Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.06.2018


Test

Mercedes C-Klasse: Update mit Strom, Effizienz und Komfort

Die C-Klasse von Mercedes geht mit neuen Motoren und vielen Detailverbesserungen in die zweite Lebenshälfte – quer durch alle Karosserievarianten.

© WerkFür die aufgefrischte C-Klasse hat Mercedes das meiste Ingenieurs-Hirnschmalz in Effizienz und Emissionskontrolle investiert.



Von Stefan Pabeschitz

Luxemburg – Der C ist so etwas wie der geheime Star in der Mercedes-Palette: Trotz SUV-Boom, S-Klasse-Strahlkraft und Einsteiger-Verlockung des A – jeder fünfte Benz, der weltweit verkauft wird, ist eine C-Klasse. Von etwa 12.000 Teilen, aus denen der Bestseller besteht, wurden je nach Modell und Ausstattung nun bis zu 6500 erneuert. Äußerlich bleibt die Umstellung aber diskret: leicht abgeänderte Stoßfänger, Auffrischungen im Innenraum, ein neues Multifunktions-Lenkrad mit integrierter Tempomatsteuerung.

Nicht gereicht hat es für den Einzug des in den anderen Baureihen schon gut vertretenen Widescreen-Cockpits samt dem innovativen Bediensystem Mbux. Mercedes gibt dafür eine recht verschwurbelte Erklärung über Kundenpräferenzen ab – tatsächlich wären die Änderungen an der digitalen Infrastruktur samt Cockpit-Hardware wohl zu umfassend, um sie in einem Facelift wirtschaftlich zu rechtfertigen. In der Basisausstattung bleibt es bei zwei analogen Rundinstrumenten plus sieben Zoll großem Multifunktions-Schirm in der Mitte freistehend auf dem Armaturenbrett. Gegen Aufpreis sind ein volldigitalisiertes Instrumentendisplay mit 12,3 Zoll und die Erweiterung des Mittelschirms auf 10,25 Zoll im Angebot. Die Instrumentendarstellungen sind variabel und verändern zum Teil auch mit der Auswahl des Fahrmodus ihr Layout.

Eine der interessantesten Neuerungen liefert der C 200 mit seinem innovativen 1,5-Liter-Vierzylinder und der 48V-Soft-Hybridisierung. Sie ist hier – weniger aufwändig als in der S-Klasse mit ihrer integrierten E-Unterstützung – als externe Starter/Generator-Einheit mit Riemenantrieb ausgeführt. Beim Beschleunigen generiert sie einen elektrischen 14-PS- und 160-Newtonmeter-Zusatzschub. Dazu ermöglicht sie die für den Überland-Verbrauch wichtige Segelfunktion, indem der Motor zwischendurch abschalten und nahtlos wieder in den Betrieb einklinken kann. Ebenfalls neu sind der C 180 mit 1,6-Liter-Diesel und 122 PS und der größere 2-Liter-Bruder mit 194 PS im C 220. Beide sind mit der motornahen Kombi-Abgasreinigungseinheit aus Oxidationskatalysator und AdBlue-Partikelfilter ausgestattet, für die Mercedes 2017 mit dem Ferdinand-Porsche-Preis der TU Wien ausgezeichnet wurde.

In der Praxis ist das beste Kompliment, das sich der C 200 verdient, die Unmerkbarkeit, mit der seine elektrischen Zusatzsysteme in das Fahren eingreifen. Der homogene Zusatzschub beim Beschleunigen überbrückt zugleich die Minimalspanne zum Ansprechen des Turbos und das Übergleiten in die Segelfunktion passiert ebenso selbstverständlich und unaufgeregt wie die Wiederaufnahme des Betriebs. Insgesamt empfiehlt sich der C 200 gegenüber den immer recht angestrengt wirkenden kleineren Benzinern C 160 und C 180 mit ihren 129 und 156 PS damit als wahrer Einstiegs-Benziner. Der schon zu testende neue Sauber-Diesel C 200 wirkt dank des kürzeren Drehzahlbands zwar subjektiv bulliger, dank der serienmäßigen, da wie dort souverän agierenden 9-Gang-Automatik kann der Benziner aber auch bei der Elastizität locker mithalten. Die ebenfalls überarbeitete Option der dynamischen Fahrwerkssteuerung verringert dazu den qualitativen Abstand zur teureren Luftfederung. In der Auslegung der Fahrmodi bleibt Mercedes bei allen Modellen äußerst komfortbetont: Bei Eco, Comfort und sogar Sport wirkt das Gesamtsetup rundum äußerst reduziert und zurückhaltend, erst bei Sport+ geht es schließlich doch noch sehr lebendig und progressiv zu.

Dezent ist auch der mit dem Facelift ausgelöste Preissprung ausgefallen, der je nach Modell ab etwa 800 Euro beträgt: Der 1,6-Liter-Basis-Benziner führt die Preisliste von unten mit 38.110 Euro an. Für den innovativen C 200 ruft Mercedes ab 5880 Euro mehr auf, die Selbstzünder-Alternative C 200 d kostet noch einmal knapp 300 Euro mehr, der etwas günstigere C 180 d wird im August nachgereicht. Die Aufpreise für den Kombi reichen je nach Motorisierung von etwa 2600 bis 3700 Euro.




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