dass Lenkung und Bremsen darauf abgestimmt sind.

Das Sportlichkeitsversprechen erfüllen sollen ebenso die Antriebe. Zum Marktstart in Österreich (September) gibt es fünf, alle mit Zweiliter-Vierzylinder-Verbrennern. Der Benziner leistet als T6 310 PS, ist mit Achtgang-Automatik und Allradantrieb kombiniert. Die Diesel haben 190 PS (D4) und 150 PS (D3), sie werden über die Vorderräder angetrieben, hier besteht die Wahl zwischen manueller Sechsgang-Schaltung und achtstufigem Wandler. Bei den Hybriden handelt es sich um einen T8 mit 390 PS und eine leistungsreduzierte Version, genannt T5, mit 340 PS. Weitere Antriebe folgen gegen Jahresende, Diesel mit Allrad und ein Cross Country. 2019 kommt unter anderem ein kleiner Plug-in-Hybrid dazu.

Den ersten Auslauf absolvierte der Benziner (die Hybride standen noch nicht zum Verkosten parat) auf Autobahnen und kurvenreichen Strecken im Hinterland von Barcelona. Den Sportlichkeitsanspruch erfüllt er, die Automatik tat’s beim getesteten Modell nicht ganz. Dazu kommt auf jeden Fall superber Abrollkomfort auf nunmehr 2,872 Meter messendem Radstand. Das Fahrwerk erwies sich im Sport-Modus als perfekt für fein asphaltierte Straßenbeläge. Auf weniger gepflegten Wegen machte sich die Komfort-Stufe angenehm bemerkbar. Die Lenkung könnte gefühlvoller sein, die Bremsen sind nicht einmal ansatzweise bissig. Die zweite ausprobierte Motorisierungsvariante, der 190-PS-Diesel, überzeugt mit kraftvollem Einsatz seines Drehmoments (400 Nm).

Dass man im V60 fein wohnt, das war zu erwarten. Auch ist mittlerweile die Bedienerführung über den Tablet-großen Screen des Infotainment-Systems geläufig. Wie seine Brüder – ob in der SUV- oder in der Limousinen-/Kombi-Klasse – hat er alles an Sicherheitsfeatures mitbekommen, was das Volvo-Regal derzeit hergibt. Neu ist ein Notbrems­assistent bei Quer- (optional) und Gegenverkehr (Serie).

Nicht gespart hat man bei der Konnektivität. Der Preis: ab 42.185 Euro. Dafür bekommt man den manuell geschalteten D3.




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