Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 10.06.2018


Test

Lexus RX 450h: Tiefenentspannung auf der Ersatzbank

Lexus streckt dem RX 450h ein wenig das Heck auf „L“ wie „large“, schafft Raum für

eine dritte Sitzreihe für zwei Personen oder mehr Platz fürs Gepäck.

© HerstellerLexus macht auf Großfamilie, unter dem Dach des RX 450h können in der L-Version bis zu sieben Personen untergebracht werden.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Bürgenstock – Als der Lexus RX im Jahr 2005 als Hybrider präsentiert wurde, stand er alleine da. Zwar nicht als SUV der oberen Klasse – die Marketing-Abteilungen haben dafür das Etikett „Premium“ parat – doch als Alternativantriebs-Kandidat. 2006 wurde er als RX 400h auf den Europa-Markt geschickt, tituliert als Crossover, um ihn zusätzlich von der wachsenden Schar der Oberklasse-Mitbewerber abzugrenzen.

Im zu dieser Zeit heftigst diskutierten Sports-Utility-Vehicles-Segment hat er begonnen, der Spritsäufer-Argumentation den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die verbrauchsminimierende Kooperation zwischen V6-Benziner und zwei E-Aggregaten, von denen eines für den Antrieb der Hinterachse zuständig ist (und damit Allradantrieb generiert), hat die Luxus-Tochter von Toyota weiter kultiviert.

2015 hat der RX seinen vierten Modellkarriere-Schritt vollzogen. Dabei ist er markanter, um nicht zu sagen optisch mutiger geworden. In Österreich wird er ausschließlich als Hybrid offeriert. Das Antriebssystem wurde weiterentwickelt, blieb aber im Prinzip gleich, siehe 4x4-Antrieb. Ein 3,5-Liter-V6-Benziner kooperiert mit zwei Elektromotoren. Die Systemleistung ist mit 313 PS beziffert. Ein Plug-In-System ist derzeit nicht in Sicht. Als Hybrid steht der RX nicht mehr alleine da. Doch hat er sich ein neues Alleinstellungsmerkmal zugelegt: In der neuen L-Version kann er bis zu sieben Personen unter sein Dach setzen. Dafür schneiderten ihm die Designer das Heck länger, um elf Zentimeter. Das wirkt aus keinem Blickwinkel angestückelt oder aufgesetzt, im Gegenteil, es unterstreicht die coupéhafte Dachlinie erst so richtig auf nun exakt fünf Metern Länge.

Dem Auftrag gemäß, im luxuriösen Bereich zu bleiben, hat man nicht einfach zwei Notsitze ins Heck gepresst: Es ist vollwertiges Gestühl, selbstverständlich (serienmäßig) mit Leder bezogen, samt eigener Klimazone und Becherhaltern, etwas höher gesetzt als die ohnehin bereits angehobene zweite Sitzreihe (die über der Batterie postiert ist).

Es liegt auf der Hand, dass sich auf elf Zentimetern Verlängerung keine Reitschule ausgeht. Üppiger Knieraum ist nicht zu erwarten, und es müssen auch die Passagiere der zweiten Reihe ein wenig nach vorn rücken (dafür haben sie fünfzehn Zentimeter Spielraum), um den Hinterbänklern (Sitz-)Platz einzuräumen. Damit das Einsteigen würdig vonstatten geht, haben sich die Techniker ein ausgeklügeltes elektronisch und mechanisch zu betätigendes System ausgedacht: Das Vorrücken der Mittelbank samt Neigen der Lehnen zum einfacheren Erklettern der dritte Reihe funktioniert mit simpel zu handhabendem sowie durchschaubarem Tasten-Drücken und Hebel-Ziehen. Auch ist die Ersatzbank stets an Bord. Sie kann nahtlos versenkt werden, der entstehende Leerraum kann dann als Ladeabteil Dienste leisten. Samt den unverändert klappbaren Lehnen der Mittelreihe geht sich ein Volumen von bis zu 1.565 Litern aus (Minimum, wenn voll bestuhlt: 176 Liter).

An der Motorleistung ändert die Heck-Verlängerung nichts. Aber für den 0-auf-100-Sprint braucht der L mit 8,0 Sekunden um 0,3 sec. länger, und im Top-Speed gehen ihm 20 km/h ab, er schafft deren 180. Ein Limit, an das der RX bei seinem ersten Präsentationslauf aus Vernunftgründen nicht annähernd getrieben wurde: Es ging durch die Schweiz, über Autobahnen, über Berge und durch Täler. Die Vortriebs-Spontaneität wirkt nicht anders als beim rund 175 Kilo leichteren kurzen RX, sie entfaltet sich subjektiv anhand des CVT-Getriebes ohnehin etwas gedämpft. Doch hat der Edel-Japaner jedenfalls beruhigende Wirkung, mit sehr feiner Interieur-Einrichtung sowie auf Komfort getrimmter Fahrwerks- und Lenkungsabstimmung (auch im Sport-Plus-Fahrmodus). Es stellt sich vom Start weg ein Gefühl der Tiefenentspannung ein, mit der man gelassen über die bremsenden Tempolimits hinwegsehen kann. Und auch über die – für Europäer – nicht immer logische Bedienung des Navigationssystems sowie die Tempo-Vorschläge der Verkehrszeichenerkennung. Der Preis: ab 73.100. Marktstart: Ende Juni.




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