Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.06.2018


Test

Der Star der Arbeitstiere

Die X-Klasse ist Mercedes’ erstes echtes Nutztier. Dabei machten sich die Schwaben zwar die bewährte Nissan-Technik zunutze, doch für den Kunden wird das nicht zum Nachteil.

© LetznerDie typische Front macht aus der X-Klasse eindeutig einen Mercedes. Der Rest des Blechkleides stammt von seinem Organspender.



Von Lukas Letzner

Inzing – Dass die Technik aus dem Hause Renault-Nissan für Mercedes Modell steht, weiß man ja mittlerweile. Immerhin haben die Schwaben ja schon beim Citan gemeinsame Sache mit Renault-Nissan gemacht und auf die bewährte Technik des Kangoo zurückgegriffen. Warum sollte man da nicht auch bei der X-Klasse auf die ausgereifte Technik des Nissan Navara vertrauen. So weit, so gleich. Unser Testwagen hatte sogar eine ähnliche Farbe wie der damals getestete Nissan Navara. Bis auf die gefällige Front – die die X-Klasse übrigens rein optisch eindeutig zu einem Mercedes macht – glichen sich die Pick-ups wie eineiige Zwillinge.

Das ändert sich, als wir das erste Mal die Fahrerkabine erklimmen. Dann nimmt man nämlich in einem Mercedes Platz. Auch die Türe fällt um einiges satter in Schloss als beim japanischen Organspender und der Innenraum gleicht eher einer C-Klasse als einem Nissan. Kein Wunder, von ihr wurden auch mehrere Teile übernommen. Innen geht es sehr nobel zu, zahlreiche Komponenten wurden aus Pkw-Baureihen übernommen. Auffällig sind die verchromten Schalter im Lenkrad, der freistehende Bildschirm über der Mittelkonsole und das Touchpad auf dem Controller zwischen den Sitzen.

Als wir den Vierzylinder-Diesel das erste Mal anwerfen, fällt auf, dass es in der X-Klasse verhältnismäßig leise zugeht. Das Rütteln des Motors dringt nicht bis in den Innenraum vor und so fährt sich das schwäbische Arbeitstier um einiges eleganter als seine Brüder. Die 190 PS und das ordentliche Drehmoment von 450 Nm vermitteln einen souveränen Eindruck. Natürlich ist die X-Klasse kein Sprinter, die 3,5 Tonnen, die das Arbeitstier maximal bewegen kann, sind aber sicher keine Herausforderung. Die Automatik arbeitet zwar etwas langsam, aber äußerst exakt und passt zur X-Klasse.

Auf holprigen Straßen merkt man dann aber, dass auch die X-Klasse über einen Leiterrahmen, eine Starrachse und Blattfedern verfügt. Das Fahrwerk wird zittrig an der Vorderachse, das Lenkrad überträgt die Vibrationen, dazu kommt die eher indirekte Lenkung. Spätestens jetzt merkt man wieder, dass man es mit einem Nutzfahrzeug und nicht mit einem Pkw zu tun hat.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Diesel

Hubraum: 2298 ccm

Drehmoment: 450 Nm bei 1500 U/min

Leistung: 140 kW/190 PS

L/B/H: 5340/2113/1819 mm

Gewicht: 2300/3500 kg

Ladefläche: 1581/1560/431 mm

Tankinhalt: 73 l

Höchstgeschwindigkeit: 176 km/h

0–100 km/h: 11,5 Sekunden

Verbrauch: 10,2 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: ab 40.692 Euro

CO2-Emission: 207 g/km

Im Innenraum der X-Klasse geht es sehr nobel zu. Dank der Holzapplikationen und der verchromten Armaturen fühlt man sich auf Anhieb wohl.
- Letzner



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