Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.06.2018


Test

Neuer Audi A1: Manierlich, maskulin und multimedial

Der zweiten A1-Generation von Audi kommt der Diesel abhanden, ihr Auftritt ist viel markanter als zuvor und die technische Entwicklung kommt den neuen Smartphone-Generationen entgegen.

© WerkIm Herbst darf die neue A1-Generation auf Kundenfang gehen.



Von Markus Höscheler

München – Audi hat sich in Verzicht zu üben. Der Vier-Ringe-Marke kam in dieser Woche erstens der Vorstandsvorsitzende abhanden, zweitens musste die Fahrpräsentation für den Q8 in Chile wegen eines Lotsenstreiks abgesagt werden, drittens darf die zweite Generation des Kleinwagens A1 nur noch mit Benzinmotoren agieren.

Zum ersten Punkt: Um Rupert Stadler, dem seit elf Jahren amtierenden Audi-Chef, wurde es zuletzt im Gefolge des seit fast drei Jahren schwelenden VW-Dieselskandals immer enger. Einer Hausdurchsuchung folgte am Montag die Festnahme, die Staatsanwaltschaft befürchtet Verdunkelungsgefahr. Die Unschuldsvermutung gilt, aber der Audi-Aufsichtsrat musste schnell reagieren und setzte Bram Schrot als „kommissarischen“ Vorstandsvorsitzenden ein. Praktisch zeitgleich fiel – damit sind wir beim zweiten Punkt – ein Teil der Fahrpräsentation des lange erwarteten SUV-Coupés Q8 in Südamerika aus, da Flughafenmitarbeiter ihren Dienst nicht wie vorgesehen verrichten wollten. Geplant dagegen war, so die Audi-Verantwortlichen ganz offiziell bei einer statischen Präsentation von neuen Modellen, die Verzichtsleistung der zweiten A1-Generation: Ein Selbstzünder ist für den neuen Kleinwagen nicht mehr vorgesehen.

Den Gürtel enger schnallen muss deswegen aber keiner, der erwägt, den A1 auf die Kaufliste zu setzen. In puncto Dimensionen ist er gewachsen – und zwar in der Länge um 56 Millimeter auf 4,03 Meter. Zudem ist der kleinste Audi 1,41 Meter hoch und 1,74 Meter breit. In Summe ergibt sich für die Insassen mehr Kopf- und Beinfreiheit, wie sich die Tiroler Tageszeitung bei einer ersten Sitzprobe überzeugen konnte. Dies gilt insbesondere für die zweite Sitzreihe. Auch das Ladeabteil legt zu – und zwar um 65 auf 335 Liter. Bei umgelegter Rücksitzlehne beträgt der Stauraum 1090 Liter. Die Ladekante liegt 67 Zentimeter hoch, was beim Beladen durchaus praktisch ist.

Die genannten Zahlen sollen nicht verschleiern, dass der Charakter des A1 sich gegenüber dem Vorgänger augenscheinlich gewandelt hat. Die offensichtlichen Rundungen außen sind gewichen, der Neuling zeigt mehr Kanten, einen breiten Singleframe-Kühlergrill und drei horizontale Öffnungen unterhalb der Motorhaube. Betonte Radhäuser und flache C-Säulen bewirken beim Kleinwagen eine dynamischere Ausstrahlung. Verspielt gibt er sich mit dem in zwei dunklen Farben erhältlichen Dachkontrastbogen.

Weitere Spielereien locken im Innenraum: Optional ist für den A1 das volldigitale Virtual Cockpit erhältlich, das mit dem TT der aktuellen Generation seinen Siegeszug quer durch die Audi-Baureihen angetreten hat. Weiters lässt sich der A1 aufrüsten mit einer B&O-Soundanlage, mit einem MMI-Touchdisplay-Bediensystem und mit einer induktiven Ladestation für Smartphones (nach dem Qi-Standard).

Geladen sind alle für den A1 gedachten Triebwerke, auch wenn sie ausnahmslos mit Benzin arbeiten. Den Einstieg markiert ein 95 PS starker Einliter-Dreizylinder-Turbobenziner – er wird allerdings erst zum Marktstart noch nicht verfügbar sein. Im Gegensatz zu den drei anderen Ottomotoren. Zu haben sein werden anfangs ein 116 PS starker Dreizylinder, ein 150 PS starker 1,5-Liter-Vierzylinder mit spritsparender Zylinderabschaltung und ein 200 PS starkes Top-Aggregat. Dieses ist serienmäßig mit einer Sechsgang-Doppelkupplung (S-tronic) verknüpft, die anderen lassen sich wahlweise mit einem Handschalter oder einer Siebengang-Doppelkupplung bedienen.

Das Antriebsportfolio verspricht rasantes Vorankommen – da ist es stimmig, dass Audi den A1 auch sicherheitstechnisch aufrüstet. Zum Einsatz kommen, teils in Serie, teils als Extraausstattung, Spurverlassenswarnung, adaptiver Tempomat und Audi pre sense front mit Fußgänger-, Radfahrer- sowie Querverkehrskennung. Zudem hat der A1-Kunde die Wahl zwischen einem Basis- und einem Sportfahrwerk – die eingangs erwähnte Verzichtsleistung hat also schnell ihre Grenzen gefunden.




Kommentieren


Schlagworte