Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 24.06.2018


Test

Das etwas andere Sportauto

Der Plug-in-Hybrid BMW i8 war schon als Coupé ein Hingucker und eine Besonderheit hinsichtlich seiner Antriebskonfiguration. Das gilt erst recht für das neue Derivat, den zweisitzigen Roadster.

© HöschelerBMW weitet das Angebot an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben kontinuierlich aus, seit Kurzem neu im Sortiment ist der 374 PS starke i8 Roadster, ein Plug-in-Hybrid-Supersportwagen.



Von Markus Höscheler

Kirchberg – Nicht mit Fake News, sondern mit Bad News beginnen wir und beenden wir diese Geschichte. Dazwischen gibt es jede Menge Gutes über den i8 Roadster von BMW, ganz neu am Markt, zu berichten. Doch die Begeisterung für den dynamisch gezeichneten Teilzeitstromer war nicht überall da – beim ersten Promenieren mit dem offenen Plug-in-Hybrid-Supersportwagen schrie uns ein spazierender Volksschüler ein Fäkalwort, verbunden mit „Cabrio“, nach. Wenig wohlwollend war auch ein Facility Manager eines Tiroler Parkgaragenbetreibers. Der Mann unterbrach eigenhändig den von uns intendierten Ladevorgang an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose und hinterließ an der Windschutzscheibe die Nachricht: „Ihr Kennzeichen wurde notiert.“ Die Garage bietet bis jetzt leider keine offizielle Lade­möglichkeit. Dabei ging es lediglich ums Aufrüsten des Lithium-Ionen-Speichers, der über ein Kapazität von 11,6 Kilowattstunden verfügt – was einem Wert von rund zwei Euro entspricht.

Zwischen vier und fünf Stunden Ladezeit sind dann einzuplanen, um eine rein elektrische Reichweite von brutto 53 Kilometern zu erzielen. Damit ließe sich emissionsfrei das Innsbrucker Ballungsgebiet abfahren, für Ausflüge in die Alpentäler wäre es natürlich zu wenig. Glücklicherweise gibt es noch einen zweiten Energiespeicher, einen Benzintank (mit wahlweise 30 oder 42 Litern Fassungsvermögen). Der ist der Garant dafür, die Leistungs- und Drehmomentspitzen des Supersportwagens voll auskosten zu können. Denn bei extremer Beanspruchung ist es dem i8 Roadster möglich, in 4,6 Sekunden von null auf 100 km/h zu beschleunigen und sogar 250 km/h schnell zu fahren. Auf heimischen Passstraßen ist die Höchstgeschwindigkeit allerdings weniger gefragt, schon rein aus physikalischen und rechtlichen Gründen. Hohe Kurventempi finden gleichwohl Anklang, genau darauf ist das ausreichend komfortable Fahrwerk ausgerichtet, außerdem die traktionsfreundliche Allrad-Konfiguration: Der Elektromotor treibt die Vorderräder an, der 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner die Hinterräder. Das Zusammenspiel der beiden Aggregate und der Sechsgangautomatik funktioniert klaglos, auch der typische Dreizylinder-Klang ist dem offenkundigen Fahrvergnügen nicht hinderlich. Hilfreich beim zügigen, sorglosen Vorankommen ist das volldigitale Instrumentarium mit ständigem Hinweis auf die Gesamtreichweite und die rein elektrische Reichweite. Verschiedene Fahrmod­i lassen sich unkompliziert einstellen, der Sportmodus reagiert mit rötlicher Färbung des Instrumentariums und mit einer Veränderung des Projektionsverhaltens des Head-up-Displays – mit der Darstellung eines zentralen Drehzahlmessers.

Zurückhaltung kennt der i8 Roadster nur bei zwei Dingen: beim Verbrauch und beim Ladeabteil. Im Test, der Passfahrten ins Kühtai und aufs Penser Joch sowie eine Tour nach Kitzbühel einschloss, begnügte sich der 374 PS starke Wagen mit einem Benzinkonsum von 7,8 Litern je 100 Kilometer. Vom Fabelwert des Normverbrauchs nach NEFZ (2,1 l/100 km) sind wir damit zwar weit entfernt, aber in Anbetracht des Leistungsverhaltens und der Bruttoreichweite (zwischen 500 und 600 Kilometern) könnte es uns und die Umwelt schlechter treffen.

Apropos Umwelt: Diese genießen die beiden Insassen umso mehr, wenn sich das Akustikverdeck innerhalb von wenigen Sekunden unkompliziert hinter den Sitzen vollautomatisch verstaut – der Vorgang ist sogar während der Fahrt bis zu einem Tempo von 50 km/h möglich. Damit wird aber offensichtlich, dass der Kofferraum beim i8 Roadster nur eine Nebenrolle spielt: Lediglich 88 Liter offeriert das ansonsten luxuriös ausgestattete 161.500-Euro-Modell hinten.

Das aber sind weder Fake noch Bad News, denn von einer zweisitzigen offenen Karosserievariante darf sich niemand einen Lademeister erhoffen. Für Theatralik sorgen dagegen die seitlich aufschwingenden Flügeltüren. Die sind dick gehalten, aber leider nicht in der Lage, die Seitenfenster im heruntergelassenen Zustand komplett zu verstauen. Wer also gerne den Ellbogen beim Fahren rausstreckt, muss mit Bequemlichkeitseinbußen rechnen.




Kommentieren