Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.06.2018


Test

Kia Ceed: Dritter Durchgang für den Bestseller

Der Ceed der neuesten Generation zeigt sich dynamischer, ladefreundlicher und technologieaffiner als die beiden Vorgänger. Den Auftakt übernimmt die Limousine, der Kombi folgt im Herbst.

© WerkDie neue Kia-Baureihe darf durchstarten: Im Juli beginnt die fünftürige Limousine, im Herbst folgt der Sportswagon. Später sind ein Shooting Brake und auch GT-Varianten geplant.



Von Markus Höscheler

Faro – Mag sein, dass die Erkenntnis schon etwas langweilig klingt, da sie immer wieder zu hören ist – aber sie trifft zu: Kia hat schon wieder dazugelernt, und das auf hohem Niveau. Die Koreaner hatten schon in den Jahren davor einen ungeheuren Ehrgeiz entwickelt, um den europäischen und japanischen Herstellern zu zeigen, dass sie nicht nur günstige Autos, sondern auch schöne, gut verarbeitete und zuverlässige bauen können. Der Ceed zeigte diese Entwicklung anhand der ersten beiden Generationen eindringlich, verbunden mit der Entscheidung Kias, eine Sieben-Jahres-Garantie (bis 150.000 Kilometer Laufleistung) anzubieten. Kias Selbstvertrauen stieß auf Vertrauen seitens der Kundschaft, zuletzt war der Ceed das erfolgreichste Modell der Marke in Österreich, noch vor Rio (2017) und Stonic (in den ersten fünf Monaten 2018).

Heuer wird es für den Kompaktwagen aber sehr schwer, die Führungsposition zu verteidigen. Ein Zeit kostender Generationswechsel steht an. Er beginnt im Juli mit der Einführung der fünftürigen Schräghecklimousine und wird im Herbst mit dem Sportswagon (Kombi) fortgesetzt. Verzichten muss jene Mini-Minderheit, die bisher mit dem dreitürigen Proceed gut gefahren ist – diese Karosserievariante entfällt (wie auch beim Audi A1 der zweiten Generation, siehe Bericht auf Seite 3), stattdessen wird eine Art Shooting Brake, eine Mischung aus Kombi und Coupé folgen. Ebenfalls in der Pipeline: sportliche und sportlich gezeichnete Varianten (GT und GT-Line).

Dabei dürfte schon Freude mit den nicht ganz so stark motorisierten Ceed-Modellen aufkommen, wie erste Probefahrten mit dem Fünftürer im südlichen Portugal zeigten. Der 120 PS starke Einliter-Dreizylinder-Turbobenziner fiel beispielsweise mit bekömmlicher Laufkultur und angenehmer Leistungsentfaltung auf. Die größte Überraschung zeigte der Ceed allerdings beim Volant – die weichgespülte Lenkung war beim Vorgänger auffällig schwach. Damit hat das zuständige Ingenieursteam gekonnt aufgeräumt, zügig gefahrene Runden auf einer Rennstrecke überzeugten uns von diesem technischen Sprung – direkt und präzise arbeitet die Lenkung. Ausgewogen abgestimmt wirkt das Fahrwerk, gut verarbeitet der Innenraum und ausreichend geräumig das Platzangebot. Der Kofferraum offeriert nun mit 395 Litern gut 15 Liter mehr.

Außen haben die Designer den Ceed dank neuem Tigernose-Kühlergrill, der Rückversetzung der A-Säulen, des kürzeren vorderen Überhangs und der knackigen Heckgestaltung löbliche Arbeit verrichtet. Innen durften sich Experten austoben und neue Infotainmentsysteme installieren, die verknüpft sind mit zentralen Touchscreens mit einer Diagonale von fünf, sieben oder acht Zoll, je nach Ausstattung und Zusatzoption. Teile der Fahrerassistenzsysteme sind ab Werk im Ceed enthalten, Teile stellen Extras dar: Es gibt einen Stauassistenten, einen Frontkollisionswarner mit Fußgängererkennung und einen adaptiven Tempomaten, um drei Beispiele zu erwähnen.

Ausreichend zu bestimmen, hat der Kunde, wenn er sich einen neuen Ceed anschaffen möchte: Es gibt drei Benzinaggregate (100, 120 und 140 PS) sowie zwei Diesel mit 115 und 136 PS, alle erfüllen nach Angaben des Herstellers die künftige Abgasnorm Euro 6d-TEMP. Ausnahmslos sind alle mit Vorderradantrieb verbunden, zur Wahl steht für die stärkeren Motorisierungen ein Siebengang- Doppelkupplungsgetriebe anstelle eines Sechsgang-Handschalters.

Vier Ausstattungsniveaus finden sich in der Preisliste, eröffnen darf Titan (ab 17.490 Euro), es folgen Silber, Gold und Platin. Bereits Titan muss mit einer manuellen Klimaanlage, einer Bluetooth-Freisprecheinrichtung, einem Fünf-Zoll-Multimedia-Display und einem Spurhalteassistententen als brauchbare Alternative ernst genommen werden. Bestellen lässt sich auch schon der Kombi SW, und zwar ab 18.690 Euro.




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