Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


Test

Toyota Aygo: Urbaner Sparefroh aufgepeppt

Toyota bessert seinen Kleinstwagen Aygo in Leistung, Ausstattung und Sicherheit auf – im Herbst kommt er auf den Markt.

© WerkRich Blue ist eine von zwei mutigen neuen Farben, mit denen Toyota den motorisch und in der Ausstattung aufgebesserten Aygo feiert.



Von Stefan Pabeschitz

Kopenhagen – Gnadenloser Lifestyle oder doch Spar­zwang? Gerade im Kleinwagensegment tun sich viele Hersteller mit der Positionierung alles andere als leicht. Toyota versucht spätestens seit 2014 mit der Generation zwei des Aygo den Spagat zwischen beiden Eigenschaften: Der im tschechischen Kolin östlich von Prag gebaute City-Zwerg kombiniert einfache, deswegen aber nicht zwingend billig wirkende Materialien und offensiv-modernes Design mit einem attraktiven Preis.

Jetzt legt der japanische Anti-Cinquecento bei den inneren und äußeren Werten noch mal nach: Das bisher dominierende und farblich abgesetzte X an der Front wird durch ein einfarbiges, dafür aber dreidimensionaler und vor allem robuster wirkendes Design ersetzt. Die Scheinwerfer erhalten ein neues Layout samt LED-Tagfahrlicht, ebenso sind die weiter nach außen gezogenen, senkrechten Heckleuchten nun mit LED-Technik bestückt. Den Innenraum werten optional farbliche Akzente in Karosseriefarbe auf, das Kombiinstrument präsentiert sich serienmäßig in sportlichem Turbinen-Look.

Mehr hat sich unter den Verkleidungen getan: Die Geräuschdämmung in der Fahrgastzelle wurde verbessert und das digitale Angebot um eine neue Multimedia-Einheit samt Smartphone-Kopplung über Android Auto und Apple CarPlay erweitert. Dazu ist das Basis-Paket von Toyota Safety Sense mit Spurhalteassistent, Kollisionswarner und Notbremssystem im Einstiegsmodell an Bord, in den gehobenen Ausstattungskategorien dann in erweitertem Umfang bis hin zur automatischen Verkehrzeichenerkennung.

Es bleibt zwar bei nur einem Motor im Angebot, der 1-Liter-Dreizylinder-Benziner wurde aber ebenfalls großzügig überarbeitet: Er hat eine Ausgleichswelle erhalten, außerdem eine variable Steuerung beider Nockenwellen und leistet jetzt 72 statt bisher 68 PS. Dazu liegt das maximale Drehmoment nun bereits bei niedrigerer Drehzahl an und ein Verbrauch von 3,8 Litern bei nur 88 g CO2-Emission ist zumindest rechnerisch möglich. Im Stand läuft der Motor ruhig und fast unhörbar, beim Anfahren wird er bisweilen immer noch recht knurrig und spontan. Sofern man an der Kreuzung mit abgestorbenem Motor oder durchdrehenden Rädern nicht unangenehm auffallen will, ist eine gefühlvolle Bedienung des Kupplungspedals gefragt. Wer sich die nicht angewöhnen will oder kann, hat die Option des robotisierten Fünfgang-Getriebes, das diese Aufgabe betont unaufgeregt übernimmt.

Der bisher eher gemütlich und indirekt wirkende Aygo hat beim Handling dank strafferer Abstimmung und neuer Lenk-Software mit präziserer Umsetzung nun deutlich gewonnen. Er wieselt jetzt äußerst agil durch den Verkehr und quittiert auch abrupte Manöver mit für einen Kleinwagen ansprechender Souveränität.

Da der Verkauf der aufgewerteten Baureihe offiziell erst im September startet, wurden zurzeit noch keine neuen Preise genannt. Traditionell versucht aber Toyota bei einem Facelift trotz der verbesserten Grundausstattung zumindest den Einstiegspreis beizubehalten. Die Preisliste könnte also auch künftig bei 9990 Euro beginnen, die höheren Kategorien werden gegenüber dem aktuellen Tarif eventuell geringfügig zulegen.




Kommentieren


Schlagworte